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Nike, Salomon & Co. Warum Adidas beim Sportschuh innovativer ist

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Schuhe vom Buffet

Und weil alle großen Markenanbieter ihre Treter bislang in denselben Fabriken in China und Vietnam herstellen lassen, unterscheiden sich die Produkte nur wenig voneinander. „Bis jetzt mussten wir uns in der Fabrik quasi wie an einem Buffet unseren Schuh zusammenstellen wie alle anderen auch“, sagt Olivier Bernhard, Gründer der Schweizer Laufschuhmarke On. Und auch Gerd Manz, der sich bei Adidas um technologische Innovationen kümmert, gibt zu: „Wir kochen alle mit denselben Zutaten.“

Doch das soll jetzt alles anders werden, Einheitsbrei gegen Individualität getauscht werden. Deshalb arbeiten die großen Sportmarken weltweit mit immer mehr Partnern aus anderen Industrien zusammen und testen unkonventionelle Produktions- und Logistikmethoden aus. Nike hat sich etwa mit dem Produktionsdienstleister Flex zusammengetan, um die Fertigungsgeschwindigkeit zu verdoppeln. Flex ist eine Art Generalanbieter und in der Hightechbranche beliebt. Unter anderem die Spielekonsole XBox 360 für Microsoft wird von Flex zusammengebaut. Der zuletzt schwächelnde Herausforderer Under Armour lässt neuerdings am Stammsitz in Baltimore im 3000 Quadratmeter großen Forschungslabor Lighthouse nach neuen Technologien fahnden, als sei er Raumfahrtpionier. Das Traditionsunternehmen New Balance aus Boston wiederum hat sich mit dem 3-D-Spezialisten Formlabs verbündet. Auch hier kommen Sohlen nun aus dem Drucker.

Im Rennen um Novitäten sieht Branchenexperte Mahrer allerdings Adidas vorn: „Der deutsche Hersteller ist bei vielen Dingen der Konkurrenz voraus. Und sie haben offenbar noch einiges mehr in der Pipeline.“ Die Franken sieht Mahrer sogar vor Nike als Innovationsführer – was sich an der spektakulären Aufholjagd der Deutschen auf dem Nike-Heimatmarkt USA ablesen lässt. Ausgerechnet das jüngste Spitzenmodell, der 190 Euro teure Nike VaporMax, an dessen Sohle der US-Konzern nach eigenen Angaben sieben Jahre lang arbeitete, kommt wohl nicht so gut an wie gehofft. Ende 2017 wurde er in den USA bereits mit Preisnachlässen angeboten.

Groß angelegte PR-Stunts wie im vergangenen Frühjahr der Versuch, mit kenianischen Athleten den Marathon-Weltrekord auf unter zwei Stunden zu drücken, verpufften. Selbst ein ehemaliger Nike-Manager räumt hinter vorgehaltener Hand ein, dass die Deutschen in Sachen Einfallsreichtum vorbeigezogen sind.

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    Adidas profitiert ausgerechnet von den Erfahrungen, die der Konzern in seinem Katastrophenjahr 2014 machen musste. Damals hatte der Konzern mehrere Gewinnwarnungen ausgegeben. Als Konsequenz baute der damalige Chef Herbert Hainer die Organisation komplett um und holte neue Manager wie Marketingchef Eric Liedtke in den Vorstand. Mit Liedtke kehrten Tempo und eine lange nicht gekannte Aggressivität zurück. Der Amerikaner setzte nach 15 Jahren mit Paul Gaudio wieder einen weltweiten Kreativchef bei Adidas ein und warb dem Rivalen Nike kurzerhand drei wichtige Designer ab. Und es war Liedtke, der Carnes zum Strategiechef machte – und der mit dafür sorgte, Produktions- und Innovationsprozesse umzukrempeln. Seither gelingt es Adidas immer besser, neue Materialien mit neuen Fertigungsmethoden zu kombinieren.

    Drei Stockwerke über dem Entwicklungslabor springt Strategiechef Carnes aus dem Sessel und zieht ein Hosenbein seiner schwarzen Jeans hoch. Der frühere Designer trägt den Ultra Boost All Terrain, einen dunkelgrauen, knöchelhohen Laufschuh mit styroporartiger Sohle: „In dem Schuh stecken zwei unserer wichtigsten Neuerungen“, sagt er, „Boost und Primeknit.“

    Das eine ist ein sichtbares, aus 2500 miteinander verschmolzenen Kügelchen bestehendes Zwischensohlenmaterial. Es verspricht Läufern beim Auftreten besonders gute Dämpfung. Entwickelt hat den Kunststoff BASF. Mit dem Ortsrivalen Puma, der Anspruch darauf erhebt, als Erster mit dem Chemiekonzern an dem neuartigen Material gearbeitet zu haben, liegt Adidas im Rechtsstreit. Und mit Primeknit meint Carnes das sockenähnliche Obermaterial, das ohne Nähte auskommt und sich dem Fuß anschmiegt. Es wird von Maschinen zusammenstrickt.

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