WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Neuer Sipri-Bericht Die Pseudo-Trendwende bei Rüstungsausgaben

Die Meldung über weltweit sinkende Ausgaben für Waffen verwirrt. Zu viele Rüstungsetats sind nur geschätzt. Dazu gibt vor allem der Westen sein Geld vor allem anders aus.

Die Meldungen über weltweit sinkende Militärausgaben sind verwirrend. Zwar sind die Rüstungsetats insgesamt gesunken, allerdings ist dies nicht unbedingt ein Zeichen von Abrüstung. Quelle: dpa

Das schwedische Friedensforschungsinstituts Sipri erfreut Friedensfreunde in diesem Jahr mit seinen Mitteilungen. Die Stockholmer haben nun schon zum zweiten Mal gemeldet, dass weltweit weniger Geld in Waffen fließt. Eine schöne Nachricht möchte man meinen, gut 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs kommt nun endlich die Friedensdividende.

Leider ist das ein wenig verfrüht. Sicher sinken in den wichtigsten Nato-Staaten wie den USA oder Deutschland sowie Australien und Japan sind die Ausgaben für das Militär im vergangenen und auch im Zehnjahresvergleich gesunken. Doch der positive Eindruck täuscht.

China holt im weltweiten Waffenhandel auf
Ein Panzer bei einer Militär-Parade in Venezuela Quelle: dapd
Menschen hängen eine algerische Flagge auf Quelle: REUTERS
Die deutsche Fregatte "Hessen" Quelle: dpa/dpaweb
 Die griechische Fregatte Salamis und zwei kleinere Marine-Schnellboote Quelle: dpa/dpaweb
Drei F/A-18 Kampfflugzeuge Quelle: REUTERS
Ein Soldat schaut durch das Zielkreuz eines Maschinengwehrs Quelle: dpa/dpaweb
Ein chinesisches U-Boot taucht ab Quelle: dapd

Zum einen waren die Ausgaben im Jahr 2012 immer noch höher als am Ende des Kalten Kriegs Anfang der 90er Jahre. In den USA sind die Etats immerhin sogar noch fast 70 Prozent größer als im Jahr 2001.

Dazu machen die Mehrausgaben Schwellenländer wie Russland und China sowie die Staaten im arabischen Raum oder Mittelamerika einen großen Teil des Rückgangs in den westlichen Industrieländern wett. Länder wie Russland oder Saudi-Arabien verdienen alle dank wirtschaftlichem Wachstum und dem Boom der Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren mehr Steuern und stecken das Geld nicht nur in bessere Straßen, Internet für alle oder mehr Bildung, sondern eben auch in Statussymbole wie Panzer und Kampfflieger.

Dabei ist nicht wirklich klar, ob dadurch die Rüstungsausgaben unterm Strich weltweit sinken. Denn gerade bei China und Russland, den Trägern der Silber und Bronze-Medaille im weltweiten Wettbewerb um den höchsten Militäretat, beruhen die Ausgaben auf Schätzungen. Selbst in Deutschland und Italien haben die schwedischen Forscher die offiziellen Zahlen durch ihren gesunden Menschenverstand nach oben angepasst.

Denn bei den staatlichen Angaben ist nicht nur, aber gerade bei China ist Vorsicht geboten. Denn mit geschätzt 166 Milliarden Dollar ist der Rüstungsanteil an der Wertschöpfung des Landes mit zwei Prozent nicht mal halb so hoch wie der Russlands oder der USA. Zudem hätte China seit 2003 sogar relativ weniger Geld in Richtung Armee geschickt. Das passt letztlich nicht so ganz zum vorsichtig ausgedrückt selbstbewussten Auftreten des Landes. Ob Indien, Vietnam oder Japan: China hat mit praktisch allen Nachbarländern Grenzkonflikte hat und vertritt dort eher offensive Positionen. Dazu versteht es kaum ein Land so gut wie China Ausgaben für seine Streitkräfte in anderen Haushalten zu verstecken.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%