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Neuer Deal mit Emirates Warum das A380-Ende eine gute Seite hat

Quelle: dpa

Der A380 sollte die Luftfahrt revolutionieren. Nun hat Airbus das Ende des weltgrößten Passagierjets besiegelt. Doch ein Ersatzdeal mit der Fluggesellschaft Emirates gibt Grund zur Hoffnung.

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Tom Enders wolle den Konzern „besenrein übergeben“, hatten Airbusmitarbeiter noch Mitte der Woche im Gespräch mit der WirtschaftsWoche gelobt – und damit vor allem die vergleichsweise aufgeräumte Finanzlage des Konzerns gemeint. Nun macht der scheidende Airbus-Chef aber noch an anderer Stelle Klarschiff.

Vor seiner letzten Jahresbilanz lässt Enders das endgültige Ende eines großen Sorgenkindes verkünden: Airbus stellt die Produktion des A380 ein. Die letzte Auslieferung des Luftgiganten sei für 2021 geplant, teilte der Konzern am Donnerstag in Toulouse mit.

„Die heutige Ankündigung ist schmerzlich für uns“, sagt Enders. Am Ende blieb ihm wohl kaum eine andere Wahl. Die größte Kundin des A380, die arabische Fluggesellschaft Emirates, habe ihre Bestellung um 39 Maschinen reduziert – von 162 auf 123. Auch bei anderen Airlines sei der Auftragsbestand mangelhaft. „Eine der letzten verbliebenen Orders von der Leasingfirma Amadeo wird noch in diesem Monat ebenfalls gekündigt“, so ein Insider. Daher gebe es nun keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Produktion.

Der doppelstöckige Passagierjet hat Airbus schon länger große Bauchschmerzen bereitet. In den vergangenen Jahren hatte kaum noch eine Fluglinie ein Modell geordert. Airbus drohten die Bestellungen auszugehen. Der Konzern fuhr die Jahresproduktion zuletzt von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurück.
Es ist das Ende eines Leuchtturmprojekts für Airbus – und zumindest der vorläufige Abschied von der Gigantomanie in der Luftfahrt: Der A380, immerhin der größte Passagierjet der Welt, hat je nach Ausstattung bis zu 853 Sitze, eine Reichweite von 15.200 Kilometern und ist gut 72 Meter lang. Seine Flügelspannweite liegt bei knapp 80 Metern. Für den Luftkoloss bekamen zahlreiche Flughäfen neue Terminals.

Das Problem: Vielen Airlines ist der Flieger zu groß und verbraucht zu viel Treibstoff – das ist wirtschaftlich nicht rentabel, besonders wenn der Riesenjet nicht voll besetzt ist. Andere Flugzeuge bei Airbus sind hingegen sehr beliebt. Die kleineren Maschinen der A320-Familie gelten als Kassenschlager.

Der bessere Emirates-Deal

So bitter das Ende für Airbus auch ist. Es war nur eine Frage der Zeit und kommt nun eben ein paar Jahre früher als erwartet.

Dafür enthält die Einigung mit Emirates eine sehr positive Seite. Denn im Gegenzug für die Reduzierung hat die Linie aus Dubai hat 70 Langstreckenflieger – 40 vom Typ A330 sowie 30 A350 – in Auftrag gegeben. Die haben einen höheren finanziellen Wert für Airbus. Denn die neuen Jets werden laut Insidern mit einem geringeren Rabatt verkauft als die A380, die sie ersetzen.

Sie sind zudem ein wichtiger Sieg im Zweikampf mit Boeing. Mit den 40 Fliegern von Emirates bekommt der bislang eher schleppend georderte A330neo einen wichtigen Schub. Damit zerstreuen sich die Pläne von Boeing, die Maschine aus dem Markt zu halten. Das hatte der Konkurrent lange Zeit recht erfolgreich getan, indem sie Airbus laut Berichten von Experten bei Ausschreibungen mit extremen Kampfpreisen unterboten haben.

Zweiter Erfolg ist die Bestellung des A350. Den hatte Emirates eigentlich schon früher mal so gut wie bestellt, entschied sich dann aber doch für das Konkurrenzprodukt Dreamliner. Die Bestellung jetzt ist ein starker Rückenwind für das Programm. Der neue Auftrag lastet die Fertigung gut aus. Das wiederum könnte dazu führen, dass bislang noch unschlüssige Kunden nun bestellen, damit sie noch die Chance haben, in absehbarer Zeit einen Flieger zu bekommen.

Aber die Order hat nicht nur Bedeutung für die Bestellzahlen von Airbus, sondern auch für das Luftfahrtgeschäft per se. Die Bestellungen zeigen eine Art Strategiewechsel bei Emirates - und der dürfte aus zwei Gründen vor allem der Lufthansa nicht gefallen.

Das Modell Emirates fußte bisher darauf, dank des A380 möglichst viele Menschen mit einem Umsteiger in der Wüste zwischen den großen Flughäfen zu bewegen. Doch das rentierte sich zuletzt immer weniger. „Unsere Durchschnittserträge pro Flug waren am Ende oft niedriger als auf kleineren Jets“, gab kürzlich ein Insider des Unternehmens zu. Auch deshalb hatte die Aline zuletzt schlechter Zahlen geschrieben.

Das soll künftig anders werden. Weil die A330 und A350 deutlich weniger Plätze haben, muss Emirates sie nicht mehr zu Kampfpreisen füllen. Stattdessen kann das Unternehmen sich mehr auf Geschäftsreisende und gut zahlende Urlauber konzentrieren, statt auf Billigtouristen und Rucksackurlauber. Diese Klientel bekommt mit den kleineren Fliegern ein besseres Produkt. Weil das Ein- und Aussteigen bei den kleineren Jets schneller geht, kann Emirates nun kürzere Reisezeiten anbieten.

Dazu erlauben die kleineren Maschinen Emirates, mehr Städte anzufliegen – vor allem in den Wachstumsmärkten Asiens: China und Indien. Dort bekamen sie ihre bisherigen Standardjets wie den A380 oder die Boeing 777 mit mehr als 400 Plätzen auch mit Schnäppchenpreisen nicht voll.

Mit einem seiner letzten großen Deals räumt Tom Enders also nicht nur etwas mehr bei Airbus auf – er verändert auch die Luftfahrt ein Stück.

Steter Sinkflug statt steiler Aufstieg
Mitarbeiter bauen am 19.04.2005 in Toulouse (Frankreich) auf dem Airbus-Werksgelände in der Endfertigungshalle an einem Flügel für ein Airbus A380-Flugzeug. Quelle: dpa
2007 erster Flug des A380 Quelle: REUTERS
Ex-CEO von Airbus Gustav Humbert Quelle: dpa/dpaweb
Innenraum eines A380 Quelle: REUTERS
Singapore Airlines A380 Quelle: REUTERS
Trainingstriebwerk Rolls-Royce Quelle: dpa
A380 in der Luft Quelle: AP

Mit Material von dpa

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