Machtkampf mit Cromme Josef Ackermann legt Aufsichtsratsposten bei Siemens nieder

Nach seinem aufsehenerregenden Rückzug beim Versicherer Zurich nach dem Suizid des Finanzchefs wird Josef Ackermann jetzt auch bei Siemens sein Aufsichtsratsmandat niederlegen.

Ackermann zieht sich aus Siemens-Aufsichtsrat zurück
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Quelle: dpa
1996Josef Ackermann verlässt die Schweizer Bank Credit Suisse und wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank, wo er zunächst für Kreditrisiken und später für das Investmentbanking zuständig ist. Quelle: rtr
2000Die Investmentbanker verhindern mit Ackermann die Fusion mit der Dresdner Bank. Quelle: AP
September 2000 - Mai 2002Im September 2000 wird Ackermann frühzeitig zum Nachfolger des umstrittenen Rolf Breuer als Vorstandssprecher gewählt. Im Januar 2002 gibt sich die Deutsche Bank gibt eine neue Führungsstruktur, die die Rolle des Vorstandssprechers stärkt. Ackermanns Gegner Thomas Fischer verlässt den Vorstand. Ackermann tritt im Mai 2002 sein Amt als Vorstandssprecher an. Quelle: AP
Juni 2003Der internationale Bankenverband IIF macht Ackermann zu seinem Chef. Quelle: rtr
Januar 2004Ackermann macht zu Beginn des Mannesmann-Prozesses, bei dem er und andere Aufsichtsräte des Mobilfunkkonzerns sich wegen angeblich überhöhter Abfindungszahlungen verantworten müssen, das "Victory"-Zeichen. Das belastet sein Image über Jahre. Im November 2006 wird der Mannesmann-Prozess gegen Zahlung einer Auflage von rund drei Millionen Euro durch Ackermann eingestellt. Quelle: AP
Februar 2005Ackermann kündigt den Abbau von 6400 Arbeitsplätzen trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Gewinns an. Quelle: AP

Josef Ackermann legt nach dem Rücktritt beim Versicherungskonzern Zurich auch sein Aufsichtsratsmandat bei Siemens nieder. Der 65-Jährige bestätigte am Donnerstag in Berlin entsprechende Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zur Begründung fügte er hinzu: "Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen, wie man den Prozess der Nachfolge gestaltet." Ackermann ist bislang stellvertretender Vorsitzender des Siemens-Aufsichtsrats. Zugleich betonte Ackermann, dass er seine anderen Aufsichtsratsmandate, darunter bei Shell, behalten werde.

Ackermann hatte die Turbulenzen rund um den Chefwechsel bei Siemens mehrfach intern kritisiert und war einem Machtkampf mit Aufsichtsratschef Gerhard Cromme unterlegen. Siemens und ein Ackermann-Sprecher wollten sich am Donnerstagmorgen noch nicht zu den Angaben äußern, am frühen Mittag folgte dann die Bestätigung Ackermanns.

Das Kontrollgremium der Münchner trifft sich am kommenden Mittwoch.

Ackermann war vor Kurzem als Verwaltungsratschef bei Zurich Insurance zurückgetreten, nachdem sich Finanzchef Pierre Wauthier das Leben genommen hatte. Auslöser des Rücktritts waren Vorwürfe der Witwe Wauthiers, wonach Ackermanns Führungsstil zu dem Suizid beigetragen haben soll. Der Verwaltungsratschef wurde zudem im Abschiedsbrief erwähnt. Der Schweizer hält diese Anschuldigungen für haltlos, hat aber wiederholt erklärt, dass ihn diese persönlich getroffen hätten. Am Donnerstag tritt Ackermann zum ersten Mal seit seinem Rücktritt bei Zurich Insurance öffentlich auf. Anlass ist die Vorstellung des Buchs "Späte Reue" seines langjährigen Sprechers Stefan Baron in Berlin.

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Bei Siemens hatte sich Ackermann zunächst gegen die Entmachtung von Vorstandschef Peter Löscher gestellt, obwohl der Österreicher eine lange Reihe von Misserfolgen verbuchen musste. Insidern zufolge war Ackermann mit dem Manöver allerdings vor allem am Widerstand der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gescheitert. Die gewerkschaftlich organisierten Kontrolleure hatten befürchtet, dass sich der Banker zum Aufsichtsratschef bei Deutschlands größtem Technologiekonzern emporschwingen könnte. Trotz einiger Mitstreiter auf der Kapitalseite war es ihm nicht gelungen, eine Mehrheit hinter sich zu vereinen. Am Ende wurde der bisherige Finanzvorstand Joe Kaeser zum neuen Siemens-Chef erkoren.

Der Schweizer sitzt unter anderem noch beim Mineralölkonzern Shell im Aufsichtsrat sowie in der Investment-Holding der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg.

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