Merck Schöne Zahlen, aber keine neuen Medikamente

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck überzeugt an der Börse, aber nicht bei der Medikamenten-Entwicklung.

Im Arznei-Geschäft ist es Merck seit über zwanzig Jahren nicht gelungen, ein Medikament aus der eigenen Entwicklung auf den Markt zu bringen. Quelle: REUTERS

Der Merck-Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2012 gegenüber Vorjahr um fast neun Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte um neun Prozent auf fast drei Milliarden Euro zu. Das interne Sparprogramm greift. Der Aktienkurs steigt gerade, die Dividende wird auch zulegen. Soweit die guten Nachrichten.

Die Strippenzieher bei Merck
Jon BaumhauerDer 68-Jährige ist einer der beiden Sprecher der Eigentümerfamilie, die 70 Prozent an Merck hält. Die Sippe besteht aus 220 Mitgliedern und ist das eigentliche Machtzentrum des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns. Baumhauer, der Philosophie, Psychologie und Geschichte studierte, hat lange in München als klinischer Psychologe praktiziert. Im November vergangenen Jahres wurde der Protestant  von der Martin Luther Stiftung mit der „Luther-Rose“ als „verantwortungsvoller Familienunternehmer“ ausgezeichnet. In zwei, drei Jahren, so heißt es aus dem Unternehmen, könnte er sein Amt als Familiensprecher aufgeben. Quelle: Presse
Foto Rolf Krebs
Theo SiegertDer 65-Jährige könnte Krebs auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden nachfolgen. Mit den Eigentümlichkeiten von  Familienunternehmen kennt Siegert sich bereits aus: Er hat lange für den Duisburger Mischkonzern Haniel gearbeitet, zuletzt als Vorstandschef, wo er dann allerdings 2005 dem Daimler-Manager Eckhard Cordes weichen musste. Siegert ist gut vernetzt, sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten – neben Merck auch bei Henkel, der Deutschen Bank und dem Energiekonzern E.On. Quelle: dpa
Foto Karl-Ludwig Kley Quelle: dapd
Matthias ZachertDer 42-Jährige ist einer der Überflieger der deutschen Wirtschaft. Seit 2011 amtiert er als Finanzvorstand bei Merck; zuvor hat er in gleicher Funktion für den Brötchenbäcker Kamps und den Chemiekonzern Lanxess gearbeitet. Bei Merck hat Zachert dafür gesorgt, dass der Pharma- und Chemiekonzern ein besseres Rating erhielt und beim Schuldenabbau vorankam. Im Gegensatz zu seinem ruppigen, wenig klar kommunizierendem Vorgänger Michael Becker pflegt Zachert ein gutes Verhältnis zu Investoren und Analysten. Seine sportliche Leidenschaft gilt dem Laufen – gerne auch zusammen mit Mitarbeitern. Quelle: Presse
Stefan OschmannDer 55-Jährige gebürtige Würzburger hat die schwerste Aufgabe bei Merck. Er muss das Pharmageschäft- seit über zwei Jahrzehnten haben die Merck-Forscher kein eigenes Medikament mehr entwickelt – wieder nach vorn bringen. Oschmann kann 2011 als Pharma-Boss nach Darmstadt und löste seinen erfolg- und glücklosen Vorgänger Elmar Schnee ab. Seither baut Oschmann die Pharma-Organisation radikal um, schasst zahlreiche Manager und ersetzt diese vorwiegend durch externe Kräfte. Dennoch wird Oschmann im Unternehmen als durchaus verträglicher Manager beschrieben. In der Medikamenten-Branche gilt der promovierte Tiermediziner als Schwergewicht: Über ein Jahrzehnt lang bekleidete  er Top-Positionen beim US-Namensvetter Merck & Co.. Falls Oschmann die Pharma-Wende packt, darf er sich Hoffnungen machen, in einigen Jahren Konzernchef Kley abzulösen. Als einer seiner Konkurrenten gilt Finanzvorstand Zachert. Quelle: Presse
Bernd ReckmannAuch der 57-Jährige Leiter des erfolgreichen Chemie-Geschäfts von Merck darf sich  Hoffnungen auf die Konzernspitze machen.  Reckmann blickt auf eine lange Betriebszugehörigkeit bei Merck zurück, kennt das Unternehmen aus dem Eff-eff.  Der promovierte Biochemiker  ist seit zwei Jahrzehnten dabei – das sichert ihm durchaus Pluspunkte bei der Eigentümerfamilie.         Quelle: Presse

Was bedenklich stimmt: Merck überzeugt zwar an der Börse, aber nicht bei der Medikamenten-Entwicklung. Das Arznei-Geschäft trägt über die Hälfte zum Merck-Umsatz bei. Und dort ist es Merck seit über zwanzig Jahren nicht gelungen, ein Medikament aus der eigenen Entwicklung auf den Markt zu bringen.

Ein Hoffnungsträger nach dem anderen floppte. Zuletzt, Ende Februar, verfehlte bei klinischen Tests das Mittel Cilengitide gegen Hirntumore die erhofften Ergebnisse. Davor, in den vergangenen Monaten und Jahren, scheiterte Merck unter anderem mit einem Krebs-Impfstoff, einem Multiple-Sklerose-Präparat und einem Lungenkrebsmittel.

Seine steigenden Umsätze und Gewinne verdankt Merck vor allem den Flüssigkristallen, die ein unverzichtbarer Bestandteil in Smartphone-Displays und Flachbildfernsehern sind, sowie den Erträgen bestehender Medikamente, die Merck erfolgreich von außen zugekauft hat.

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Die Schwächen in der eigenen Forschung und Entwicklung versucht Pharma-Chef Stefan Oschmann, seit zwei Jahren im Amt, zu beseitigen. Er trennte sich von jedem zweiten Top-Manager, strich etliche Entwicklungsprojekte und setzte neue Strategieziele. Alles mit dem Ziel, die  dümpelnde Organisation effizienter und schneller zu machen. Ob er damit Erfolg hat, wird sich erst in drei bis fünf Jahren zeigen – die Entwicklung von neuen Arzneien dauert lange.

Merck-Konzernchef Karl-Ludwig Kley ist für dieses und nächstes Jahr noch zuversichtlich, dass Umsatz  und Gewinn weiter zulegen. Um  auch mittelfristig gesund und erfolgreich zu sein, braucht Merck bald neue Medikamente – am besten aus der eigenen Entwicklung.

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