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Leak des Opel Astra Wenn das Auto plötzlich nackt dasteht

Eigentlich wollte Opel die Optik des neuen Astra noch geheim halten. Doch dann tauchten Bilder des Modells im Netz auf. Immer öfter verlieren die Autobauer das Versteckspiel um ihre neuesten Modelle.

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Nachdem erste Bilder auf einem italienischen Blog auftauchten, hat Opel den neuen Astra gleich ganz gezeigt. Quelle: dpa

Düsseldorf Neue Modelle werden bei den Herstellern gehandhabt wie ein Staatsgeheimnis. Vorsichtsmaßnahmen gegen so genannte Erlkönig-Jäger, Paparazzi auf Premierenjagd, sind selbstverständlich. Und so ließ Opel den neuen Astra komplett verkleiden, bevor die versammelte Motorpresse probefahren durfte. Außen verwirrte ein neues 3D-Muster, im Innenraum wurde durch Folien und eine Lederverkleidung verdeckt, wie der neue Opel aussehen könnte.

Diese Versteckspielchen sind ein übliches Prozedere in der Branche. So weckt man die Neugier, ohne schon vor der Premiere zu viel zu verraten. Fahreigenschaften können so getestet werden, ohne dabei zu viel Aufsehen zu erregen. „Gut getarnt ist halb gewonnen“, ließ Opel gar per Pressemitteilung verkünden.

Umso mehr dürfte man sich in Rüsselsheim geärgert haben, als am Montag die ersten Bilder des neuen Astra im Netz kursierten. Die italienische Branchen-Website Carpassion.it zeigte den Bestseller völlig nackt. Ohne Tarnung und vor allem: eine Woche früher als geplant. Wie die Pressebilder nach Italien gekommen sind, darüber rätselt man auch in Rüsselsheim. Doch man reagierte schnell: Nur wenige Stunden später wurden offizielle Bilder mit den Fahrzeugdaten an die Weltpresse verschickt.

Immer öfter sind solche vermeintlichen Leaks nur getarnte PR-Aktionen. Doch in diesem Fall hätte man dem Astra wohl lieber einen größeren Auftritt gegönnt. Seine offizielle Premiere sollte die Neuauflage des Bestsellers nämlich erst auf der IAA in Frankfurt feiern. Bis dahin sind exklusive Häppchen im Vorfeld ein beliebtes Mittel, um ein Modell im Gespräch zu halten – und geben Gelegenheit, das Auto abseits des Messetrubels besonders in Szene zu setzen.

Andere Hersteller suchen zu solchen Gelegenheiten die ganz große Bühne: Für die Premiere des neuen Golfs mietete VW dafür vor drei Jahren die Nationalgalerie in Berlin, der i3 von BMW wurde gar parallel auf drei Kontinenten präsentiert – in Peking, New York und London. Die mediale Salami-Taktik ist Teil der Strategie. Erste exklusive Fotos wichtiger Modelle wie des aktuellen Astra schaffen es so bis auf die Titelseiten.

Auch ist der Astra für Opel nicht irgendein Modell – er ist das meistverkaufte. Seine Premiere ist für die Rüsselsheimer so wichtig wie der Golf für Volkswagen. Zudem ist der neue Astra ist das erste Modell, bei dem Opel-Chef Karl-Thomas Neumann komplett die Fäden in der Hand gehalten hat – vom ersten Entwurf bis zum serienreifen Modell. Am Astra wird er gemessen werden.


Geheimes Designstudio im Keller

An den Mankos, an denen der Vorgänger krankte, hat man darum erfolgreich gearbeitet. Der neue Astra ist deutlich leichter, der Innenraum ist aufgeräumter, und was die Multimedia-Ausstattung angeht sogar ein bisschen besser ausgerüstet als der Golf. Auch äußerlich hat der Astra viel Biederkeit abgelegt und ist ein schnittiger Golf-Jäger. Umso wichtiger war es für Opel, den Neuen vor neugierigen Blicken zu schützen.

Im Haus-Blog der Rüsselsheimer hatte ein Entwicklungsingenieur bereits vor Wochen interessante Einblicke in die Strategie des Tarnen und Täuschens rund um den neuen Astra gegeben. „Wenn es nach mir ginge, wären neue Modelle wie der Astra K bis zu ihrer Premiere ausschließlich im kompletten Tarndress auf der Straße unterwegs“, erzählt Opel-Tarnungsexperte Andreas Kunis in seinem Beitrag.

Doch Volumenmodelle müssen getestet werden. Um die Aerodynamik realistisch zu halten und Sicherheitsvorgaben zu erfüllen, dürfen die professionellen Autoverstecker nicht zu radikal vorgehen. Sie arbeiten mit allen Tricks, wie beispielsweise Folie mit eingebauter optischer Täuschung. Im Wettlauf mit den Erlkönig-Jägern ziehen sie meistens trotzdem den Kürzeren. Und wenn dann noch offizielle Pressefotos weitergegeben werden, sind auch die Autotarner erst Recht machtlos.

Wirkliche Überraschungen gibt es nur noch selten – und wenn, dann handelt es sich meist um ganz besondere Autos, die erst später in Serie gehen sollen. Für den Supersportwagen GT, der auf der Autoshow in Detroit die Branche überraschte, ließ Ford-Designchef Moray Callum gar einen ganzen verlassenen Keller ausräumen und sanieren. Nur zwei Schlüssel zur kleinen exklusiven Designwerkstatt gab es. Und so wussten am Ende nur wenige Eingeweihte, was auf der Detroit Motorshow auf die Bühne rollen würde. Eine solche Überraschung wird dem neuen Astra nun nicht mehr gelingen.

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