Monsanto und die Folgen Bayer und das Glyphosat – das war es nicht wert

Nach der Monsanto-Übernahme ist die Klageflut gegen Bayer wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat zuletzt noch einmal gestiegen. Quelle: dpa

Im Glyphosat-Rechtsstreit hat Bayer vor dem Obersten Gerichtshof der USA eine Niederlage erlitten. Den ganzen juristischen Ärger hätte sich der Konzern sparen sollen. Doch er gibt noch nicht auf.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Am Ende fiel die Entscheidung wie erwartet aus: Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte einen Berufungsantrag von Bayer im unendlich erscheinenden Glyphosat-Rechtsstreit ab. Für das Leverkusener Unternehmen ist das ein schwerer Rückschlag.

Konkret ging es vor dem Gerichtshof um den Fall des Rentners Edwin Hardeman, der seine Krebserkrankung auf den Gebrauch des Bayer-Unkrautvernichters Roundup (Wirkstoff: Glyphosat) zurückführt. Bayer bestreitet einen solchen Zusammenhang  Ein Gericht hatte Hardeman 25 Millionen Dollar zugesprochen. Wäre Bayer mit der Berufung und einem positiven Urteil erfolgreich gewesen, hätte dies eine Signalwirkung für Zehntausende weitere Verfahren gehabt. Nun dürften sich die weiteren Prozesse länger hinziehen und wahrscheinlich auch teurer werden.  

Fast vier Jahre währt der Glyphosat-Rechtsstreit nun schon. 60 Milliarden Dollar hat die Übernahme von Monsanto gekostet. Etliche Milliarden hat Bayer inzwischen für Rechtsfälle zurückgestellt. Der Börsenwert hat sich in jener Zeit um mehr als ein Drittel reduziert. Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshof fiel der Aktienkurs weiter.

Immer deutlicher wird nun, was zunehmend auch von vielen Investoren zu hören ist: Die Übernahme von Monsanto, dem Hersteller des Glyphosat-Produkts Roundup, war ein schlimmer Fehler. Sicher, das Agrargeschäft von Bayer läuft, auch wegen Monsanto. Aber sonst? Die Übernahme des US-Konzerns hat Image und Aktienkurs von Bayer nachhaltig beschädigt. Und die jüngsten operativen Erfolge stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten, die der Kauf verursacht hat. Doch Bayer-Chef Werner Baumann und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning wollten den Deal unbedingt – sie hätten gut daran getan, mehr auf interne Kritiker und Zweifler zu hören. Und sie haben die Prozessrisiken in den USA völlig unterschätzt – obwohl Bayer nach vielen Medikamenten-Verfahren durchaus über reichlich Erfahrung in amerikanischen Gerichtssälen verfügt. Vieles am US-Rechtssystem ist unfair und irrational. Aber so sind nun mal die Spielregeln – und Bayer kannte sie.  

„Kehrtwende der US-Regierung“ 

Nur wenige Minuten, nachdem der Oberste Gerichtshof seine Entscheidung kundtat, erklärte Bayer dann, diese „nicht nachvollziehen“ zu können. Die Entscheidung untergrabe die Verlässlichkeit von Regulierungsentscheidungen für Unternehmen. Bayer hatte in seiner Argumentation stets darauf verwiesen, dass sein Unkrautvernichter Roundup, dem die Klägerinnen und Kläger eine Krebsgefahr unterstellen, von den Behörden aus aller Welt zugelassen sei. Einen Warnhinweis habe die US-Umweltbehörde EPA sogar als „irreführend“ bezeichnet.

Vor wenigen Wochen hatte die US-Regierung dem Obersten Gerichtshof bereits abgeraten, den Antrag des deutschen Unternehmens anzunehmen. Bayer spricht von einer „rechtlichen Kehrtwende der US-Regierung“ und fühlt sich durch den „intensiven Zuspruch von Amtsträgern, Landwirtschaftsverbänden und anderen Interessensgruppen“ bestärkt.  Das US-Landwirtschaftsministerium sei bei der Stellungnahme der Regierung gar nicht konsultiert worden, moniert Bayer.  

Der nächste Berufungsfall wartet schon

Mit einem Fünf-Punkte-Plan hatte sich Bayer bereits auf eine ablehnende Stellungnahme des Gerichtshof vorbereitet. Dieser sieht etwa vor, dass sich Bayer bei künftigen Verfahren direkt mit potenziellen Klägern einigt. Die Strategie könnte funktionieren, sagt Markus Manns, Portfoliomanager beim Bayer-Aktionär Union Investment: „Viele mögliche Kläger werden die Schadenersatzzahlungen im Rahmen dieses Plans akzeptieren und auf eine Klage verzichten. Daher wird es verglichen mit den vergangenen Jahren deutlich weniger Klagen und geringere Zahlungen geben.“  Zudem will Bayer ab 2023 etwa kein Glyphosat mehr an Hobbygärtner verkaufen, von denen der Großteil der Klagen stammt. Insgesamt stellt Bayer im Rahmen des Fünf-Punkte-Plans noch einmal 4,5 Milliarden Dollar zurück.

KfW-Förderung 2,1 Prozent Zins: Das müssen Sie über die neue Eigenheimförderung wissen

Das Bauministerium öffnet die Geldschleusen: Hauskäufer können über die KfW die Neubauförderung beantragen. Wie die Konditionen aussehen, wie Sie am meisten herausschlagen können und ob sich die Förderung wirklich lohnt.

Tech-Aktien Diese KI-Profiteure sind Schnäppchen am Aktienmarkt

Die Kursexplosion bei den Halbleiterspezialisten Nvidia und Arm sind nur die halbe Wahrheit: Viele Profiteure mit KI-Potenzial werden noch übersehen. Sie sind gerade spottbillig zu haben.

Apothekensterben Topverdiener oder Existenznot? So steht es um Deutschlands Apotheker

An jeder Ecke eine Apotheke – heißt es oft. Doch auf dem Land gilt die Redewendung schon lang nicht mehr. Während in den Städten ein Überangebot herrscht, steht auf dem Land die Versorgung der Bevölkerung auf dem Spiel.

 Weitere Plus-Artikel lesen Sie hier

Zudem besteht noch etwas Hoffnung für den Leverkusener Konzern: Schon bald könnte der Oberste Gerichtshof über die Annahme eines weiteren Bayer-Glyphosat-Falls zur Berufung entscheiden. Eventuell kommt später noch ein weiteres Verfahren hinzu. Dann besteht noch die Hoffnung auf ein positives Urteil zugunsten Bayers. In jedem Fall aber nimmt die Causa-Glyphosat so schnell kein Ende. Bayer hätte sich den ganzen Ärger sparen sollen.

Lesen Sie auch: Glyphosat: Bayer verbannt es, die Konkurrenz macht munter Geschäfte damit

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%