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Luftfahrt Boeings Vorsprung vor Airbus schmilzt

Im Vergleich der Flugkonzerne hat Boeing dank besserer Ergebnisse und einem besseren Rüstungsgeschäft die Airbus Gruppe erneut abgehängt. Doch die Europäer dürften bald aufholen.

Im Vergleich der Flugkonzerne hat Boeing die Airbus Gruppe erneut abgehängt. Quelle: dapd

Es ist schwer vorstellbar, dass ein Vorstandschef seine Jahresergebnisse mit mehr Zufriedenheit vortragen kann als heute Boeing-Chef Jim McNerney in der Firmenzentrale am Westufer des zentralen Flusses in der US-Metropole Chicago. Mit fast 87 Milliarden Dollar lag der Umsatz mehr als zehn Prozent über dem bisherigen Rekordjahr 2012. Gewinn und Cashflow waren mit 4,6 und 8,2 Milliarden Dollar ebenso beeindruckend.

Denn die Zahlen sind nicht einfach nur gut. Sie sind es trotz der vielen Probleme im vergangenen Jahr und der Pannenserie um die Batteriebrände beim neuen Wunderflugzeugs 787, besser bekannt als Dreamliner. Und nicht zuletzt sind sie besser als die, über denen die Finanzer bei der Airbus Group - ehemals EADS - in München und dem neuen Hauptsitz Toulouse gerade brüten.

Wo EADS der Konkurrentin Boeing voraus ist
Finanzen – Stärke der BilanzVorteil: BoeingDie Amerikaner verdienen derzeit nicht nur deutlich mehr Geld. Der Nachsteuergewinn lag mit gut vier Milliarden US-Dollar dreimal so hoch wie bei der EADS. Boeing hat auch die größere finanzielle Substanz. Doch wenn die EADS ihren Kurs beibehält und es keine weiteren größeren Pannen bei neuen Flugzeugprogrammen gibt, könnte sich die Lage bis 2015 ändern. Quelle: REUTERS
Kleine ZivilflugzeugeVorteil: EADSBei den Flugzeugen für die Kurz- und Mittelstrecke ist der A320 derzeit das Maß aller Dinge. Kein Flugzeug hat sich so schnell verkauft wie dessen sparsame Neuauflage mit dem Zusatz NEO. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Zwar bietet Boeing nach eigenen Angaben mit der dann fünften Auflage seines Bestseller 737 mit dem Kürzel MAX ein zumindest ähnlich gutes Flugzeug. Doch noch sind die meisten Airlines skeptisch. Uns selbst wenn hier Klarheit herrscht, dürfte NEO noch bis Ende des Jahrzehnts leicht vor MAX liegen. Quelle: dpa/dpaweb
Große ZivilflugzeugeVorteil: BoeingHier hat Boeing seit gut 40 Jahren die Nase vorn. Dafür sorgte zuerst der Jumbojet 747, der sowohl bei der Größer als auch bei der Eichweite die Maßstäbe setzte. Ab 1995 folgte dann die 777, die nur zwei Triebwerke hatte und darum deutlich günstiger flog als ihr viermotoriger Airbus-Widersacher A340.  Nun bedient Boeing den Markt für Flugzeuge zwischen 300 und 400 Plätzen praktisch alleine. Und bei den kleineren Fliegern hat nach Milliardenteuren Verspätungen nun der Siegeszug des neuen Leichtbaumodells 787 begonnen. Airbus hingegen kann mit der A330 die Lücke nicht füllen und bis der Sparflieger A350 Geld bringt vergehen noch mindestens zwei bange Jahre. Bei den ganz großen Maschinen hat  Airbus zwar mehr A380 verkauft als Boeing 747-8. Doch am Ende verdienen die Europäer wegen der deutlich höheren Entwicklungskosten damit auch nicht mehr Geld. Quelle: REUTERS
HubschrauberVorteil: EADSHier ist Boeing gut, aber EADS einfach bei weitem besser. Denn die Eurocopter genannte Tochter arbeitet als erster Teil des Konzerns so wie es sich der neue Chef Tom Enders sicher für die ganze EADS vorstellt: Weltmarktführer, viel Produktion im Dollarraum, eine wachsende Marge  und ein hoher Anteil im Servicegeschäft. Der Vorsprung wird bleiben, wenn Eurocopter-Chef Lutz Bertling kein Fehler passiert,  Quelle: dpa
RaumfahrtVorteil: unentschiedenHier liegen die Kontrahenten praktisch gleichauf. Boeing hat Vorteile im Militärgeschäft und besonders bei den Satelliten. Das bröckelt zwar, ist aber am Ende immer noch lukrativer als die vor allem im Zivilbereich aktive EADS-Tochter Astrium. Die hat jedoch ein bemerkenswertes Restrukturierungsprogramm hinter sich und könnte schon bald in Führung gehen. Quelle: dpa
Rüstung konventionellVorteil: BoeingAuch wenn Boeing daheim in den USA nur der zweitgrößte Rüstungskonzern hinter Lockheed Martin ist, am Ende kauft das amerikanische Verteidigungsministerium deutlich mehr Kampfflugzeuge ein als die Europäer. Dazu tun sich die Amerikaner leichter mit Exporten, denn dank der vielen Auslandseinsätze der US-Streitkräfte tragen US-Waffen das Gütesiegel Im Kampf bewährt.“  Darum hat Boeing deutlich die Nase vorne gegenüber der EADS-Tochter Cassidian Quelle: dpa
Rüstung ZukunftsgeschäftVorteil: EADSHier liegt die EADS-Tochter Cassidian leicht in Führung. Weil Europas Armeen schon früher als ihre US-Kameraden die Orders kürzten und die Exportchancen traditionell mäßig waren, müsste die in München ansässige Rüstungsabteilung der EADS schon früh in neue Geschäftsfelder vorstoßen, die sie zudem leichter exportieren konnte. Darum ist sie heute bei Dingen wie Internetsicherheit und Grenzüberwachung relativ gut im Geschäft. Dafür sorgt auch, dass Cassidian die vier Heimatländer Deutschland, Frankreich Großbritannien, Spanien hat und bei Aufträgen aus Schellenländern immer ein Land vorschieben kann, dass beim Auftraggeber zumindest als neutral gilt. Quelle: dpa

Für den Unterschied sorgt weniger das Hauptgeschäft mit den Verkehrsflugzeugen. Hier schlagen sich beide gut. Zwar steht Boeing bei den größeren Fliegern für die Langstrecken etwas besser da als Airbus, die hier nur schon etwas betagte Produkte anbieten, aber das machen die Europäer mit ihren Mittelstrecken-Maschinen der A320-Familie wieder wett. 

Entscheidend ist die Rüstungsproduktion der beiden Kontrahenten. Hier sind die Unterschiede am Ende so groß, dass es manchmal wirkt als seien beide in verschiedenen Branchen. Während Boeing im Umsatz gleich und profitabel bleibt, steht das aus den ehemaligen Töchtern Cassidian (Rüstung) und Astrium (Raumfahrt) genannte Feld von Airbus vor einem grundlegenden Umbau, bei dem rund 5800 Jobs auf der Strecke bleiben sollen.

Das liegt zum einen am politischen Umfeld. Boeing profitiert davon, dass sein Heimatland USA trotz aller Abstriche der weltgrößte Rüstungsmarkt ist und die Regierung unter Präsident Obama weiterhin in neues Gerät investiert. Dazu kann Boeing bei Aufträgen aus dem Ausland in der Regel mit stärkerer Schützenhilfe der US-Diplomaten rechnen.

Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich

Airbus hingegen leidet nicht nur unter den mit der Eurokrise vor allem außerhalb Deutschlands sinkenden Rüstungsetats. Der Gruppe fehlt auch die öffentliche Schützenhilfe. Etwa weil mit Frankreich und Großbritannien gleich zwei europäische Länder weitere Rüstungsbetriebe haben und die im Zweifel eher fördern als die paneuropäische Ex-EADS, zumal deren Waffenproduktion vor allem in Deutschland liegt, das sich mit der Produktion und erst recht dem Export von Waffen vor der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs schwer tut. Und das gilt nicht nur für klassisches Schießzeug, sondern auch für wenig bis gar nicht tödliches Gut wie Getriebe für Lastwagen oder Systeme zur Grenzüberwachung.

Doch das Klagelied greift zu kurz. Denn ein Teil der Probleme mit Rüstung und Raumfahrt der Airbus-Gruppe ist hausgemacht.

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