Monsanto-Übernahme Mit welchen Hürden Bayer noch zu kämpfen hat

Kartellbehörden könnten die Übernahme von Monsanto verhindern. Damit der Deal durchgeht, muss Bayer Teile des Geschäfts verkaufen. Doch es warten noch weitere Hürden auf die Leverkusener.

Diese Deals schrieben Geschichte
Bayer kauft Monsanto Quelle: REUTERS
Platz 10: Royal Dutch kauft Shell Transport & Trading Quelle: dpa
Platz 9: Exxon kauft Mobil Quelle: AP
Platz 9: Exxon kauft Mobil Quelle: REUTERS
Platz 8: AT&T kauft Bell South Quelle: REUTERS
Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert Quelle: AP
Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert Quelle: AP

Vor der historischen Abstimmung löcherten die Aufsichtsräte den Bayer-Vorstand zwei Stunden mit letzten Fragen: Ist die Finanzierung der Übernahme von Monsanto wirklich gesichert? Bleibt der hohe Forschungsetat auch künftig erhalten? Gegen elf Uhr am vorvergangenen Mittwoch hoben die Räte schließlich die Hand für die Megaübernahme. In New York hatten Bayer-Chef Werner Baumann und Monsanto-Boss Hugh Grant schon auf das Signal gewartet. Um 13.19 Uhr deutscher Zeit verkündeten sie den 66-Milliarden-Dollar-Coup, die größte Übernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Der Saatgutkonzern Monsanto

Perfekt ist sie damit noch lange nicht, die Arbeit für den Vorstand beginnt erst jetzt. In den nächsten Monaten müssen Baumann und seine Kollegen Kartellbehörden in nicht weniger als 30 Ländern vom Segen der Übernahme überzeugen.

Fachanwälte rechnen schon jetzt mit einer der heikelsten und aufwendigsten Übernahmeprüfungen aller Zeiten. Baumann selbst erwartet, dass die Transaktion nicht vor Ende 2017 abgeschlossen ist. Wenn es überhaupt dazu kommt. Es erscheint durchaus möglich, dass die Wettbewerbshüter so große Bedenken gegen den Megadeal haben, dass sie ihn komplett zum Kippen bringen. Für den Fall hat Bayer Monsanto bereits eine Ausfallzahlung von zwei Milliarden Dollar zugesichert.

Wer bei Bayer für Gewinn sorgt

Entsprechend verhalten haben bislang die Investoren reagiert. Der Kurs der Monsanto-Aktie bewegte sich auch nach der Einigung deutlich unterhalb der Bayer-Offerte von 128 Dollar. „Die Kartellfrage ist der Knackpunkt“, sagt ein ranghoher Investmentbanker. Vor allem in den USA seien die Prüfungen in den vergangenen Jahren immer komplexer und langwieriger und damit zu einem erheblichen Unsicherheitsfaktor geworden. „Seriös lässt sich der Ausgang nicht vorhersagen“, sagt der Banker.

Unterm Strich Schulden in Höhe von 60 Milliarden Euro

Sicher ist aber schon jetzt, dass die Marktmacht bei einigen Regionen und Produkten derart groß sein wird, dass der künftig weltgrößte Agrarkonzern Teile abspalten muss. Bayer will sich dabei maximal von 1,6 Milliarden Dollar Umsatz trennen. Nicht nur die Vorgaben der Wettbewerbswächter dürften den Konzern zu Einschnitten zwingen: Zwar hat Bayer die Transaktion problemlos finanziert, unter dem Strich stehen nun aber Schulden von 60 Milliarden Euro. Am Dienstag erhöhte Baumann die Ziele für die künftige Profitabilität deutlich. Doch auch gesteigerte Gewinne dürften kaum reichen, um die Verbindlichkeiten in absehbarer Zeit entscheidend abzutragen. Insider rechnen deshalb fest damit, dass Bayer sich von Teilen des Unternehmens trennt. Zur Disposition könnte die Tiermedizin stehen. Auch ein schneller Verkauf der 64 Prozent am börsennotierten Kunststoffhersteller Covestro ist wahrscheinlich.

Baumann und Grant feiern den Deal als Meilenstein auf dem Weg zur Ernährung einer Weltbevölkerung von künftig zehn Milliarden Menschen. Der Vision eines allmächtigen Agrarkonzerns können Politiker, Verbraucherschützer und Kunden aber wenig abgewinnen. „Die Oligopolbildung am Agrarmarkt kann zu eingeschränktem Wettbewerb führen“, warnt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Wenn die Übernahme gelingt, so die Befürchtung von Agrarökonomen, werden die Bauern in vielen Regionen der Welt künftig weniger Auswahl haben. Und diese auch noch teurer bezahlen.

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