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Nach Sparplan-Ablehnung GM lässt Bochumer Opel-Betriebsrat auflaufen

Nachdem die Sparpläne abgelehnt wurden, ist die Ansage aus Detroit klar: Keine Verhandlungen. Damit dürfte das Opel-Werk in Bochum schon 2014 geschlossen werden. Der Betriebsrat will weiter kämpfen.

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Prinzip Hoffnung: Die Belegschaft will weiter für den Fortbestand des Opel-Werks Bochum kämpfen. Quelle: Reuters

Hamburg Die Bochumer Opelaner haben sich womöglich verzockt: Mit ihrer Ablehnung des Sanierungsplans wollte die Belegschaft weitere Verhandlungen mit General Motors erzwingen. Das Management des Autokonzerns aus Detroit blieb jedoch hart und ließ am Freitag über seine Rüsselsheimer Tochter Opel mitteilen, die Autofabrik im Ruhrgebiet mit 3365 Beschäftigten werde bereits Ende 2014 dichtgemacht - zwei Jahre früher als im neuen Tarifvertrag in Aussicht gestellt. Der gilt nach dem Nein von Bochum jedoch nur für die anderen Opel-Werke. "Es wird keine weiteren Verhandlungen geben", betonte ein Unternehmenssprecher.

Damit liefen Versuche des Bochumer Betriebsrats ins Leere, der auf ein Umdenken bei dem US-Konzern hoffte: "Ich setze darauf, dass sich die vernünftigen Kräfte bei General Motors durchsetzen", sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel der Nachrichtenagentur Reuters. Er argumentierte damit, die Schließung der Fabrik würde eine Milliarde Euro verschlingen und das ohnehin angekratzte Ansehen von Opel weiter beschädigen.

Die Belegschaft der 50 Jahre alten Fabrik in der strukturschwachen Region hatte den zwischen Management und IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan am Donnerstag mit großer Mehrheit abgelehnt. Dadurch kam es zu einer Spaltung, denn die Beschäftigten an den Opel-Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen haben den Kompromiss angenommen. Im Werk Eisenach sollen die Gewerkschaftsmitglieder am Dienstag über den Sanierungsplan abstimmen. Auch dort wird eine Zustimmung zu dem Konzept des Managements erwartet.

Der IG-Metall-Vorstand in Frankfurt wird dem Tarifvertrag mit Opel am Mittwoch voraussichtlich zustimmen. Damit stünden die Bochumer auf verlorenen Posten. Die Situation ist für die größte deutsche Gewerkschaft nicht ohne Risiko, da sie am Beginn von Tarifverhandlungen für die 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie steht. Ein ständiger Brandherd in Bochum könnte die öffentliche Aufmerksamkeit von den wichtigen Lohngesprächen ablenken und die IG Metall zudem Unterstützung kosten, glauben Gewerkschafter.

Ppel muss zudem befürchten, erneut mit Werksschließungen in Verbindung gebracht zu werden, worunter der Ruf des Autobauers weiter leidet. Dies ist neben der Absatzkrise in Südeuropa ein Grund, warum die Marke mit dem Blitz seit Monaten verblasst - in der EU sank der Marktanteil zuletzt auf einen Tiefstand von 6,1 Prozent.


Falken im Aufwind


Der anhaltende Streit um Bochum könnte zudem "Falken" bei GM Auftrieb geben, die eine Schließung des Werks lieber heute als morgen wollen. Hardlinern im Vorstand ist es Unternehmenskreisen zufolge schon länger ein Dorn im Auge, dass der Rivale Ford in Europa drei Werke schließt, während sich die Verhandlungen bei Opel über viele Monate hinziehen. Ford hatte sich vor wenigen Tagen mit den Gewerkschaften in Belgien über Abfindungen für die 4000 Beschäftigten im Werk in Genk geeinigt, das Ende 2014 geschlossen werden soll.

Einenkel spekuliert dennoch darauf, dass General Motors die Produktion des Familienwagens Zafira nicht wie angedroht bereits Ende 2014 einstellt, sondern noch zwei Jahre länger in Bochum vom Band laufen lässt. "Man stellt nicht einfach eine Modellreihe ein und lässt sich Zeit, bis das neue Modell auf den Markt kommt", erläuterte Einenkel. "Dann brechen die Käufer weg." Der neue Zafira soll 2017 kommen. Die Investitionen für eine frühere Verlagerung der Produktion an einen anderen Standort wären hoch. "Das wird sich GM zweimal überlegen", schätzte der Bochumer Betriebsratschef.

Zugleich entfallen für GM aber hohe Kosten, weil das Werk früher schließt und der Konzern nicht in teure Ersatzarbeitsplätze investieren muss. Der Kompromiss hatte vorgesehen, die Fahrzeugfertigung erst Ende 2016 zu schließen und 1200 der mehr als 3000 Arbeitsplätze im Lager und einer Komponentenfertigung zu erhalten. Die Zusagen waren dem Betriebsrat jedoch zu unverbindlich.

Einenkel sagte, mit der Unterschrift unter den Tarifvertrag hätte Bochum einem Sterben auf Raten zugestimmt. "Die Alternative wäre gewesen, dass wir noch ein paar Tage länger hätten produzieren können - mit einer schrumpfenden Belegschaft". Bereits ab dem zweiten Quartal soll die Fahrzeugproduktion in Bochum von einem Drei- auf Zweischichtbetrieb umgestellt werden. Dadurch fallen 700 Arbeitsplätze weg. Eine Transfergesellschaft sollte eingerichtet werden, um ehemaligen Opelanern in der Region mit hoher Arbeitslosigkeit eine Perspektive zu geben. Auch diese Zusage von GM dürfte nun hinfällig sein.

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