Neue IG-Metall-Spitze Chefwechsel bei der Gewerkschaft

Nach nur zwei Jahren an der Spitze der IG-Metall tritt Detlef Wetzel wieder ab. Als Nachfolger schlägt er wie erwartet Vize Hofmann vor. Doch an dessen Seite soll erstmals eine Frau in die Gewerkschaftsspitze rücken.

Der aktuelle Vorsitzende der IG-Metall, Detlev Wetzel (rechts) mit seinem Vize und Nachfolger Jörg Hofmann auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Bei der IG Metall bahnt sich eine historische Personalentscheidung an. Erstmals in der 66 Jahre währenden Geschichte der größten deutschen Einzelgewerkschaft soll in diesem Herbst eine Frau mit an die Spitze rücken, die 47 Jahre alte Soziologin Christiane Benner. Gemeinsam mit dem designierten Ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann könnte sie als Zweite Vorsitzende den „Männerladen“ IG Metall führen, wenn der Personalvorschlag des scheidenden Chefs Detlef Wetzel im Oktober durchkommt.

Zu den ungeschriebenen Gesetzen der mächtigsten deutschen Gewerkschaft gehört, dass stets der Vize zum Nachfolger des scheidenden Chefs wird, wenn er denn will. So ist es auch aktuell beim geplanten Wechsel von Wetzel zu Hofmann, zu dem hinter den Kulissen kein Gegrummel zu hören ist.

An dem Grundsatz wurde noch nicht einmal gerüttelt, als 2003 ein nennenswerter Teil der Gewerkschaft den polarisierenden Vize Jürgen Peters unbedingt als Chef verhindern wollte. Der als Gegenkandidat aufgebaute Berthold Huber verzichtete jedoch auf eine Kampfkandidatur und kam so erst vier Jahre später zum Zug.

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Das bedeutet, dass Benner bei dem frühestens in vier Jahren anstehenden Abgang des dann 63 Jahre alten Hofmann zur ersten Chefin der IG Metall gekürt werden könnte. Eine Ablehnung des ersten Schritts durch die knapp 500 Delegierten des Gewerkschaftstages am 20. Oktober in Frankfurt ist eher nicht zu erwarten. Selbst in den Zeiten schärfster interner Richtungskämpfe stimmten die Delegierten letztlich dem jeweiligen Vorstandsvorschlag zu, wenn auch mit deutlich schwankenden Mehrheiten. Das schwächste Ergebnis fuhr der umstrittene Peters mit nur 66 Prozent ein.

Das zweitschlechteste Ergebnis der Geschichte hat das Duo Wetzel/Hofmann vor knapp zwei Jahren erhalten. Knapp über 75 Prozent Zustimmung sind nach den Maßstäben der zentralistisch geführten Gewerkschaft eine kräftige Ohrfeige, mutmaßlich ausgeteilt von den Verlierern der internen Organisationsmodernisierung. Die Pragmatiker Wetzel, Huber und Hofmann haben den Laden umgekrempelt und Arbeitskräfte in die Fläche geschickt.

Statt endloser Ideologie-Diskussionen standen auf einmal die Betriebe und die Werbung neuer Mitglieder im Mittelpunkt der gewerkschaftlichen Arbeit. Die IG Metall öffnete sich mit zielgerichteten Kampagnen für neue Zielgruppen: Ingenieure und Leiharbeiter, Jugendliche, Angestellte und Frauen unterschrieben die Mitgliedsanträge. Hier liegen auch die Stärken Benners, die sich zudem um zukunftsträchtige Themen wie IT und die Perspektiven digitaler Arbeit kümmert.

Die (neuen) Köpfe der IG-Metall

Mit 2,27 Millionen Mitgliedern ist die IG Metall die größte Einzelgewerkschaft in Deutschland. Sie organisiert vor allem Beschäftigte in der exportstarken Metall- und Elektroindustrie, ist nach mehreren Gewerkschaftsfusionen aber auch für Textilarbeiter, Solar-Ingenieure oder Holzfachkräfte zuständig. Ihre Machtbasis besitzt die seit vier Jahren wieder leicht wachsende IG Metall in Großbetrieben der Industriezweige Auto, Maschinenbau, Elektro und Metallverarbeitung. Die bundesweit größte Verwaltungsstelle mit mehr als 80.000 Mitgliedern hat sie in der VW-Stadt Wolfsburg. Im vergangenen Jahr hat die Gewerkschaft mehr als eine halbe Milliarde Euro Beiträge eingenommen und verfügt über ein milliardenschweres Vermögen.

Wegen des Branchen-Mixes sind immer noch nur rund 18 Prozent der Mitglieder in der seit vier Jahren wieder wachsenden Gewerkschaft Frauen, doch in ihren Gremien müht sich die IG Metall. Auf dem vergangenen Gewerkschaftstag waren 27 Prozent der knapp 500 Delegierten weiblich und im geschäftsführenden Vorstand beträgt der Anteil sogar knapp 29 Prozent. Neben Christiane Benner ist in dem siebenköpfigen Gremium noch die Bildungsexpertin Irene Schulz vertreten. Das soll nach Wetzels Vorschlag auch so bleiben.

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