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Martina Merz Thyssen-Krupp-Chefin: Noch keine Entscheidung über Verkauf der Stahlsparte an Liberty

Der britische Konzern bietet für die angeschlagenen Sparte. Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz hält sich aber noch andere Optionen offen.

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Die Thyssen-Krupp-Chefin will die jahrelange Krise des Industriekonzerns beenden. Quelle: Reuters

Gut ein Vierteljahr nach dem ersten Vorstoß des britischen Konzerns Liberty Steel will Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz dem Kaufinteressenten für die Thyssen-Stahlsparte noch keinen roten Teppich ausrollen. „Liberty Steel hat uns in der vergangenen Woche ein aktualisiertes Angebot übermittelt, das wir gegenwärtig sehr sorgfältig prüfen“, hieß es in der am Montag veröffentlichten Rede zur Hauptversammlung am kommenden Freitag.

Die Offerte für die Stahlsparte sei vereinbarungsgemäß weiterhin kein bindendes Angebot. „Im Angebot gibt es zu einer Reihe komplexer Themen noch Klärungsbedarf.“ Neben einem Verkauf sei auch ein Spin-Off der Sparte oder eine Sanierung in Eigenregie möglich.

Eine Entscheidung solle im März getroffen werden, bekräftigte Merz. Thyssen-Krupp habe stets erklärt, sich nicht von Dritten anhängig zu machen. Neben dem Liberty-Angebot arbeite der Konzern auch mit Hochdruck an den Alternativen. „Dabei ist uns klar, dass beides anspruchsvoll ist. Aber beides kann für das Geschäft eine attraktive Lösung sein.“

Merz versucht damit auch, die Strategie zu wiederholen, die beim Verkauf der Aufzugssparte so erfolgreich war. Dort ließ sie bis zum Schluss mehrere Optionen offen – mit dem Erfolg, dass der Preis am Ende die Marke von 17 Milliarden Euro übertraf.

Allerdings ist Thyssen-Krupp Steel Europe nicht mehr die Ertragsperle, die sie früher war. Die Schwerindustrie kämpft seit Jahren mit Überkapazitäten, Preisdruck und Billigimporten aus Fernost. Die Coronakrise drückte die Branche noch tiefer in die Krise.

Bei Thyssen-Krupp kamen noch hausgemachte Probleme hinzu: Das ruinöse Stahlabenteuer im Amerika lastet noch heute auf dem Konzern. Im vergangenen Jahr schrieb die Stahlsparte einen Verlust von fast einer Milliarde Euro.

Bereits 4000 Stellen abgebaut

Sollte der Konzern sein Stahlgeschäft abstoßen, dürfte der Blick sich noch schärfer auf die übrigen Bereiche richten - etwa dem Anlagenbau, das Geschäft mit Autoteilen oder den Werkstoffhandel. „Frau Merz, weniger ist mehr. Der Traum vom Industriegiganten, den Ihre Vorgänger noch geträumt haben, ist ausgeträumt“, betont Union Investment-Experte Henrik Pontzen in seinem Redetext für die virtuelle Hauptversammlung am 5. Februar.

Ein Sammelsurium unprofitabler Geschäftsaktivitäten sei nicht zukunftsfähig. „Dort, wo Thyssen-Krupp aus eigener Kraft nicht profitabel werden kann, muss der Konzern Bereiche abstoßen oder Partnerschaften eingehen.“

Damit hat Merz begonnen. Auch den Stellenabbau hat sie forciert. „In allen Segmenten sind wir gut unterwegs, die Performance unserer Geschäfte zu steigern“, erklärt sie. Dazu gehörten vielfach auch Restrukturierungsprogramme und ein Stellenabbau. Allein im vergangenen Geschäftsjahr habe der Konzern knapp 600 Millionen Euro für Restrukturierungsprojekte in seinen Geschäften aufgewandt.

Per Ende Dezember seien gut 4000 der angekündigten 11.000 Stellen abgebaut worden. „Der Personalabbau ist sehr schmerzhaft für uns alle. Für eine erfolgreiche Zukunft von Thyssen-Krupp sind diese Maßnahmen aber unvermeidlich.“

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