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Machtkampf bei Thyssenkrupp Warum Hiesinger gegen die Zerschlagung ist

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Zu komplex und zu schwerfällig

Großinvestor Cevian hält die aktuelle Konglomeratsstruktur von Thyssenkrupp für zu komplex und zu schwerfällig. „Das ist die Ursache für die unterdurchschnittliche Leistung von Thyssenkrupp“, sagte Lars Förberg, Gründer und Chef von Cevian. „Hätte das Unternehmen seine eigenen Margenziele erreicht, wäre die Aktie 50 Euro wert, doppelt so viel wie heute.“ Fakt ist: Feste Margenziele hatte Hiesinger den einzelnen Sparten gar nicht verordnet, sondern „Zielkorridore“ ohne festes Datum, wann diese Korridore erreicht werden sollen. Vielleicht war das ein Fehler.

Immerhin hat Hiesingers es geschafft, das verlustreiche Stahlgeschäft in Amerika abzustoßen. Er hat Schulden in Milliardenhöhe abgebaut und in neue Geschäfte etwa in der Automobilelektronik und im Aufzugsgeschäft investiert.

Alte Sünden, neue Probleme bei Thyssenkrupp

Geht Hiesingers Plan auf, wird er das europäische Stahlgeschäft mit dem des indischen Wettbewerbers Tata in ein Joint Venture einbringen. Beide Unternehmen erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Stahlaktivitäten in Europa hohe Einsparungen – jährlich sollen es zwischen 400 und 600 Millionen Euro sein. Pensionslasten für die Stahlkocher in Höhe von rund vier Milliarden Euro wird Thyssenkrupp damit los. Ein Börsengang des neuen Stahlriesen, die Nummer zwei nach ArcelorMittal in Europa, schließen beide Unternehmen nicht aus.

Diese Erfolge wird Hiesinger auf der Hauptversammlung nüchtern und klar seinen Aktionären erläutern. Ob das reicht? Kann Hiesinger den Machtkampf mit dem Großinvestor gewinnen?

Ausgerechnet die Krupp-Stiftung, die mit rund 21 Prozent größter Anteilseigener ist, gerät kurz vor der Hauptversammlung auch noch in die Kritik. Ohne Wahl wird die Kuratoriumsvorsitzende Ursula Gather in den Aufsichtsrat einziehen. Investoren beunruhigt das offenbar. Sie fürchten, dass mit Gather, die Krupp-Stiftung wieder mehr ins aktuelle Geschehen bei Thyssenkrupp eingreifen könnte und einen radikalen Umbau des Traditionskonzerns verhindern könnte. Internationale Investoren jedenfalls sind nach Informationen der WirtschaftsWoche besorgt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir dem Investor Cevian einen falschen Anteil an Thyssenkrupp zugeschrieben. Tatsächlich hält er 18 Prozent.

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