MTU-Chef Winkler "Wir können auch höhere Stückzahlen"

Der Chef des Triebwerksherstellers MTU, Reiner Winkler, kündigt höhere Gewinnmargen an. Zudem rechnet er fest mit Aufträgen für den Militärtransporter A400M, glaubt aber nicht an Elektrojets.

Reiner Winkler Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Winkler, Sie sind Ökonom. Wie fühlt sich ein Nichtingenieur in einer Technikbranche?

Reiner Winkler: Gut. Wir hatten bei der MTU in den vergangenen Jahren immer wieder Ökonomen als Chefs. Spätestens seitdem wir 2005 an die Börse gegangen sind, kommt es nicht mehr nur darauf an, was technisch möglich ist. Am Ende müssen wir auch Geld verdienen.

Seit Ihrem Start vor einem Jahr haben Sie nach und nach die Ziele Ihres Vorgängers Egon Behle kassiert. Warum?

Wir haben die Ziele nicht einfach kassiert. Wir setzen heute einen anderen Maßstab für unsere Prognosen: weg von absoluten Umsatz- und Gewinnzahlen, hin zu relativen Zahlen wie Steigerungsraten und Umsatzrenditen.

Zur Person

Was soll das? Entscheidend ist doch der Betrag, der unter dem Strich steht.

Nehmen Sie den schwachen Euro und spiegelbildlich dazu den starken Dollar. Unsere jährlichen Dollar-Einnahmen ergeben zum heutigen Wechselkurs fast eine Milliarde Euro mehr Umsatz als zu den Kursen vom Sommer 2014 – und das, ohne dass sich an unserer Arbeit etwas geändert hätte. Wenn wir dagegen währungsbereinigte Wachstumsraten prognostizieren, wird das Bild klarer, vor allem für unsere Investoren.

Ist das denen nicht zu vage?

Ganz im Gegenteil. Das spiegelt auch unser Aktienkurs wider: Er ist seit November um mehr als ein Viertel gestiegen.

Ihr Ergebnis vor Steuern und Zinsen liegt heute bei 9,5 Prozent vom Umsatz. Was versprechen Sie Ihren Aktionären?

Bis 2017 erwarten wir aufgrund unserer Investitionen nur eine moderate Margenentwicklung. Ab 2018 soll die Rendite deutlicher steigen. Bis dahin wird die Serienproduktion neuer Triebwerke hochgefahren sein, anschließend wird das profitablere Geschäft mit Ersatzteilen und Instandhaltung stärker wachsen. Das wird sich auch in den Zahlen niederschlagen.

Dafür profitieren Sie jetzt von dem starken Dollar, weil Sie für Einnahmen in der US-Währung mehr Euro bekommen.

Das ist richtig. Deshalb erwarten wir 2015 ein operatives Ergebnis von 420 Millionen Euro, knapp zehn Prozent mehr als 2014.

Die großen Triebwerkshersteller

Wieso nur zehn Prozent mehr, der Wert des Dollar ist seit Juli 2014 doch um ein Viertel gestiegen?

Weil wir unsere Dollar-Einnahmen zu einem niedrigeren Kurs gesichert haben. Das aktuelle Kursplus kommt deshalb nur zu 30 Prozent bei uns an. 2016 werden es 50 Prozent und 2017 schon 70 Prozent sein...

...sofern der Dollar auf dem heutigen Niveau bleibt.

Genau weil dies nicht vorhersagbar ist, prognostizieren wir keine absoluten Zahlen mehr.

Der Anteil der Rüstung beträgt bei MTU heute rund 14 Prozent. Wie tief wird er fallen, wenn Deutschland und andere Staaten weniger Eurofighter und damit weniger Ihrer Triebwerke kaufen?

Wir rechnen erst einmal nicht mit einem weiteren Rückgang. Allerdings wird aufgrund des Wachstums in den anderen Bereichen der Anteil des Militärgeschäfts mittel- und langfristig auf etwa zehn Prozent sinken.

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