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Messe Boot 2012 Bootsbauer sehen Licht am Horizont

Auf der Messe Boot Düsseldorf präsentieren sich derzeit tausende Bootsbauer. Die schicken Yachten vermitteln luxuriösen Flair, doch das Geld sitzt bei den potenziellen Käufern nicht locker. Noch immer leidet die Branche unter den Folgen der Wirtschaftskrise 2008.

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Die größten Motoryachten der Welt
Platz 10: Alexander Quelle: yachtcritic.info
Platz 9: Die Octopus Quelle: dpa
Platz 8: Al Mirqab Quelle: Svedenhaus
Platz 7: Die Serene Quelle: Reuters
Platz 6: Rising Sun Quelle: Svedenhaus
Platz 5: Al Salamah Quelle: Garitzko
Platz 4: Die Yacht des Prinzen Quelle: Mecil

„Big Willi“ heißt der Spezialkran, der seit Dezember 28 Boote aus dem Rheinwasser hob. Die Podema, eine Stahlyacht aus den Niederlanden, die für rund 1,4 Millionen Euro zu haben ist, zählt da noch zu den günstigeren Modellen. Big Willi ackert für "Die Boot" in Düsseldorf - die größte Yacht- und Wassersportmesse der Welt. Sie startete Samstag mit über 1.600 Ausstellern aus 60 Ländern.

„Die Boot Düsseldorf ist das konjunkturelle Zugpferd der internationalen Yacht- und Wassersportwirtschaft. Hier werden die Innovationen gezeigt und hier wird der Markt von Morgen vorbereitet“, sagt Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW).

Die Messe kann in diesem Jahr ein kleines Plus vermelden, aber gut geht es der Branche noch nicht. Die deutschen und internationalen Bootsbauer blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Zwar zeigte eine aktuelle Konjunkturbefragung des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW) zum Jahresende 2011, dass die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen von einer verbesserten Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr sprechen, aber die Branche gehört im Gegensatz zu vielen anderen der Luxusklasse nicht zu den krisensicheren Gewinnern der vergangenen Jahre.

Noch weit von den Spitzenjahren entfernt

In Nordeuropa, doch besonders in Deutschland, zeigt sich der Aufschwung: die Produktion von Segel- und Motoryachten in Deutschland hat im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent zugelegt. Hochrechnungen gehen von einem Gesamtumsatz der Branche von rund 1,77 Milliarden Euro aus – ohne die Megayachten. Das entspricht einem Plus von über zwei Prozent.

An die Erträge der Vor-Krisen-Zeit reicht das noch lange nicht heran. Bei der aktuellen Konjunkturbefragung geben 25 Prozent der Befragten an, sie hätten Einbußen gehabt und nach Berechnungen des BVWW liegen die Bootshersteller noch weit vom Verkaufsniveau der Spitzenjahre 2006 und 2007 entfernt. So liegt die Produktion bei etwa 65 Prozent des Niveaus aus Vorkrisenzeiten.
Bootsbauer exportieren bis zu 90 Prozent ihrer Schiffe, damit sind sie stärker als andere Branchen von der wirtschaftlichen Situation im Ausland abhängig.

Große Entfernung vom Spitzenjahr

Das Motorboot

Für die nächsten Jahre erwartet nur jedes dritte Unternehmen der Branche weitere Zuwächse und mehr als 40 Prozent rechnen mit einer Stagnation auf jetzigem Niveau. Im Vorjahr waren noch doppelt so viele Befragte von einem steigenden Geschäftsvolumen ausgegangen. Auch wenn der deutsche Boots- und Wassersportmarkt im zweiten Jahr in Folge zugelegt hat, bleibt man skeptisch.

International ist die Lage der Branche zudem sehr uneinheitlich. Während die wirtschaftliche Erholung in Nordeuropa voranschreitet, straucheln die nationalen Branchenwirtschaften in einigen Teilen Südeuropas.

Das zeigt sich auch bei der weltgrößten Branchenschau in Düsseldorf. Vor allem die italienische Kollegen zeigen sich in diesem Jahr zurückhaltend. Die Messe Düsseldorf hat auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Südeuropäer reagiert und offeriert ihnen ein spezielles Angebot: Sie präsentieren sich nun lediglich an Informationsständen – ohne Boote, und zeigen ihre Produkte lediglich in mitgebrachten Videos. So konnten sie die viel zu teuren Transportkosten sparen. Dafür sind internationale Aussteller wie Azimut, Fairline und Drettmann, die 2011 nur mit den Mini-Ständen vertreten waren oder ganz aussetzen mussten, in diesem Jahr wieder mit Yachten vor Ort.

Nachfrage nach Motor- und Segelyachten gestiegen

Im Vergleich bleibt allgemein die internationale Entwicklung hinter der des deutschen Markts zurück. Auch wenn es hier nur langsam voran geht – es wächst. Auch die spezielle Nachfrage nach Motor- und Segelyachten ist gestiegen und Segelboothändler sprechen von ebenso guten oder sogar besseren Verkäufen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders im Trend liegen laut Konjunkturbericht des BVWW komplett ausgestattete Boote und Yachten im unteren und mittleren Preis- und Größensegment. Darauf haben sich viele Hersteller eingestellt und bieten derzeit eine große Bandbreite an Einsteiger-Modellen und preisreduzierten Versionen.

Industrie



Werner Matthias Dornscheidt, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, bezieht Position: „Auch nur geringe Zuwächse zu verzeichnen ist aktuell nicht selbstverständlich.“ Nach einer eher schwachen Saison 2011 für den Messemarkt rund um Boote, Yachten und Wassersport sei der Zuwachs, der sich in diesem Jahr zeige, wichtig. Speziell für die deutsche Branchenwirtschaft macht Dornscheidt deutlich: „Schwierige Zeiten klären auch Positionen: Die Boot Düsseldorf als zentraler europäischer Marktplatz ist und bleibt für die Branche die erste Wahl.“

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