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Nach Diesel-Rückruf Audi-Hauptversammlung wird zum Scherbengericht

Auf der Audi-Hauptversammlung muss sich Konzernchef Rupert Stadler viel Kritik für das Krisenmanagement in Sachen Diesel anhören.

Audi-Hauptversammlung wird zum Scherbengericht Quelle: dpa

IngolstadtDass der Tag schwierig würde, dass war Rupert Stadler schon klar. Rund 1000 Aktionäre warteten auf den Konzernchef, als er gegen 10.30 Uhr im Audi-Forum Ingolstadt an das Rednerpult trat. Über die Zukunft wollte er reden, doch gleich zu Beginn musste er wieder einmal Abbitte leisten. Am Vorabend musste Stadler einräumen, dass Audi erneut 66 000 Autos der Baureihen A6 und A7 wegen manipulierter Motorsteuerungen zurückrufen muss.

Und so wich der Audi-Chef von seinem Redemanuskript spontan ab. „Ich bedauere die Unsicherheit für unsere Kunden“, sagte Stadler. Es handele sich um „einen gravierenden Arbeitsfehler auf Fachebene“. Bei den betroffenen Autos arbeite ein Softwarebaustein in den Motoren, den man versäumt habe zu entfernen. Die betroffenen Autos sollen nun umgerüstet werden. Die Auslieferungen müssen für Wochen gestoppt werden.

„Unsere Mannschaft arbeitet hart an der Aufarbeitung“, sagt Stadler. Aber klar sei: „Die Dieselkrise ist für uns noch nicht abgeschlossen“ endet Stadler seine Büßerrede.

Tatsächlich ist das Entsetzen im Umfeld der Hauptversammlung groß. Anfang Mai entdeckte Audi bei den hauseigenen Nachprüfungen jenen Softwarecode, der die Abgasreinigung drosselt, wenn die Reinigungsflüssigkeit „Adblue“ zu Neige geht. Diese Funktion kennt man schon von älteren Betrugs-Dieseln.

Die fatale Erkenntnis: Erstmals sind relativ neue Euro 6-Motoren betroffen, die Audi bislang immer für unbedenklich gehalten hat. Ende vergangener Woche wurde das Kraftfahrbundesamt und der VW-Aufsichtsrat informiert, Aktionäre und Kunden aber noch nicht.

Der Grund: Angeblich musste intern noch geklärt werden, wie viele Autos tatsächlich betroffen sind und ob beispielsweise auch in die USA geliefert wurde, wo Audi nach einem Vergleich mit den Behörden unter besonderer Beobachtung steht.

Doch am Tag vor der Hauptversammlung glitt Audi die Deutungshoheit aus den Händen. Nach ersten Presseberichten musste Audi den Verkaufsstopp von Audi A6 und A7-Modellen mit Dreiliter-Dieselmotoren bestätigen. In einem Schreiben an seine Händler spricht der Konzern von einer „erforderlichen Anpassung bestimmter Emissionsstrategien“.

„Das ist der vorläufige Höhepunkt, das tut weh, auch uns“, sagt Helmut Kroll von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Nach drei Jahren Dieselkrise werde es Zeit, dass endlich ein Schlussstrich gezogen werde. „Wie kann es sein, dass so etwas einen Tag vor der Hauptversammlung ans Licht kommt?“, fragt Andreas Preis von der Schutzvereinigung für Wertpapiere. „Wenn Sie nicht aufarbeiten, dann geht das ewig so weiter“.

Preis wirft vor allem dem Aufsichtsrat vor, versagt zu haben. Er stößt sich vor allem an der Besetzung des Kontrollgremiums, die ausschließlich von der Konzernmutter in Wolfsburg vorgenommen wir. Vorbehalte hat Preis vor allem gegen Hans Dieter Pötsch und Herbert Diess, gegen die Ermittlungsverfahren wegen Marktmanipulation laufen. „Ich kann doch verstehen, wenn Herr Pötsch hier mit seinen alten Kumpeln sitzen will, aber das macht doch keinen Sinn!“ ruft der Aktionärsschützer.

Die Aussprache ging bis in den Nachmittag. Die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates gilt als sicher: Volkswagen kontrolliert 99,55 Prozent der Stimmrechte.

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