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Metalltarifrunde Arbeitgeber wollen Öffnungsklauseln durchsetzen

Exklusiv

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, hat für die anstehende Tarifrunde einen variablen Abschluss von der IG Metall verlangt.

Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger Quelle: dpa

"Der Tarifabschluss muss die Heterogenität unserer Branche berücksichtigen", sagte Dulger im Interview mit der WirtschaftsWoche. Es gebe Betriebe, denen es blendend gehe, anderen aber drohe Kurzarbeit: "In diesen unsicheren Zeiten können wir keine Tarifpolitik mit der Gießkanne machen, sondern müssen Flexibilisierungsmöglichkeiten nutzen." Der Unternehmer erinnerte an Vereinbarungen aus der Vergangenheit, "je nach wirtschaftlicher Lage eines Unternehmens eine Lohnerhöhung mit Zustimmung des Betriebsrats um einige Monate nach vorne oder hinten zu verschieben." Als "eine andere bewährte Variante" brachte er gegenüber der WirtschaftsWoche die Idee ins Spiel, die Höhe einer möglichen Einmalzahlung per Betriebsvereinbarung nach oben oder unten zu korrigieren.

Am kommenden Donnerstag gibt die IG Metall ihr Forderungspaket offiziell bekannt. Im Raum steht eine Forderung von 5,5 Prozent. "Ich hätte mir von der IG Metall mehr Realitätssinn und wirtschaftlichen Sachverstand gewünscht", kommentiert Dulger. "Die Dynamik lässt nach, die Branchenkonjunktur kühlt sich ab, Auftragseingänge und Produktion waren zuletzt rückläufig. Die Lohnstückkosten ziehen wieder deutlich an, seit 2011 um zwölf Prozent." Auch die von der IG Metall geforderte Bildungsteilzeit findet bei ihm wenig Gegenliebe. "Was sich die IG Metall vorstellt, lehnen unsere Unternehmen kategorisch ab. Bei der Weiterbildung brauchen wir keinen Nachhilfeunterricht der Gewerkschaft."

Der von der IG Metall geforderten tariflichen Altersteilzeit steht Dulger hingegen aufgeschlossen gegenüber. "„Ich bin nicht per se dagegen, dass ältere Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit im Bedarfsfall auf vier, drei oder zwei Tage die Woche reduzieren." Allerdings müsse das System gegenüber den bisherigen Regeln gerechter werden. "Wir müssen unterscheiden, ob ein älterer Arbeitnehmer wirklich nicht mehr kann – oder ob er nicht mehr will. Wenn jemand schlicht keine Lust mehr hat, sollte er künftig auch keine Förderung erhalten." In Baden-Württemberg habe der Arbeitgeberverband mit der IG Metall eine Kommission eingesetzt, die sich mit diesem Thema beschäftigt.

Dulger könnte sich bei der Altersteilzeit auch ein freiwilliges System vorstellen. "Wir müssen hinterfragen, ob es weiter einen Anspruch auf Altersteilzeit geben sollte. Bisher dürfen bis zu vier Prozent der Belegschaft in Altersteilzeit gehen. Diese Quote wird vor allem in kleinen und mittleren Betrieben nicht ausgeschöpft."

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