Lebensmittelriese vor Jahreszahlen Schafft Nestlé noch den Schlussspurt?

Am Donnerstag legt der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller seine Jahreszahlen für 2014 vor. Um die selbst gesteckten Wachstumsziele zu erreichen, müsste Nestlé im vierten Quartal ungewöhnlich viel verdient haben.

Der größte Lebensmittelkonzern der Welt, Nestlé, präsentiert seine mit Spannung erwarteten Jahreszahlen. Quelle: REUTERS

Am Donnerstag veröffentlicht der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé die Zahlen für das vierte Quartal und für das zurückliegende Geschäftsjahr 2014. Um das selbst gesteckte Jahresziel zu erreichen, müsste das organische Wachstum im vierten Quartal jedoch deutlich zugelegt haben. Exakt festgelegt hatte sich Nestlé-Chef Paul Bulcke zwar ohnehin nicht. Nach der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal hatte er ein Wachstum "um fünf Prozent" in Aussicht gestellt. In den ersten neun Monaten hatte der um Akquisitions- und Währungseinflüsse bereinigte Umsatz von Nestlé aber nur um 4,5 Prozent zugelegt. Seit Jahren sieht das Nestlé-Modell ein Jahreswachstum von fünf bis sechs Prozent vor. 

Trotz eines gewissen Spielraums dank Bulckes schwammiger Formulierung zeigen sich Analysten skeptisch. Der Konsens geht für das vergangene Jahr von einem organischen Wachstum von 4,5 Prozent aus. Die britische Barclays-Bank ist mit ihrer Schätzung von 4,4 Prozent leicht darunter und die Schweizer Bank UBS mit 4,6 Prozent leicht darüber.

Nestlé lotet Verkauf von Tiefkühl-Sparte aus
Davigel vor Verkauf?Drei mit der Situation vertrauten Personen zufolge lotet Nestlé einen Verkauf der Tochter Davigel aus. Der Hersteller von Tiefkühlkost für Restaurants und Krankenhäuser dürfte den Insidern zufolge rund 300 Millionen Euro wert sein. Mögliche Käufer seien die Nahrungsmitteldienstleister Brake Brothers, Booker Group und Sodexho sowie Finanzinvestoren. Offensichtliche Kandidaten sind einem der Insider zufolge Bain sowie Clayton, Dubilier & Ric , weil beide in der Vergangenheit in die Branche investiert hätten. Im Oktober hatte Nestle-Chef Paul Bulcke schwächelnde Geschäftsbereiche mit dem Schlagwort "in Ordnung bringen oder verkaufen" zur Disposition gestellt. Kurz darauf gaben die Schweizer den größten Teil der kränkelnden Diätsparte Jenny Craig an den US-Finanzinvestor North Castle Partners ab. Das US-Tiefkühl-Pasta-Geschäft ging im Januar an Brynwood Partners. Am 3. Februar 2014 meldete Nestle den Verkauf des Energieriegel-Herstellers PowerBar an die amerikanische Post Holdings. Analystenschätzungen zufolge könnte Nestle Geschäfte im Umfang von fünf bis 15 Milliarden Franken Umsatz abgeben. An der Börse wird gerätselt, ob sich Nestle auch von ihrer 30-Prozent-Beteiligung an dem französischen Kosmetikkonzern L'Oreal trennen könnte. Nestlé zählt zu den größten Nahrungsmittelkonzernen der Welt. Seinen Ursprung hat das Unternehmen 1843. Wie alles begann... Quelle: Screenshot
Nestlé-Logo Quelle: dpa
Screenshot eines Bildes auf der Flickr-Seite Quelle: Screenshot
Historische Maggi-Reklame Quelle: dpa
Kosmetik von L´Oreal Quelle: REUTERS
Nespresso-Kapseln Quelle: dpa
Schweizer Börse Quelle: REUTERS
Perrier-Flaschen Quelle: Reuters
Katzenfutter von Nestlé und Purina Quelle: AP
Mövenpick-Eiscreme-Verpackung Quelle: PR Nestlé unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/legalcode
Wagner-Pizza Quelle: dpa
Jenny-Craig-Filiale Quelle: PR Nestlé unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/legalcode
Ein Baby wird gefüttert Quelle: dpa
Paul Bulcke Quelle: REUTERS
Süßigkeiten von Hsu Fu Chi Quelle: dpa
Pizer-Logo Quelle: REUTERS
Special T Quelle: PR Nestlé unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/legalcode

Nestlé in der Frankenfalle?

Nestlé ist mit bekannten Marken wie Maggi, Herta-Wurst, Nespresso, Smarties, Alete oder der Wassermarke Vittel der größte Hersteller von Lebensmitteln weltweit. Dabei sieht sich der Schweizer Multi längst nicht mehr als purer Nahrungsmittelhersteller, sondern immer mehr als Gesundheits- und Wellnesskonzern. Um den Bereich Gesundheit auszubauen, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr Galderma komplett vom französischen Kosmetikkonzern L’Oréal übernommen und damit die Sparte Skin Health geschaffen. Die Firma mit Sitz in Lausanne soll laut Konzern auf die weltweite Nachfrage im Bereich Hautgesundheit ausgerichtet werden. Aussagen des Managements zu diesen Aktivitäten und der strategischen Ausrichtung werden morgen bei der Vorlage der Jahreszahlen erwartet.

Mit Blick auf 2015 dürfte morgen allerdings besonders die Einschätzung von Nestlé interessieren, wie groß der Einfluss des starken Frankens auf den Umsatz ist. Die überraschende Aufgabe des Mindestkurses von 1,20 im Verhältnis des Franken zum Euro durch die Schweizerische Nationalbank Mitte Januar hat am Schweizer Aktienmarkt selbst die Kurse von Blue Chips tief in den Keller getrieben. Die großen Verlierer der Wechselkursfreigabe sind allerdings jene Unternehmen, die nur oder zum überwiegenden Teil  in der Schweiz produzieren und mehrheitlich ins Ausland verkaufen. Das trifft allerdings nicht auf den Schweizer Lebensmittel-Giganten zu. Laut Bulcke produziert Nestlé nämlich zu 95 Prozent vor Ort, sprich in den jeweiligen Auslandsmärkten.

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91,6 Milliarden Franken Umsatz erwartet

Auch wenn die Aufwertung des Franken große Unruhe unter Anlegern ausgelöst hat, die in Schweizer Unternehmen investieren - zumindest im Fall Nestlé könnten die Folgen der Wechselkursverschiebungen gering bleiben. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte angesichts der jüngsten ungünstigen Währungskonstellationen um ein Prozent gesunken sein, kommentierte ein Analyst.

Für das zurückliegende Geschäftsjahr erwarten Analysten im Schnitt einen Umsatz von 91,6 Milliarden Franken, das entspricht etwa 86 Milliarden Euro. Dies wäre ein Rückgang von knapp einem Prozent, der sich auch durch den Verkauf von Marken wie Juicy Juice und PowerBar erklärt. Mit Sitz in Vevey und mehr als 330.000 Mitarbeitern erwirtschaftete Nestlé im Geschäftsjahr 2013 einen Gewinn von rund 8,7 Milliarden Euro.

Aufgrund der insgesamt moderaten, aber durchaus konstanten Wachstumsstory ist Nestlé für viele Anleger eine Art Dauerläufer im Depot. Außerdem erhöhen die Schweizer regelmäßig die Dividende – und das schon seit 1959. In diesem Jahr erwarten Analysten eine Dividende von 2,15 Franken je Aktie - zehn Rappen mehr als 2013

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