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Monsanto strebt nach Dominanz Größenwahn in der Chemie

Eine Übernahme von Syngenta durch Monsanto wäre der mit Abstand größte Deal im Bereich der Agrochemie und wohl auch die bisher größte Übernahme in der Chemieindustrie insgesamt. Eine Analyse.

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Der US-Saatgut- und Genpflanzenproduzent will den Schweizer Konkurrenten Syngenta schlucken. Quelle: ap

Der US-Saatgut- und Genpflanzenproduzent Monsanto will den Schweizer Konkurrenten Syngenta schlucken. Syngenta bestätigte am Freitag in Basel, dass ein umgerechnet 45 Milliarden Dollar (42 Milliarden Franken) schweres Angebot der Amerikaner eingegangen sei. Monsanto sei bereit, je Syngenta-Aktie 449 Franken zu bezahlen.

Der Deal würde auf einen neuen großen Konsolidierungsschritt im Bereich der Agrochemie hinauslaufen und den mit weitem Abstand größten Anbieter in diesem Bereich hervorbringen. Dabei ist dieser Sektor der Chemiebranche nach zahlreichen Deals Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre heute bereits relativ stark konzentriert.

Damals war auch Syngenta aus dem Zusammenschluss der Pflanzenschutzsparten von Astra-Zeneca und Novartis entstanden. Bayer verstärkte sich in dieser Phase mit der Agrochemiesparte von Aventis, BASF kaufte American Cyanamid. Die führenden sechs Anbieter dürften heute mehr als zwei Drittel des Marktes beherrschen. Mit operativen Margen von zum Teil mehr als 20 Prozent ist das Agrochemie-Geschäft überdurchschnittlich lukrativ und zudem weniger konjunkturanfällig als andere Chemiesparten wie etwa Kunststoffe, Lacke oder Basischemikalien.

Monsanto hatte sich in den 1990er-Jahren voll auf die Entwicklung genmodifizierter Pflanzen gestürzt und zudem eine ganze Serie etablierter Saatgutfirmen gekauft. Heute ist der Konzern der mit Abstand führende Anbieter von genmodifizierten Saaten und dadurch mit zuletzt 10,7 Milliarden Dollar Umsatz auch insgesamt im Saatgutgeschäft führend. Vom Gesamtumsatz entfallen bei dem US-Konzern damit rund zwei Drittel auf Saatgut.


Kartellprobleme durch Zusammenschluss

Das rund fünf Milliarden Dollar starke Pflanzenschutzgeschäft von Monsanto konzentriert sich im wesentlichen auf den Wirkstoff Glyphosate (Roundup), gegen den die genmodifizierten Saaten von Monsanto resistent sind. Mit der Übernahme von Syngenta würde der US-Konzern vor allem diese Sparte deutlich ausbauen und diversifizieren – und damit eine dominierende Stellung in beiden Segmenten, Pflanzenschutz und Saatgut, erringen.

Denn bei Syngenta ist die Struktur in etwa umgekehrt: Der Konzern hält starke Positionen sowohl bei Herbiziden als auch Fungiziden. Das Saatgutgeschäft hat bei dem Schweizer Konzern mit zuletzt 3,1 Milliarden Dollar Umsatz nur 21 Prozent Umsatzanteil. Der Schweizer Konzern ist damit bei Saatgut weltweit Nummer drei, nach Monsanto und dem US-Konzern Dupont (mit schätzungsweise sieben bis acht Milliarden Dollar Saatgut-Umsatz).

Die Saatgut-Erlöse bei Syngenta waren zuletzt zudem leicht rückläufig, und Syngenta dürfte angesichts hoher Investitionen und Entwicklungskosten bislang auch nicht übermäßig viel verdient haben im Saatgutgeschäft. Allerdings könnte Syngenta auch hier das Sortiment der Amerikaner in etlichen Teilbereichen ergänzen, so etwa bei Gemüse-Saaten. Monsanto ist bisher vor allem auf Sojabohnen und Mais konzentriert.

Andererseits dürfte ein Zusammenschluss der beiden Konzerne auch auf erhebliche Kartellprobleme treffen, insbesondere in Nordamerika, wo sie nach manchen Schätzungen zusammen auf etwa 40 Prozent Marktanteil im Saatgutbereich kommen dürften. Im Falle einer Übernahme müsste Monsanto daher vermutlich teile des Syngenta-Saatgutgeschäfts verkaufen.

Was Forschung und Entwicklung angeht, ist Syngenta in den letzten Jahren offenbar tendenziell zurückgefallen. Bayer und BASF etwa zeigten eine höhere Produktivität, was neue Produkte im Bereich Pflanzenschutz angeht. Insgesamt entwickelte sich Syngenta in den letzten drei Jahren dadurch schwächer als die Konkurrenten. Das operative Ergebnis stagnierte zuletzt. Die operative Marge bei den Schweizern ist sechs Jahren rückläufig.

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