Luftfahrt Eine gute Nachricht für Boeing

Die australische Fluglinie Qantas beschert dem US-Flugzeughersteller Boeing die bislang größte Abbestellung seines Vorzeigemodells 787. Doch das ist kein Alarmzeichen für den Airbus-Konkurrenten, sondern eher für die Airline.

Wo EADS der Konkurrentin Boeing voraus ist
Finanzen – Stärke der BilanzVorteil: BoeingDie Amerikaner verdienen derzeit nicht nur deutlich mehr Geld. Der Nachsteuergewinn lag mit gut vier Milliarden US-Dollar dreimal so hoch wie bei der EADS. Boeing hat auch die größere finanzielle Substanz. Doch wenn die EADS ihren Kurs beibehält und es keine weiteren größeren Pannen bei neuen Flugzeugprogrammen gibt, könnte sich die Lage bis 2015 ändern. Quelle: REUTERS
Kleine ZivilflugzeugeVorteil: EADSBei den Flugzeugen für die Kurz- und Mittelstrecke ist der A320 derzeit das Maß aller Dinge. Kein Flugzeug hat sich so schnell verkauft wie dessen sparsame Neuauflage mit dem Zusatz NEO. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Zwar bietet Boeing nach eigenen Angaben mit der dann fünften Auflage seines Bestseller 737 mit dem Kürzel MAX ein zumindest ähnlich gutes Flugzeug. Doch noch sind die meisten Airlines skeptisch. Uns selbst wenn hier Klarheit herrscht, dürfte NEO noch bis Ende des Jahrzehnts leicht vor MAX liegen. Quelle: dpa/dpaweb
Große ZivilflugzeugeVorteil: BoeingHier hat Boeing seit gut 40 Jahren die Nase vorn. Dafür sorgte zuerst der Jumbojet 747, der sowohl bei der Größer als auch bei der Eichweite die Maßstäbe setzte. Ab 1995 folgte dann die 777, die nur zwei Triebwerke hatte und darum deutlich günstiger flog als ihr viermotoriger Airbus-Widersacher A340.  Nun bedient Boeing den Markt für Flugzeuge zwischen 300 und 400 Plätzen praktisch alleine. Und bei den kleineren Fliegern hat nach Milliardenteuren Verspätungen nun der Siegeszug des neuen Leichtbaumodells 787 begonnen. Airbus hingegen kann mit der A330 die Lücke nicht füllen und bis der Sparflieger A350 Geld bringt vergehen noch mindestens zwei bange Jahre. Bei den ganz großen Maschinen hat  Airbus zwar mehr A380 verkauft als Boeing 747-8. Doch am Ende verdienen die Europäer wegen der deutlich höheren Entwicklungskosten damit auch nicht mehr Geld. Quelle: REUTERS
HubschrauberVorteil: EADSHier ist Boeing gut, aber EADS einfach bei weitem besser. Denn die Eurocopter genannte Tochter arbeitet als erster Teil des Konzerns so wie es sich der neue Chef Tom Enders sicher für die ganze EADS vorstellt: Weltmarktführer, viel Produktion im Dollarraum, eine wachsende Marge  und ein hoher Anteil im Servicegeschäft. Der Vorsprung wird bleiben, wenn Eurocopter-Chef Lutz Bertling kein Fehler passiert,  Quelle: dpa
RaumfahrtVorteil: unentschiedenHier liegen die Kontrahenten praktisch gleichauf. Boeing hat Vorteile im Militärgeschäft und besonders bei den Satelliten. Das bröckelt zwar, ist aber am Ende immer noch lukrativer als die vor allem im Zivilbereich aktive EADS-Tochter Astrium. Die hat jedoch ein bemerkenswertes Restrukturierungsprogramm hinter sich und könnte schon bald in Führung gehen. Quelle: dpa
Rüstung konventionellVorteil: BoeingAuch wenn Boeing daheim in den USA nur der zweitgrößte Rüstungskonzern hinter Lockheed Martin ist, am Ende kauft das amerikanische Verteidigungsministerium deutlich mehr Kampfflugzeuge ein als die Europäer. Dazu tun sich die Amerikaner leichter mit Exporten, denn dank der vielen Auslandseinsätze der US-Streitkräfte tragen US-Waffen das Gütesiegel Im Kampf bewährt.“  Darum hat Boeing deutlich die Nase vorne gegenüber der EADS-Tochter Cassidian Quelle: dpa
Rüstung ZukunftsgeschäftVorteil: EADSHier liegt die EADS-Tochter Cassidian leicht in Führung. Weil Europas Armeen schon früher als ihre US-Kameraden die Orders kürzten und die Exportchancen traditionell mäßig waren, müsste die in München ansässige Rüstungsabteilung der EADS schon früh in neue Geschäftsfelder vorstoßen, die sie zudem leichter exportieren konnte. Darum ist sie heute bei Dingen wie Internetsicherheit und Grenzüberwachung relativ gut im Geschäft. Dafür sorgt auch, dass Cassidian die vier Heimatländer Deutschland, Frankreich Großbritannien, Spanien hat und bei Aufträgen aus Schellenländern immer ein Land vorschieben kann, dass beim Auftraggeber zumindest als neutral gilt. Quelle: dpa

Der Erstkunde des derzeit wichtigsten Produkts storniert den Großteil der Bestellungen, das gehört auf den ersten Blick zu den Nachrichten, die Boeing-Chef Jim McNerney gerade gar nicht brauchen kann. Schließlich hat der Manager mit seinem neuen Leichtbauvogel 787 bereits mehr als genug Probleme. Der Wundervogel kommt bereits fast vier Jahre zu spät und hat damit bereits für mindestens zehn Milliarden Euro Mehrkosten gesorgt. Dazu läuft die Produktion schleppender an als geplant und vor kurzem sorgte ein Triebwerksproblem des Wundervogels für unerbetene Schlagzeilen.

Tatsächlich dürfte die Nachricht, dass die australische Qantas 35 ihrer 787-Großraumflieger vorerst nicht mehr will, aber für wenig Aufregung in Chicagoer Boeing-Zentrale sorgen. Denn das Storno aus Sydney beschert Boeing am Ende eher eine Entlastung als eine Belastung.

Denn Boeing darf die Qantas-Anzahlung in Höhe von rund zehn Prozent des Kaufpreises behalten. Das könnten trotz der hohen Rabatte für einen großen Erstkunden wie Qantas fast 200 Millionen Dollar sein. Mindestens den gleichen Betrag dürften die Amerikaner sparen, weil sie für die abbestellten Flieger zumindest eine deutlich geringere oder auch gar keine Verspätungs-Entschädigung mehr zahlen müssen.

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Zu guter Letzt kommt Boeing auch anderswo um eine Entschädigung herum. Die Flieger, die Qantas nicht mehr will, kann Boeing nun an andere Fluglinien liefern und spart bei diesen Airlines einen Teil der Strafzahlungen, weil dort die Verzögerung nun geringer ist als bislang gedacht.

Trotzdem ist die australische Ablehnung am Ende eine Schreckensnachricht, und zwar für die Fluglinie selbst. Die Absage spricht für große Probleme der Qantas. Denn angesichts der steigenden Spritpreise warten alle Fluglinien händeringend auf ihre 787, weil sie pro Passagier bis zu 20 Prozent billiger fliegt und für einen entscheidenden Vorteil im Wettbewerb sorgt. Selbst Air Berlin, die mit einer Eigenkapitalquote von 4 Prozent in höchster Not fliegt, hat an der Bestellung festgehalten. Wenn Qantas glaubt, ohne die Entlastung durch den Sparflieger besser dran zu sein, heißt das im Klartext: wir erwarten eine düstere Zukunft.

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