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Medikamente für Entwicklungsländer Die Samariter unter den Pharmakonzernen

Diese Pharmakonzerne engagieren sich stark für Entwicklungsländer Quelle: imago images

Eine neue Untersuchung zeigt, welche Medikamenten-Hersteller sich besonders für Menschen in Entwicklungsländern engagieren und entsprechende Medikamente entwickeln. Unter den Top 5 findet sich ein deutsches Unternehmen.

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Die Erreger fressen sich durch Gewebe, Lunge und Blasenwände. Bilharziose ist alles andere als eine harmlose Wurmkrankheit. Mehr als 200 Millionen Menschen leiden daran. Jährlich sterben etwa 280.000, insbesondere in Afrika. Etwa die Hälfte der Todesopfer sind Kinder. Sie infizieren sich etwa, wenn sie in verunreinigtem Wasser schwimmen oder ihre Wäsche darin waschen. Dabei können die Wurmlarven dann tief in den Körper eindringen.

Der Darmstädter Pharmakonzern Merck spendet jährlich etwa 100 Millionen Tabletten Praziquantel, die gegen Bilharziose helfen. Gemeinsam mit Partner wie der Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich Merck-Chef Stefan Oschmann das Ziel gesetzt, die Bilharziose auszurotten.

Kein anderes deutsches Pharmaunternehmen engagiert sich so stark für Entwicklungsländer wie Merck. Zu diesem Schluss kommt die Access to Medicine Foundation, eine niederländische Non-Profit-Organisation, die jährlich untersucht, welche Pharmakonzerne Medikamente für die ärmsten Länder entwickeln und zur Verfügung stellen. Finanziell unterstützt wird die Organisation etwa von der Bill und Melinda Gates Foundation.

Die Ergebnisse für 2018 liegen nun vor: Hinter der britischen Glaxo Smtih Kline, der Schweizer Novartis und dem US-Konzern Johnson & Johnson liegt Merck wie auch im Vorjahr auf Rang vier. Auf Rang fünf folgt der französische Sanofi-Konzern.

Dabei brachte dem Darmstädter Konzern nicht nur das Engagement gegen Bilharziose die gute Platzierung ein. Das Unternehmen hat auch das „Merck Global Health Institute“ gegründet, das sich der Behandlung von Infektionskrankheiten wie Malaria widmet, hieß es zur Begründung. Mit „Curafa“ entwickelte Merck zudem ein Modell, um Gesundheitszentren in abgelegenen Regionen von Kenia aufzubauen.

„Fragile Situation“

Die anderen deutschen Pharmakonzerne landen weiter hinten im Ranking. Boehringer Ingelheim kletterte im Vergleich zum Vorjahr von Rang 16 auf 14. Der Pharmakonzern habe für mehr als 80 Prozent seiner Produkte eine faire Preisstrategie eingeführt. Bayer fällt auf den 16. Platz zurück und hinke „in verschiedenen Bereichen“ hinterher, wie die Access to Medicine Foundation schreibt. Immerhin arbeite Bayer aber mit der WHO zusammen und entwickele Medikamente zur Bekämpfung von zwei parasitären Tropenkrankheiten, der Chagas-Krankheit und der Humanen Afrikanischen Trpanosomiasis.

Doch die Experten warnen: Letztendlich sind es nur eine Handvoll Unternehmen, die den Großteil der Forschung und Entwicklung von Medikamenten für Länder mit niedrigem Einkommen tragen. „Das zeigt, wie fragil die Situation ist“, sagt Jayasree Iyer, Geschäftsführerin der Access to Medicine Foundation, „ein Rückzug von nur einem dieser Unternehmen hätte erhebliche Folgen.“

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