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Neue E-Automarke Lvchi setzt auf italienisches Design und chinesische Millionen

Der chinesische Autobauer Lvchi arbeitet mit italienischen Traditionsunternehmen an einem 1000-PS-Elektrolimousine – und hat in Italien große Pläne.

Bilder gibt es noch nicht von der Elektro-Limousine – sie soll erst auf dem Autosalon in Genf enthüllt werden. Quelle: PR

 

„Venere“, zu deutsch Venus, soll ein Auto der Superlative werden: Eine Luxuslimousine mit den Dimensionen eines Porsche Panamera, fünf Meter lang, 2,1 Tonnen schwer – und doch viel leistungsfähiger: Das Elektro-Auto soll in drei Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen und von einem bis zu 1000 PS starken Motor angetrieben werden. Trotz der gewaltigen Leistung soll die Lithiumbatterie eine Reichweite von bis zu 650 Kilometern haben.

Vorgestellt hat das Supercar die 2016 in Shanghai gegründete E-Automarke Lvchi (ausgesprochen Lütschi). Der Preis soll „zwischen 200.000 und 300.000 Euro“ kosten, sagte Lvchi-CEO Xiangyin Wang bei der ersten Vorstellung des Autos in Mailand. Allein: Ein Bild der Luxuslimousine gibt es noch nicht – der Wagen soll erst beim Genfer Autosalon enthüllt werden.

Lvchi ist nicht die einzige chinesische E-Automarke, die mit spektakulären Prototypen auf den Markt drängt. Die chinesische Regierung fördert  Elektro-Autos gezielt und immer mehr chinesische Unternehmen wollen nun auch international vertreten sein.

So stellte auf der CES in Las Vegas der chinesische FMC-Konzern vor kurzem den Elektro-SUV „Byton“ vor. Neben der extremen Motorisierung erregte besonders das futuristische Cockpit Aufmerksamkeit, bei dem die klassischen Tachos durch ein Display über die gesamte breite des Innenraums ersetzt wurden. Auch die E-Auto-Marke Nio präsentierte kürzlich einen Elektro-SUV. Doch ein Serienauto hat noch keine der drei Firmen im Angebot.

Sie alle eint jedoch: Sie kombinieren europäisches Know-How mit chinesischer Finanzkraft. Bei Byton arbeitet der ehemalige BMW-Manager Carsten Breitfeld als Entwicklungschef. Nio hat sein Entwicklungszentrum in München angesiedelt. Und Lvchi kooperiert mit dem italienischen „Institut für Autodesign und Ingenieurswesen“ I.De.A. Das Unternehmen wurde vor 40 Jahren gegründet – unter anderem vom Stararchitekt Renzo Piano. I.De.A (abgekürzt für Institute of Development in Automotive Engineering) hat 120 Mitarbeiter und ist der letzte unabhängige der legendären italienischen Autodesigner nach der Pleite von Bertone, dem Verkauf von Pinifarina nach Indien und der Übernahme von Italdesign durch den VW-Konzern.  

Investitionen von 100 Millionen Euro sollen in den nächsten zwei Jahren in die Gegend von Turin fließen, verspricht Lvchi-Chef Wang. Ab 2019 soll dort die E-Limousine „Venere“ gebaut werden. Die Elektro-Limousine ist eine Premiere für eine italienisch-chinesische Zusammenarbeit.

Beim Genfer Salon werde man „ein echtes Modell,  kein virtuelles Video“ vorstellen, sagt Domenico Morali, Präsident und CEO von I.De.A. Seit acht Monaten laufe die Entwicklung. „Der Wagen ist elegant, aber nicht arrogant, eben italienisches Design“, verspricht er. Technisch herausragend und neu sei ein Gestell aus Karbonfiber, also eine Kohlenstoffkarosse. Gebaut werden sollen nicht mehr als 250 bis 500 Autos pro Jahr, das Marktsegment sei die große Luxusklasse. „Ein solches E-Auto dort gibt es heute nicht“, so Morali.

Doch dabei soll es nicht bleiben: Auch ein kleines Citycar, ein E-Auto mit zwei oder vier Sitzen, wollen Italiener und Chinesen zusammen entwickeln. Der sei ebenfalls für 2019 geplant, erklärt Morali.

Lvchi-Chef Wang träumt vom Erfolg und schwärmt von italienischem Design und Ingenieurskunst. Es sei schwierig, mit einem chinesischen Auto auf den europäischen Markt zu kommen, räumt er ein. Die Unternehmen Lvchi und I.DE.A würden aber gut zusammen passen. Die Italiener seien wichtig für das Design und die Entwicklung. Der Venere werde „ein Auto mit italienischen Genen und der Macht der Eleganz“. 

Hinter dem Namen Lvchi steht ein 2016 in Shanghai gegründetes Unternehmen, hervorgegangen und finanziert von der Finanzholding  ZNDD. „Wir sind finanziell unabhängig“, sagt Wang. 440 Mitarbeiter, viele mit Auslandserfahrung, arbeiten im E-Business-Park von Huaxin in Shanghai , die meisten in der Abteilung  Forschung und Entwicklung. „Wir glauben, dass wir ein bedeutender Player auf dem Markt der Elektroautors werden können. Venere ist nur der Anfang“, so Wang. Bis jetzt seien rund 600 Millionen Euro in die Entwicklung von Lvchi gesteckt worden.

Bis 2019 wolle man eine Produktionskapazität von 100.000 Autos erreichen und bis 2023 von 550.000 Autos. „Eine Produktionsstätte in Italien, zwei Plattformen und zwei Marken: Eine für den internationalen Markt und einer für China“, stellt Wang in Aussicht. Und noch ein italienisches Traditionsunternehmen der europäisch-asiatischen Kooperation: Für chinesische an Bord: Für innovative Reifen, sagt Morali, arbeite man mit Pirelli zusammen.

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