Linde Geschäftszahlen Große Aufgaben für Wolfgang Büchele

Premiere in München: Zum ersten Mal präsentiert der neue Vorstandschef Wolfgang Büchele die Linde-Jahresbilanz. Er tritt in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Wolfgang Reitzle hat den Konzern mit großem Erfolg umgebaut.

Wolfgang Büchele bei der Hauptversammlung des Anlagenbauers und Gasespezialisten Linde AG im vergangenen Jahr. Quelle: dpa

Vor allem eines hat Wolfgang Büchele in den vergangenen Monaten stets betont: Aufzuräumen gebe es bei Linde nichts. In der Tat hat sein Vorgänger Wolfgang Reitzle dem neuen Linde-Chef im Mai vergangenen Jahres ein ordentlich bestelltes Haus übergeben. Konsequent hatte Reitzle die Aktivitäten des Konzerns mit einem Umsatz von zuletzt fast 17 Milliarden Euro und 64.000 Mitarbeitern zusammengestrichen.

Das Geschäft mit Gabelstaplern hatte der frühere Automanager verkauft und sich auf das renditestarke Geschäft mit Industriegasen und den Anlagenbau konzentriert. Mit der Milliardenakquisition des amerikanischen Unternehmens Lincare hatte Reitzle den Münchner Konzern 2012 ins Healthcare-Geschäft geführt. Lincare ist ein Anbieter medizinischer Gase für die Versorgung von Patienten zuhause und in Hospitälern.

Übernahmen dieser Größenordnung, so hat Büchele in der Vergangenheit bereits betont, plane er nicht; kleinere Akquisitionen will der frühere BASF-Manager indes nicht ausschließen.

In den Neunzigerjahren hat Büchele für den Ludwigshafener Chemieriesen in China gearbeitet. Vor allem eines, so erklärte er im vergangenen Jahr, habe er dort gelernt: die Fähigkeit, sich schnell auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen.

Welche Dax-Konzerne vor allem im Ausland verdienen
Der Gesamtumsatz der DAX-30-Unternehmen legte zwischen 2008 und 2013 um 24 Prozent auf 1116 Milliarden Euro zu. Dabei steigen die im Ausland erzielten Erlöse um 33 Prozent auf 855 Milliarden Euro, während der Umsatz in Deutschland mit 261 Milliarden Euro lediglich um eine Milliarde über dem Wert von 2008 lag. Das geht aus einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor. Die Dax-Konzerne mit den prozentual größten Auslandsanteilen am Gesamtumsatz sind... Quelle: REUTERS
Platz 10 (1): K + SUmsatz 2013: 3,9 Milliarden, davon 3,3 im Ausland Auslandsanteil: 84 %Nach dem Gesamtumsatz betrachtet ist der Kali- und Salz-Spezialist ein kleiner Fisch im Dax und schwimmt dazu derzeit in unsicheren Gewässern. Der Düngemittelhersteller K+S teilt sich den zehnten Platz im Ranking mit einem der größten deutschen Automobilhersteller... Quelle: dpa
Platz 10: BMWGesamtumsatz 2013: 76 Milliarden Euro, davon 64 im Ausland Auslandsanteil: 84%Auch die Münchener erreichen einen Auslandsumsatzanteil von 84 Prozent. Volkswagen hält absolut betrachtet zwar den Rekord beim höchsten Auslandsumsatz - gut 159 Milliarden Euro erwirtschafteten die Wolfsburger im Ausland und damit so viel wie kein anderer Dax-Konzern - doch in Relation zum Gesamtumsatz erreicht VW nur eine Quote von 81 Prozent Auslandsanteil. Quelle: dpa
Platz 9: SAPUmsatz 2013: 16,8 Milliarden Euro, davon 14,3 im Ausland Auslandsanteil: 85 %Hohe Auslandsquote, aber am Gesamtumsatz gemessen eines der kleineren Unternehmen im Dax. Die fünf stärksten Konzerne gemessen an ihrem absoluten Auslandsumsatz sind: Volkswagen, Daimler, E.On, BMW und BASF. Doch fahren diese Unternehmen auch im Relation zu ihrem Gesamtumsatz die meisten Erlöse im Ausland ein? Das Ranking gibt Aufschluss. Quelle: dpa
Platz 7 (8): SiemensUmsatz 2013: 75,9 Milliarden Euro, davon 65,1 im Ausland Auslandsanteil: 86 %Der Technologiekonzern aus München wollte zum weltweiten Infrastruktur-Spezialisten werden, diese Strategie funktionierte nicht. Siemens-Chef Joe Kaeser baut derzeit kräftig um und will explizit auch das Auslandsgeschäft neu strukturieren, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Den 7. Platz teilen sich die Münchener mit... Quelle: dpa
Platz 7: HenkelUmsatz 2013: 16,2 Milliarden Euro, davon 14 im Ausland.* Auslandsanteil: 86 %Der Waschmittel -und Klebstoffkonzern aus Düsseldorf wächst vor allem in Asien. Chef Kasper Rorsted kündigte 2011 an, dass China bis 2015 zum zweitgrößte Markt für den Konzern werden solle. *Die im Geschäftsbericht unter Corporate ausgewiesenen Umsätze können keiner Region zugeordnet werden und gehen nicht in die Untersuchung ein. Quelle: dpa
Platz 6: BayerUmsatz 2013: 40,2 Milliarden Euro, davon 35,3 im Ausland Auslandsanteil: 88 %Der Pharma- und Chemiekonzern trumpft mit satten 88 Prozent Auslandsanteil auf. Konkurrent BASF (mit 59,5 Mio. Euro Auslandsumsatz die Top 5 gemessen am absoluten Umsatz), kommt dagegen nur auf 80 Prozent. Quelle: dpa
Platz 3 (5): MerckUmsatz 2013: 10,7 Milliarden, davon 9,9 im Ausland Auslandsanteil: 92 %Insgesamt gab es 2013 fünf Dax-Unternehmen, die mehr als 90 Prozent ihrer Umsatzerlöse außerhalb der heimischen Grenzen erzielten. E.On und Daimler - beide unter den Top 5 der Unternehmen mit den absolut größten Auslandumsätzen - sind übrigens nicht darunter. Sie erzielten "nur" 61 % bzw. 83 % ihrer Erlöse fern der Heimat. Quelle: dpa
Platz 3 (4): LindeUmsatz 2013: 16,7 Milliarden Euro, davon 15,3 im Ausland Auslandsanteil: 92 %Der Industrie-Gase-Spezialist erzielte wie auch das Pharmaunternehmen Merck 92 Prozent seiner Erlöse im Ausland. Aber noch ein drittes Unternehmen erreicht dieselbe Quote... Quelle: dpa
Platz 3: HeidelbergCementUmsatz 2013: 13,9 Milliarden Euro, davon 12,9 im Ausland Auslandsanteil: 92 % Quelle: AP
Platz 2: AdidasUmsatz 2013: 14,5 Milliarden davon 13,8 im Ausland Auslandsanteil: 95%Der Sportartikelhersteller schafft es mit Trainingshosen, Schuhen und Jacken auf einen beachtlichen Auslandsanteil von 95 Prozent. Betrachtet man die Dax-Unternehmen nach ihren absolut erzielten Umsätzen, zählt Adidas allerdings zu den kleinen Fischen. Zu den fünf umsatzstärksten Dax-Unternehmen zählen dagegen mit Volkswagen, Daimler und BMW gleich drei Automobilhersteller. Quelle: dpa
Platz 1: Fresenius Medical CareUmsatz 2013: 11,2 Milliarden Euro, davon 10,9 im Ausland Auslandsanteil: 97%Den höchsten relativen Auslandsumsatzanteil hält Fresenius Medical Care mit einer Auslandsquote von 97 Prozent. PwC-Vorstandsmitglied Petra Justenhoven: Will ein Unternehmen weiter wachsen, muss es im Ausland mit funktionierenden Geschäftsmodellen vertreten sein. Eine internationale Strategie ist für deutsche Großunternehmen also nicht etwa Luxus. Sie ist ein wesentlicher Faktor für ein erfolgreiches Wachstum." Quelle: dpa

Diese Gabe kann er bei Linde brauchen. Das Geschäft des Münchner Konzerns hängt stark am Wechselkurs des Euro. Im Oktober musste Büchele für das dritte Quartal 2014 einen auf 244 Millionen Euro halbierten Vorsteuergewinn vermelden. Der Grund: der starke Euro und die schwächere Konjunktur. In den vergangenen Wochen dürfte Büchele angesichts des schwächeren Euros dagegen wieder etwas entspannter durchgeatmet haben.

Auch beim Blick auf die Jahreszahlen: Die Umbaukosten drückten zwar das Ergebnis und der Gewinn ging 2014 um 16,3 Prozent auf 1,102 Milliarden Euro zurück, wie der Konzern am Montag in München mitteilte. Die Dividende soll dennoch um fünf Prozent auf 3,15 Euro je Aktie erhöht werden, denn der Umsatz stieg leicht auf 17,047 Milliarden Euro.
An der einen oder anderen Stelle will Büchele in nächster Zeit Korrekturen am Reitzle-Kurs vornehmen. So will der Linde-Chef in Zukunft stärker auf die Kundendichte achten: Je mehr Abnehmer in der Nähe einer Anlage residieren, desto höher, sagt Büchele, sei die Profitabilität. Aus Märkten, in denen Linde unter einer kritischen Marke liegt will sich das Unternehmen zurückziehen.

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Ein Selbstläufer werden die kommenden Jahre für Büchele sicherlich nicht. Angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten hatte er im Oktober bereits das Jahresziel für 2014 kassiert. Für das Jahr 2017 erwartet Büchele ein operatives Ergebnis von 4,5 bis 4,7 Milliarden Euro. Reitzle hatte für 2016 fünf Milliarden Euro geplant, aber schon damals auf den starken Euro verwiesen, der die Planung in Frage stellen könnte.

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