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LichtkonzernOsrams zweiter Interessent macht schnellen Rückzieher

Der österreichische Chip-Hersteller AMS zeigte zum Wochenauftakt Interesse am Münchner Lichtkonzern Osram. Doch schon wenige Stunden später zieht er sein Angebot wieder zurück. Begründung: „Keine ausreichende Basis.“ 16.07.2019 - 07:58 Uhr

Ein neues Angebot zur eventuellen Übernahme von Osram lag nur wenige Stunden auf dem Tisch, dann zog sich der österreichische Interessent zurück.

Foto: dpa

Für die Aktionäre von Osram ist die Hoffnung auf ein zweites, höheres Übernahmeangebot für den Münchner Lichtkonzern schnell wieder zerstoben. Der österreichische Chip-Hersteller AMS, der nach Angaben von Osram am Montag 38,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt hatte, machte noch in der Nacht zum Dienstag einen Rückzieher. Man habe zwar mit Osram über eine mögliche Übernahme gesprochen, sehe aber „nach Evaluierung der jüngsten Entwicklungen (...) keine ausreichende Basis“ für weitere Verhandlungen. Der Osram-Vorstand um Olaf Berlien hatte sich skeptisch gezeigt, dass sich das Unternehmen aus der Nähe von Graz, das deutlich kleiner ist als Osram selbst, den Zukauf werde leisten können.

Damit liegt für Osram weiterhin nur die vier Milliarden Euro schwere Offerte der Finanzinvestoren Bain und Carlyle vor, die 35 Euro je Aktie bieten wollen. Ihr Angebot wird derzeit von der BaFin geprüft, deren Zustimmung in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Dann haben die Osram-Aktionäre einige Wochen Zeit, um ihre Aktien den Investoren anzubieten, die Osram beim Umbau begleiten wollen. Diese haben zur Bedingung gemacht, dass sie mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre auf ihre Seite ziehen.

Parallele Verhandlungen mit AMS hätten ihre Pläne empfindlich stören können, denn zahlreiche Osram-Aktionäre hätten dann wohl abgewartet, ob nicht doch noch ein höheres Angebot auf den Tisch käme. Nach Bekanntwerden des Interesses von AMS war die Osram-Aktie am Montagabend bereits um fünf Prozent auf 34,80 Euro nach oben geschnellt.

Seit dem Abend des 4. Juli ist klar, dass Vorstand und Aufsichtsrat von Osram das Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain und Carlyle befürworten wird. Die Amerikaner bieten 35 Euro je Aktie für den kriselnden Berliner Leuchtenkonzern. Sollten Besitzer von wenigstens 70 Prozent der Osram-Aktien das Angebot bis September annehmen, ginge das Unternehmen in die Hände der Finanzinvestoren. Gut möglich, dass Osram sich dann nach nur sechs Jahren wieder von der Börse verabschiedet.

Erst 2013 spaltete Siemens die Tochter ab und buchte Siemens-Aktionären zusätzlich Osram-Anteile ins Depot. Nun also könnte das Kapitel Börse schon wieder beendet werden. Übernahmeversuche von Finanzinvestoren hatten sich zuletzt gehäuft: So sorgte etwa das Angebot von KKR für den ebenfalls im MDax gelisteten Medienkonzern Axel Springer für Aufsehen. Anfang des Jahres hatten zudem Finanzinvestoren letztlich erfolglos versucht, Scout24 zu schlucken. In Erinnerung geblieben ist zudem die Übernahmeschlacht um Stada vor zwei Jahren, an der auch Osram-Interessent Bain maßgeblich beteiligt war. Für die Altaktionäre kann der Appetit der Private-Equity-Investoren durchaus gewinnbringend sein. Manchmal endeten die Übernahmeabenteuer jedoch auch mit einer Enttäuschung, wie die folgenden Beispiele zeigen.

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Lange zurück liegt der letzte Handelstag der Parfümeriekette Douglas. Das Unternehmen aus Hagen zog sich 2013 von der Börse zurück, nachdem es von der Privat-Equity-Firma Advent International gekauft worden war. 38 Euro Abfindung je Aktie bot sie Aktionären; das war nur ein Mini-Aufschlag von acht Prozent auf den Kurs von vor Bekanntwerden der Übernahmegespräche. Auch wer das Angebot nicht annahm und via Squeeze-Out-Verfahren („Herausquetschen“) aus dem Aktionärskreis gedrängt wurde, bekam keinen Nachschlag.

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Der Finanzinvestor KKR nahm nach seinem Einstieg bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das Unternehmen gemeinsam mit dem Mehrheitsaktionär (GfK Verein) von der Börse. Letzter Handelstag war der 18. Oktober 2017. Aktionäre wurden im Squeeze-Out mit 46,08 Euro je Aktie abgefunden; 37 Prozent Aufschlag zum letzten Kurs vor dem Einstieg von KKR.

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Auch beim Arzneimittelhersteller Stada waren Finanzinvestoren am Werk: Bain und Cinven kauften 2017 eine Mehrheit am Generikahersteller für gut 66 Euro je Aktie. US-Investor Elliott sprang auf den Übernahmezug auf, kaufte sich bei Stada ein und forderte eine Nachbesserung. Die bekam er: Die knapp 82 Euro je Aktie, die es Ende 2018 schließlich gab, bedeuteten noch mal einen üppigen Aufschlag auf die ursprüngliche Offerte. Am 27. November 2018 wurde die Aktie zum letzten Mal an der elektronischen Börse Xetra gehandelt. Wer bis dahin dabei blieb, konnte gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden des Übernahmeangebots einen Kurszuwachs von zwei Dritteln einstreichen. Heute können Investoren Stada-Aktien weiter an deutschen Regionalbörsen handeln, der Rückzug von dort läuft noch.

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Dass Übernahmen bisweilen auch mal scheitern, zeigte sich in diesem Mai. Da lehnten die Anteilseigner des Immobilien- und Autoportalbetreibers Scout24 die Offerte der US-Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman und Blackstone über 46 Euro je Anteilsschein mehrheitlich ab. Das Unternehmen blieb also eigenständig und börsennotiert. Heute liegt der Kurs sogar etwas über dem damaligen Angebotspreis.

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Am 12. Juni kündigte der Finanzinvestor KKR offiziell ein Übernahmeangebot für den Medienkonzern Axel Springer an. 63 Euro je Aktie bieten die Amerikaner den Minderheitsaktionären, Großaktionärin Friede Springer wird ihre Anteile behalten und mit KKR gemeinsame Sache machen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bereits zuvor von den Plänen berichtet und angedeutet, der Schritt diene dazu, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Noch ist es nicht soweit, das Übernahmeangebot ist noch nicht einmal veröffentlicht. Doch auch so brachte die Offerte Anlegern schon einen ansehnlichen Kurszuwachs von 37 Prozent.

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Seit Jahren wird auch die ehemalige Siemens-Tochter Osram als Übernahmekandidat gehandelt. Nun wird es konkret: Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle bieten 35 Euro je Aktie; der Kurs stieg am Tag der Bekanntgabe um bis zu 13 Prozent. Auch im Fall Osram ist denkbar, dass die Investoren die Aktie von der Börse nehmen, sollte das Übernahmeangebot Erfolg haben. Offiziell bekannt gegeben wurden derartige Pläne aber noch nicht.

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AMS hätte sich vor allem für die Opto-Halbleiter-Sparte von Osram interessiert, die wie die auf Sensoren spezialisierten Österreicher die Autoindustrie beliefert. Der Vorstand von Osram hatte aber in Frage gestellt, wie die Österreicher die Übernahme hätten finanzieren wollen. An der Schweizer Börse ist AMS 3,1 Milliarden Euro wert. Nach Angaben des Münchner Konzerns hatte AMS zunächst geplant, sich 4,2 Milliarden Euro von Banken zu besorgen und die Kredite später zum Teil mit einer 1,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung zu tilgen. Zusagen für die Kredite habe es aber nicht gegeben. AMS betonte, man sei bei allen Übernahmen „der Beibehaltung einer soliden Kapitalstruktur verpflichtet“. Das operative Geschäft laufe gut.

Die Stellungnahme von Osram hatte maximale Distanz zu dem Vorstoß aus Österreich erkennen lassen: „Der Vorstand der Osram Licht AG erachtet auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen die Transaktionswahrscheinlichkeit als sehr gering.“ Man sei aber pflichtgemäß bereit, die Bücher für AMS zu öffnen. Osram werde vor einem Gegenangebot darauf drängen, dass die Österreicher vergleichbare schriftliche Zusagen machten wie die Investoren Bain und Carlyle.

Bereits vor fünf Jahren hatten sich Übernahmepläne von AMS in Deutschland zerschlagen. Damals hatten die Österreicher mit dem schwäbisch-britischen Chip-Entwickler Dialog Semiconductor fusionieren wollen. Doch Dialog blies die Transaktion schnell wieder ab.

rtr
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