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Nach US-Ermittlungen Fiat Chrysler soll Diesel-Ausstieg planen

Nach Volvo will nun offenbar auch Fiat Chrysler bis 2022 aus dem Diesel aussteigen. Der Autobauer hofft, damit eine Strafe in den USA abzuwenden.

US-Ermittler zweifeln die Emissionswerte der Dieselmotoren von Jeep an. Quelle: Bloomberg

DüsseldorfDer Diesel scheint nun auch beim italienisch-amerikanischen Autokonzern FCA (Fiat Chrysler) zum Auslaufmodell zu werden. Am 1. Juni will der Konzern seine Strategie für die nächsten vier Jahre präsentieren. Spätestens dann soll der Ausstieg aus dem Diesel offiziell beschlossen werden, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Insider.

Bis 2022 könnte FCA den Diesel aus nahezu der kompletten Modellpalette verbannen, berichtet die Zeitung. Nur Pickup-Modelle wie der der RAM 1500 könnten künftig noch mit Selbstzünder verkauft werden.

Der Konzern äußerte sich bisher nicht zu dem Bericht. Strategisch betrachtet wäre ein solcher Schritt wohl eine Flucht nach vorne. Denn die Dieselmodelle des Konzerns lieferten den Behörden weltweit Anlass für Ermittlungen. Anfang Februar schickten Berichte aus den USA die Aktie auf Talfahrt. Das US-Justizministerium hatte Fiat einen Kompromiss wegen mutmaßlich gefälschter Emissionsdaten vorgeschlagen.

Im Zentrum der US-Ermittlungen steht ausgerechnet der Goldesel des Konzerns, der Jeep Grand Cherokee. 104.000 Autos, die zwischen 2014 und 2016 gebaut wurden, müssten zurück in die Werkstatt. Außerdem drohten die US-Behörden mit einer „substanziellen zivilen Strafe“. Wird der Ausstieg wie angekündigt umgesetzt, wäre es vor allem ein Zeichen des guten Willens an die US-Behörden.

Dabei hat FCA auch in Europa Probleme mit dem Diesel. In Deutschland fielen die Diesel von Fiat-Chrysler in den Nachprüfungen des Kraftfahrtbundesamtes durch. Der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt erhob sogar den Verdacht, auch Fiat könnte – wie Volkswagen – eine illegale Abschalteinrichtung verbaut haben. Es folgte ein monatelanger Streit zwischen deutschen und italienischen Behörden, der schließlich von der europäischen Kommission geschlichtet werden musste.

Auch wenn den Italienern bisher kein illegales Handeln nachgewiesen werden konnte, stehen die Dieselmodelle von FCA längst im Zwielicht.

Dabei hat der Diesel für Fiat Chrysler durchaus noch Relevanz. In Deutschland haben Konzernmarken wie Jeep und Maserati einen Dieselanteil von über 60 Prozent an den Verkäufen, bei der Kernmarke fällt der Anteil mit 45,4 Prozent ebenfalls relativ hoch aus. Und auch im FCA-Heimatmarkt Italien liegt der Anteil des Diesels in den Verkäufen noch deutlich höher als in anderen Weltregionen.

Global hat sich die Krise des Antriebs in den vergangenen Monaten dagegen zugespitzt. In den USA hat der Diesel ohnehin wenig Relevanz. In Europa fielen die Diesel-Zulassungen nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Jato Dynamics allein im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 43,8 Prozent. Die Kosten, einen Diesel zu entwickeln, seien dagegen um 20 Prozent gestiegen, schätzen die Marktforscher – vor allem wegen der strengeren Abgasvorschriften.

Fiat Chrysler steckt daher in einem strategischen Dilemma. Bisher konnten die Italiener ihren CO2-Ausstoß durch den Diesel senken. Künftig könnten Investments in alternative Antriebe sich als das effektivere Investment erweisen. Denn beim Thema CO2 hat der Konzern dringenden Nachholbedarf. Mit einem Flottenschnitt von 135,1 Gramm CO2 sind sie der klimaschädlichste Volumenhersteller in Europa.

Bleibt es dabei, droht eine empfindliche Strafe der EU. Denn nach europäischen Abgasvorschriften muss der Schnitt bis 2021 auf 95 Gramm sinken. Ansonsten droht eine Strafe von 95 Euro pro Auto und Gramm. Für Fiat käme nach dem aktuellen Stand eine Milliardenstrafe zustande. Wie die Italiener diese Lücke ohne den Diesel schließen wollen, ist allerdings nicht bekannt.

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