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Mit mehr Gewinn gegen Potash K+S ist gewappnet für den Abwehrkampf

K+S lehnt eine Übernahme durch Potash weiter ab. Nun verbessern sich die Argumente des Dax-Konzerns: Der Gewinn steigt um 30 Prozent. Im Gesamtjahr soll es so weiter gehen, doch der Abwehrkampf könnte teuer werden.

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Vorstandschef Norbert Steiner hat Grund zur Freude: Der operative Gewinn steigt. Quelle: dpa

Frankfurt Der Salz- und Düngemittelhersteller K+S geht gestärkt in den Abwehrkampf gegen den kanadischen Rivalen Potash. Im ersten Halbjahr baute das Kasseler Unternehmen dank höherer Preise und des starken Dollar seinen Gewinn kräftig aus. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand weiter mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebnisanstieg, obwohl wegen des Übernahmepokers mit Potash „nicht unerhebliche Kosten“ entstehen könnten.

Die Avancen der Kanadier, die K+S für 41 Euro je Aktie übernehmen wollen, wies das Management erneut zurück. „Wir sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass dieser Preis nicht annähernd dem fundamentalen Wert von K+S entspricht“, sagte Finanzchef Burkhard Lohr in einer Videobotschaft. Sollte Potash aber einen neuen Vorschlag machen, werde K+S diesen prüfen.

Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen seinen operativen Gewinn (Ebit I) um knapp 32 Prozent auf 496 Millionen Euro - mehr als Analysten erwartet hatten. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 317 Millionen zu Buche, ein Zuwachs von gut 42 Prozent. Der Umsatz erhöhte sich binnen Jahresfrist um 16 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. „Wir hatten ein sehr starkes erstes Halbjahr“, urteilte Lohr.

K+S profitierte von gestiegenen Preisen für Auftausalz in Nordamerika. Der Gewinn im Salz-Geschäft, in dem K+S Weltmarktführer ist, stieg sprunghaft an. Im Geschäftsbereich Kali- und Magnesiumprodukte verdiente der Konzern im Halbjahr zwar mehr, von April bis Juni fiel der operative Gewinn jedoch fast um zehn Prozent. Im Vorjahresquartal war allerdings eine Versicherungsleistung aus dem Grubenunglück in Unterbreizbach enthalten.

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    Für das Gesamtjahr präzisierte Vorstandschef Norbert Steiner die Prognose. Er rechnet nun mit einem Umsatzanstieg auf 4,35 bis 4,55 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis zwischen 780 und 860 Millionen Euro. Bislang hatte er einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisanstieg in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr hatte K+S bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 641 Millionen Euro erzielt.

    Im Übernahmekampf um K+S sind die Fronten weiter hart. Der kanadische Angreifer Potash Corporation (PCS) hat seine Offerte einer freundlichen Übernahme von K+S zum Preis von 41 Euro je Aktie vor wenigen Tagen bekräftigt und dabei Standort- und Arbeitsplatzgarantien für die nächsten fünf Jahre in Aussicht gestellt. Das K+S-Management hat die Offerte trotzdem erneut als zu niedrig zurückgewiesen und die Garantien als zu unsicher bewertet.

    Analysten interpretieren den jüngsten Vorstoß der Kanadier dessen ungeachtet als klares Signal, dass PCS am Ball bleibt und versucht weiter Druck auf das Management von K+S aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist es für den K+S-Vorstand wichtig, mit ordentlichen Zahlen zu punkten und auf diese Weise seine Position zu untermauern, dass das Kasseler Unternehmen deutlich mehr wert ist als die angebotenen 41 Euro je Aktie.


    Politische Unterstützung im Abwehrkampf

    Entscheidend für das K+S-Management wird es allerdings sein, Investoren davon zu überzeugen, dass der Konzern langfristig noch höhere Erträge generieren kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei vor allem die im Bau befindliche Kalimine in Kanada, die 2016 in Betrieb gehen soll und mittelfristig mehr als zwei Millionen Tonnen Kali produzieren soll. Firmenchef Norbert Steiner sieht dieses, so genannte „Legacy“-Projekt bisher nicht ausreichend in der Börsenbewertung wie auch in dem von PCS angebotenen Preis von 41 Euro reflektiert.

    Dieses Projekt repräsentiert bisher einen Buchwert von elf Euro je Aktie, ist aus Sicht des K+S-Chefs auf Basis der künftigen Absatzchancen effektiv aber etwa 21 Euro je Aktie wert. Ein Übernahme-Angebot, das diesen Wert aus K+S-Sicht angemessen widerspiegelt, müsste daher, wie Steiner andeutet, wohl bei mehr als 50 Euro je Aktie liegen.

    Der Kasseler Konzern hat unter anderem auch politische Unterstützung im Abwehrkampf gegen Potash Corporation gesucht – und vor allem von Seiten der hessischen Regierung auch deutliche verbale Unterstützung erhalten. Auch die privaten Aktionäre des Unternehmen, die etwa 30 Prozent des Kapitals halten, sieht der Vorstand klar auf seiner Seite. In einer Umfrage sprachen sich laut K+S 84 Prozent der teilnehmenden Aktionäre für die Ablehnung des Potash-Angebots aus. Nur vier Prozent der Privatanleger wären danach bereit, das gegenwärtige Angebot anzunehmen.

    Viele Analysten indessen gehen davon aus, dass bei den institutionellen Aktionären ein anderes Stimmungsbild vorherrschen könnte. Institutionelle halten insgesamt rund 70 Prozent des K+S-Kapitals und gut 80 Prozent dieser Aktionäre sitzen im Ausland. Auch was die Bewertung angeht, sind die Bankanalysten in der Mehrheit offenbar noch nicht überzeugt, dass K+S tatsächlich einen deutlich höheren Preis durchsetzen kann. Zwar gehen etliche Experten davon aus, dass PCS nachlegen kann und wird.

    Das durchschnittliche Kursziel für K+S bewegt sich mit 39,54 Euro aber noch immer leicht unterhalb der angebotenen 41 Euro je Aktie.

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