Motorräder Ducati fährt auf Asien ab

Seit der Finanzkrise hat sich der europäische Motorrad-Markt nicht mehr erholt. Anders in Asien: Dort beschert der neue Wohlstand Herstellern wie Ducati zweistellige Zuwachsraten.

Ducati 1199 Pangiale Quelle: dapd

Einer der größten Bewunderer der Feuerstühle mit der markanten Farbe steht seit Kurzem an der Spitze der thailändischen Regierung. „Ich liebe die roten Motorräder“, bekannte General Prayuth Chan-ocha kürzlich mit Hinweis auf den Edelhersteller Ducati. Prayuth führt die Militärjunta, die am 22. Mai mit einem Putsch die Macht in Thailand übernommen hat. Seit Ende August ist er zugleich Premierminister des Landes.

Der thailändische General ist nicht der einzige Ducati-Liebhaber in dem Königreich. Seit der Hersteller aus Bologna, der seit zwei Jahren zum VW-Konzern gehört, 2011 sein Montagewerk in der Nähe von Bangkok eröffnete, kommen die Mechaniker kaum nach. 2013 rollten fast 10.000 Motorräder von den thailändischen Ducati-Bändern. 2015 werden es 11.000 sein, 2020 schon etwa 20.000. Auf ähnliche Zuwächse im Asiengeschäft kommt auch der Münchner Konkurrent BMW. Die wichtigsten Märkte sind Thailand, Malaysia und China. „Die Möglichkeiten in der Region hier sind gigantisch“, schwärmt Francesco Milicia, Chef bei Ducati in Thailand.

Diese Entwicklung steht in krassem Gegensatz zum Motorradgeschäft in Europa. Dort haben sich die Verkäufe seit der Finanzkrise immer noch nicht erholt. Fast 2,5 Millionen verkauften die Händler in der EU 2007, im vergangenen Jahr waren es weniger als die Hälfte. In Italien und Spanien liegt der Absatz immer noch gut 70 Prozent unter dem Niveau von 2007.

Zehn Motorrad-Neuheiten für 2015
BMW R1200RIn dem Roadster R1200R hat der 1,2 Liter große Boxermotor mit Luftkühlung ausgedient. Er wird durch den aus der R1200GS bekannten öl-/wassergekühlten Zweizylinder mit 125 PS ersetzt. Wer weiter den luftgekühlten Boxer genießen will, muss zum Classic-Bestseller R nineT greifen. Der Motor ist aber nicht die einzige Neuheit bei der R1200R: Der Rahmen ist vollkommen neu und integriert den Motor als tragendes Bauteil. Zudem hat sich BMW von der eigenwilligen Telelever-Gabel verabschiedet und setzt jetzt auf eine herkömmliche Upside-Down-Gabel. Die R1200R wird im ersten Halbjahr 2015 zum Grundpreis von 12.800 Euro angeboten. Quelle: PR
BMW R1200RSZusammen mit der R bringt BMW auch die RS an den Start. Die verkleidete RS setzt wie die nackte R auf den 125-PS-Boxer. Beide Modelle verfügen serienmäßig über die Fahrmodi „Rain“ und „Road“ sowie eine Traktionskontrolle. Als Sonderausstattung lassen sich die dynamische Traktionskontrolle DTC mit Schräglagenerkennung sowie die zusätzlichen Fahrprogramme „Dynamic“ und das individuell programmierbare „User“ ordern. Ebenfalls auf Wunsch gibt es die elektronische Stoßdämpferjustierung ESA und LED-Tagfahrlicht sowie den Schaltassistenten für Gangwechsel ohne Kupplungsbedienung.  Der Aufpreis für den verkleideten Sporttourer beträgt 600 Euro, die R1200RS steht also mit 13.400 Euro in der Liste. Quelle: PR
BMW S1000RRNeben den Boxer-Modellen hat BMW auch das Superbike S1000RR nachgeschärft. In Zahlen ausgedrückt heißt das: sechs PS mehr Leistung und vier Kilo weniger Gewicht. Die 199 PS starke Maschine soll durch einen neuen Rahmen und geänderte Fahrwerksgeometrie leichter kontrollierbar werden. Zudem haben die Techniker die Elektronik feiner abgestimmt. Bei der Optik fallen der geänderte, aber weiter asymmetrische Scheinwerfer auf, sowie die neue Abgasanlage. Da bei dieser der Vorschalldämpfer entfällt, trägt sie entscheidend zur Gewichtsreduktion bei. Der neue Modelljahrgang der S1000RR kommt im ersten Halbjahr 2015 zu den BMW-Händlern. Noch steht aber nicht fest, welchen Preis diese verlangen werden. Quelle: PR
Ducati ScramblerDie Italiener zeigen in Köln die lange erwartete Scrambler. Das neue Einstiegsmodell bietet Ducati in vier verschiedenen Styles an, als Icon (im Bild), Urban Enduro, Full Throttle und Classic. Angetrieben wird der Scrambler vom luftgekühlten L-Twin aus der Monster 796, der aus seinen 803 Kubik 75 PS und 68 Nm Drehmoment holt.  Da die Scrambler als Alltagsmotorrad ausgelegt ist, hat Ducati auf die markentypische Trockenkupplung verzichtet und eine leichter zu bedienende Ölkupplung verbaut. Da die Ducati mit 186 Kilo deutlich leichter ist als etwa die Triumph Scrambler mit 230 Kilo, versprechen sich die Italiener trotz der 75 PS ansprechende Fahrleistungen. In Deutschland soll der Preis für die Scrambler bei 8390 Euro starten. Quelle: PR
Honda CBR300RHonda folgt dem von Kawasaki gesetzten Trend und macht aus der CBR250R eine 300er. Doch nur beim Namen, denn unter der sportlichen Verkleidung arbeitet ein 286 Kubik großer Einzylinder mit 31 PS. Damit lässt die CBR300R genügend Raum nach oben zur zweizylindrigen CBR500R mit 48 PS, kann aber auch mit der Kawasaki Ninja 300 mithalten. Der sportliche Look der CBR-Familie, der an die starke Fireblade erinnert, dürfte die junge Kundschaft genauso ansprechen wie der Preis von 4790 Euro. Quelle: PR
Kawasaki H2RDas von Kawasaki formulierte Ziel bei der Studie H2R ist einfach: Dem Fahrer eine nie dagewesene Beschleunigung zu bieten. Dazu haben die Techniker dem Konzeptmotorrad einen 300 PS starken Motor verpasst. Bislang gelten bei Motorradmotoren 200 PS als Schallmauer. Möglich macht das ein Kompressor, der für Motorräder unüblich den Motor zwangsbeatmet. Zwei kleine Flügelchen anstelle der Außenspiegel sollen bei hohen Geschwindigkeiten die H2R stabilisieren. Zudem drücken sie der Pressemitteilung zufolge auch die Zusammenarbeit im Konzern Kawasaki Heavy Industries aus, da die Flügel von der Raumfahrtabteilung entworfen wurden. Auch wenn es absonderlich klingt: Die H2R wird in Serie kommen. Die 300-PS-Variante darf aber nur auf die Rennstrecke. Die Straßenversion, die auf der Motorradmesse Eicma in Mailand vorgestellt wird, muss mit „nur“ 200 PS auskommen. Quelle: PR
KTM 1290 Super AdventureDie Österreicher aus Mattighofen haben den großen Zweizylinder aus dem Naked Bike 1290 Super Duke in die Reiseenduro Adventure gebaut – oder zumindest Teile davon. Das V2-Kraftwerk wurde mit mehr Schwungmasse, neuen Zylinderköpfen und Kurbel- sowie Nockenwellen auf ein besseres Ansprechverhalten getrimmt und leistet noch 160 PS. Mit einem 30-Liter-Tank, angenehmer Sitzposition und guter Verkleidung sind so lange und sportliche Touren möglich. Quelle: PR

Kein Wunder, dass BMW und Ducati auf Fernost hoffen – auch weil die Behörden dort ihnen den roten Teppich ausrollen. Thailand etwa hat seine Unternehmenssteuern kürzlich von 30 auf 20 Prozent gesenkt. Und wenn Motorradhersteller mehr als 40 Prozent ihrer Komponenten in Thailand einkaufen, zahlen sie zudem auf die übrigen Teile sowie auf eingeführte Maschinen und Anlagen keine Importzölle.

Gut 20 Millionen Euro hat Ducati in Thailand investiert. Rund 400 Mitarbeiter fertigen in den Werkshallen fünf verschiedene Modelle. Ende Oktober wird Ducati auf der Kölner Motorradmesse ein weiteres Modell mit weniger als 100 PS vorstellen, das in Thailand und Italien gefertigt und weltweit vertrieben wird.

„Wir sind nicht wegen der niedrigeren Lohnkosten nach Thailand gegangen“, sagt Ducati-Statthalter Milicia, während er durch die penibel sauberen Fabrikhallen führt. Grund ist neben den staatlichen Vergünstigungen die hoch entwickelte Zulieferindustrie. Hinzu kommt der Binnenmarkt der zehn Mitgliedsländer der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean), der Anfang 2015 in Kraft tritt. Dann kann Ducati zollfrei in die Nachbarländer, etwa Malaysia, exportieren.

Solche Aussichten haben auch BMW nach Thailand gelockt. Bisher mussten die Münchner ihre Maschinen nach Asien exportieren, seit Anfang des Jahres fertigen sie in der Nähe von Bangkok. Mit dem Wegfall der Importzölle ist nun etwa die zweizylindrige F 800 R in Thailand nicht mehr teurer als in Deutschland, wo sie 8.900 Euro kostet. Vorher fielen in Thailand 60 Prozent Importzoll an, in Indonesien 50 und in Vietnam 77 Prozent.

Zwar bewegte sich der BMW-Absatz 2013 mit 400 in Thailand verkauften Motorrädern noch auf niedrigem Niveau. Doch das Absatzplus zwischen Januar und Juli dieses Jahres lag bei 16 Prozent. Bis Jahresende will BMW in seinem Werk in Thailand 1.000 Maschinen montieren.

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Probleme haben die deutschen Hersteller lediglich bei der Personalsuche. Denn in Thailand herrscht praktisch Vollbeschäftigung. „Unter den ausländischen Unternehmen herrscht ein gnadenloser Wettbewerb um Talente“, sagt Milicia. Er zahlt den Ducati-Mitarbeitern am Jahresende drei Monatsgehälter als Bonus. Trotzdem liegt die Fluktuation bei 15 Prozent.

Vielleicht fördert ja jetzt die Ducati-Kantine die Treue: Sie bietet jeden Tag italienische Pasta an. Die Mitarbeiter liebten es, so Milicia: „Vor allem, wenn die Köche die italienische Küche mit lokalen Spezialitäten wie Chili oder Ananas kombinieren.“

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