Maschinenbauer Trumpf übernimmt chinesischen Konkurrenten

Trumpf dreht den Spieß um: Der schwäbische Maschinenbauer verleibt sich den chinesischen Werkzeugmaschinenhersteller Jiangsu Jinfangyuan CNC Machine Company Ltd. (JFY) ein, nachdem in letzter Zeit chinesische Unternehmen mehrere deutsche Mittelständler aufkauften. Den Kaufpreis nannten die Schwaben nicht.

Die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller. Quelle: dpa

Der Maschinenbauer Trumpf übernimmt einen chinesischen Werkzeugmaschinenhersteller und stärkt damit seine Position auf dem wichtigen Wachstumsmarkt. Nach mehr als zwei Jahren Verhandlungen habe Trumpf eine Mehrheitsbeteiligung von 72 Prozent an der Jiangsu Jinfangyuan (JFY) erworben, gab Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller am Mittwoch in Ditzingen bekannt. Es sei die größte Akquisition in der 90-jährigen Geschichte des schwäbischen Familienunternehmens. Über den Kaufpreis habe man auf Drängen der chinesischen Partner Stillschweigen vereinbart. Trumpf habe für die Übernahme aber keine Kredite aufnehmen müssen.

Die Schwaben stemmen sich mit der Übernahme gegen einen Trend, der im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt hatte: Chinesische Unternehmen hatten sich mehrere deutsche Autozulieferer, Solarunternehmen oder Maschinenbauer wie den Betonpumpenhersteller Putzmeister einverleibt. Diesmal greift ein deutsches Unternehmen im Reich der Mitte zu. Trumpf erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 (zum 30. Juni) mit 180 Millionen Euro gut acht Prozent seines Umsatzes in China, dem drittgrößten Markt des Maschinenbauers nach Deutschland und den USA. JFY erzielte 2012 mit 680 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von umgerechnet 67 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von knapp sechs Millionen Euro.

Deutschlands größte Werkzeug-Maschinenbauer
Platz 10: Niles-Simmons Quelle: dpa.
9. IndexDie Index-Gruppe gehört gemeinsam mit dem Tochterunternehmen Traub zu den führenden Herstellern von CNC-Drehmaschinen. Firmensitz ist Esslingen in Baden-Württemberg. Das Unternehmen blickt wie viele schwäbische Maschinenbauer auf eine lange Tradition zurück. Hermann Hahn legte 1914 den Grundstein und begann mit der Produktion von Revolverdrehautomaten. Heute zählen zu den Hauptabnehmern von Index-Drehmaschinen die Automobil- und Automobilzulieferindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und Elektronikindustrie sowie Hersteller in der Fluidtechnik und dem Armaturenbau. Die Index-Gruppe setzte im Jahr 2012 432 Millionen Euro um (Vorjahr: 450 Millionen) und beschäftigte 2.100 Mitarbeiter. Quelle: Pressebild
Platz 9: Emag Quelle: pr
Platz 7: Körber - Schleifring-GruppeSchleifring gehört zum weltweit tätigen Körber-Konzern, der 30 internationale Technologieunternehmen unter seinem Dach vereint. Die Abnehmer der Schleifmaschinen stammen aus den Branchen Automobilindustrie und Zulieferer, Werkzeugindustrie, Kraftwerkturbinenbau, Werkzeug- und Formenbau, Medizintechnik, Maschinenbau, Uhrenhersteller sowie der Turbinenindustrie. Zu den größten Abnehmermärkten gehören, nebst Westeuropa, Asien (inklusive China) sowie Amerika. 2012 setzte die Schleifring-Gruppe 530 Millionen Euro (Vorjahr: 470 Millionen Euro) und beschäftigte 2200 Mitarbeiter. Quelle: Presse
Platz 5: Heller Quelle: Pressebild
Platz 5: GrobDas Unternehmen Grob mit Stammwerk in bayerischen Mindelheim produziert in Sao Paulo, Brasilien, im amerikanischen Bluffton/Ohio und im neugebauten Werk in Dalian in China. Eigene Service- und Vertriebsniederlassungen unterhalten die Mindelheimer unter anderem in Beijing, Shanghai und Mexiko. Seit Firmengründung im Jahr 1926 ist Grob im Familienbesitz und wird heute in dritter Generation geführt. Weltweit beschäftigt der Maschinenbauer rund 4.000 Mitarbeiter. 2012/2013 erwirtschaftete das Unternehmen 650 Millionen Euro (Vorjahr: 600 Millionen Euro). Quelle: Pressebild
Platz 6: MAG Europe Quelle: pr

"Der Erwerb der Mehrheit an diesem chinesischen Vorzeigeunternehmen stärkt uns im wichtigsten Maschinenbaumarkt der Welt", sagte Leibinger-Kammüller. JFY sei Marktführer bei Stanz- und Biegemaschinen. Trumpf produziert vor allem Werkzeugmaschinen, aber auch Laserschweißanlagen und Medizintechnik wie OP-Lampen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen einen Umsatzrekord von 2,34 Milliarden Euro erzielt. Wegen hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung war das Vorsteuerergebnis aber auf 154 Millionen von 211 Millionen Euro im Vorjahr eingeknickt.

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Mit JFY dringe Trumpf in das untere Preissegment vor, das in Deutschland weniger als zehn Prozent, in China aber zwei Drittel des Marktes ausmache. Die beste Stanzmaschine des chinesischen Herstellers koste 100.000 Euro, die günstigste von Trumpf dagegen 250.000 Euro, erklärte Leibinger-Kammüllers Ehemann Mathias Kammüller, Trumpf-Geschäftsführer für Werkzeugmaschinen. Diese Lücke werde nun geschlossen, bevor JFY sich künftig selbst auf hochwertigere Maschinen verlege und zum starken Konkurrenten werden könne. Die neue China-Tochter solle durch das Know-how aus Ditzingen leistungsfähiger werden. Umgekehrt könne Trumpf von JFY weitaus billiger hergestellte Komponenten wie Maschinenrahmen einsetzen, denn die Arbeitskosten dort machten nur zehn Prozent der deutschen aus.

Die Schwaben hatten bereits im Frühjahr 2010 die Fühler ausgestreckt, die Verhandlungen zogen sich dann zwei Jahre hin. Danach dauerte es ein weiteres Jahr, bis im April 2013 alle Genehmigungen der chinesischen Behörden vorlagen. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel habe während ihrer China-Reise im August letzten Jahres ein gutes Wort beim noch amtierenden Regierungschef Wen Jiabao eingelegt, sagte Leibinger-Kammüller.

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