Nach Insolvenz Staatshilfen für MV Werften wurden bislang offenbar nicht ausgezahlt

Die Werften-Gruppe hat beim Amtsgericht Schwerin den Insolvenzantrag eingereicht. Quelle: dpa

Ein Sanierungsexperte soll die MV Werften durch die Insolvenz führen. Zuletzt war die Finanzierung immer wieder gescheitert, trotz zugesagter Staatshilfen. Der Schaden für den Steuerzahler scheint begrenzt zu sein.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Das Amtsgericht Schwerin hat das Insolvenzverfahren über Teile der angeschlagenen MV Werften eröffnet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter für vier der acht Gesellschaften sei der Rechtsanwalt Christoph Morgen berufen worden, teilte ein Gerichtssprecher am Mittwoch mit. Die WirtschaftsWoche hatte als erstes über die Entscheidung berichtet. Christoph Morgen ist Sanierungsexperte der Kanzlei Bringmann & Partner. Eine Entscheidung über einen Verwalter für vier weitere Gesellschaften stehe noch aus.

Der potenzielle Schaden für den Steuerzahler nach der Pleite des Schiffbauers MV Werften scheint begrenzt zu sein. Die im vergangenen Jahr zugesagten Hilfen aus dem Corona-Rettungsfonds WSF in Höhe von rund 300 Millionen Euro seien bislang nicht ausgezahlt worden, sagten Insider am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Der neue Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) soll am Mittwoch im Haushaltsausschuss zu dem Fall befragt werden.

Eine Sprecherin des Ministeriums bekräftigte auf Anfrage, der Bund habe zur angedachten Rettung des Unternehmens 600 Millionen Euro als zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen wollen, damit das Kreuzfahrtschiff „Global 1“ fertiggebaut werden könnte. Früheren Angaben des Bunds zufolge wollte der MV-Eigentümer aus Hongkong, die Genting-Gruppe, aber keinen eigenen Beitrag leisten, weswegen die Rettung scheiterte, die nun knapp 2000 Arbeitsplätze im strukturschwachen Nordosten gefährdet. Genting wiederum gab dem Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern die Schuld für den Liquiditätsengpass. Sie enthielten dem Unternehmen insgesamt 336 Millionen Dollar vor, die ihm eigentlich zustünden, so das Unternehmen.

Die MV Werften mit Standorten in Rostock, Wismar und Stralsund sowie der Lloyd Werft in Bremerhaven und weiteren Tochtergesellschaften hatte zu Wochenbeginn Insolvenz angemeldet. Die MV Werften gehören seit 2016 dem börsennotierten Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting, der wegen der Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Hinter dem verzweigten Konzern steht der malaysische Milliardär Lim Kok Thay.

Mehr: Wer jetzt bei MV Werften das Sagen hat

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%