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Maschinenbau Manrolands Insolvenz gibt Anlass zur Hoffnung

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Ungeheure Mittel nötig

Manroland Produktion Quelle: AP

„Shanghai Electric wird einen Teufel tun und sich ein weiteres Problem an den Hals binden“, sagt ein Manager des Konkurrenten KBA. Die Chinesen hatten in den vergangenen Jahren mehrere kleine Druckmaschinenbauer gekauft, machen aber den Löwenanteil des Umsatzes mit Elektro- und Maschinenbauaktivitäten.

Der zweite große Hoffnungstöter für Manroland sind die ungeheuren Mittel, die notwendig wären, um das Geschäft weiter zu führen. Die Beteiligungsgesellschaft der Allianz - bis zur Insolvenz Mehrheitseigentümerin von Manroland – hatten schon vor zwei Jahren 200 Millionen Euro nachschießen müssen. Als die Banken jetzt nicht mehr bereit waren, einen 150-Millionen-Euro-Kredit zu verlängern, war klar: Um das Unternehmen wieder auf die Spur zu bringen, wären weitere zwei- bis dreistellige Millionenbeträge notwendig geworden.

Erschwerend für einen Verkauf der Manroland-Standorte im hessischen Offenbach (Bogendruck) und in Augsburg (Zeitungsdruck) und Plauen (Komponenten) ist die zögerliche Haltung der Politik bei Staatshilfen. Gleich zu Anfang des Insolvenzverfahrens machten die Landesregierungen in Hessen und Bayern klar, dass sie von Kreditbürgschaften wenig halten. Noch ringt Insolvenzverwalter Schneider mit Banken und Politikern um die Besicherung der sogenannten Massekredite, mit denen das Tagesgeschäft finanziert wird. Hinzu kommt: Wegen der vielen Sanierungen, bei denen meist jüngere Mitarbeiter freigesetzt wurden, ist zudem die Belegschaft bei Manroland überaltert. Am Standort Offenbach etwa liegt das Durchschnittsalter bei 48 Jahre.

Jubel der Anleger

Im Trio der großen Deutschen, die rund zwei Drittel des Weltmarktes unter sich aufteilen, waren die Augsburger in den vergangenen Jahren zurückgefallen. Hatten Heideldruck und KBA 2010 je zweistellig beim Umsatz zugelegt, fiel Manroland um rund 15 Prozent weiter ab. Gewinn hat Manroland zuletzt 2008 gemacht. KBA schreibt dagegen seit 2009 wieder schwarze Zahlen. Und Heideldruck hat die in der Finanzkrise empfangenen Staatsbürgschaften und Sonderkredite von insgesamt 1,4 Milliarden Euro 2010 zurückgezahlt.

Nachfragen von Interessenten gäbe es dennoch, heißt es beim Insolvenzverwalter Werner Schneider, „aber die Ernsthaftigkeit muss noch geprüft werden“. Branchenkenner gehen davon aus, dass nur das Servicegeschäft interessant für Käufer ist. Manroland hat einen großen Bestand an Maschinen bei den Kunden, der noch für viele Jahre Wartung benötigt. Zwischen 150 und 200 Millionen Euro setzen die fast 1500 Servicemitarbeiter in dem einzig profitablen Geschäft des Konzerns um.

Würde Manroland ganz oder weitgehend abgewickelt, wäre das wie eine Sauerstoffdusche für die beiden Hauptwettbewerber Heideldruck und KBA. Die Anleger haben das begriffen. Nach Bekanntwerden der Insolvenz von Manroland schossen die Aktien von Heideldruck und KBA um mehr als zehn Prozent nach oben. Die beiden Marktführer hätten bei einer Abwicklung mit einem Schlag einen Wettbewerber vom Hals, der in den letzten Jahren aus Verzweiflung mit Niedrigpreisen um Marktanteile kämpfte. „Die Preisstruktur des Marktes geriet damit unter Druck“, sagt ein Heideldruck-Aufsichtsrat. „Das machte es uns schwer, profitabel zu arbeiten.“

Die großen Verlierer wären, neben Allianz und MAN, die Manroland-Beschäftigten. Und das, obwohl der demografische Wandel angeblich die Arbeitsplatzchancen der älteren Mitarbeiter erhöht. Doch die Offenbacher Bevollmächtigte der IG Metall, Marita Weber, ist skeptisch: „Trotz der hohen Qualifikation und des vergleichbar guten Arbeitsmarktes hätten die Arbeitnehmer es bei einer Schließung schwer, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.“

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