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Ölkonzern BHP Billiton baut Anlagen ab War es das schon mit dem Fracking?

Ein Aufschwung beim Ölpreis ist nicht in Sicht. In den USA gibt es drastische Reaktionen: BHP Billiton schließt erste Bohranlagen, bei anderen Firmen verlieren Tausende Menschen ihren Job. Ist der Fracking-Boom vorbei?

Ein Arbeiter kontrolliert eine Fracking-Anlage. Fallende Ölpreise machen den amerikanischen Öl-Unternehmen zu schaffen. Quelle: REUTERS

Der Ölpreisverfall wird so schnell nicht vorübergehen, niemand weiß, wann die Preise wieder steigen. Teures Fracking lohnt sich da nicht - immer mehr US-Unternehmen ziehen drastische Konsequenzen. So will der australisch-britische Bergbaukonzern BHP Billiton seine Bohranlagen, die er auf dem US-Festland betreibt, bis Mitte des Jahres von 26 auf 16 reduzieren.

Damit schließt BHP 40 Prozent seiner Anlagen. „Wir haben als Antwort auf die niedrigeren Preise schnell gehandelt“, sagte BHP-Chef Andrew Mackenzie am Mittwoch.

Auch weitere Ölkonzerne leiden unter dem Preisverfall: Die BHP-Mitteilung folgte auf die Ankündigung des US-Öldienstleisters Baker Hughes von Dienstag, 7000 Jobs zu kürzen. Ende September 2014 hatte das Unternehmen noch rund 61.000 Mitarbeiter. In der Begründung heißt es, man gehe davon aus, dass die US-Frackingindustrie deutlich schrumpfen werde.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Auch Schlumberger, ihres Zeichens die größte Ölservicefirma der USA, streicht 9000 Stellen und damit nahezu acht Prozent der Belegschaft, wie am Freitag bekannt wurde. Der Konzern begründete den Abbau mit dem sinkenden Ölpreis und "unsicheren" Rahmenbedingungen. Im vierten Quartal war der Gewinn dramatisch eingebrochen: um 82 Prozent ging es abwärts. Schlumberger-Chef Paal Kipsgaard kündigte an, dass auch die "Investitionen in die Erkundung und Erschließung neuer Ölfelder" sinken werden.

Warum der Ölpreis fällt

Schuld an den Streichungen ist der fallende Ölpreis: Seit Sommer hat er sich mehr als halbiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete am Mittwochmorgen 48,39 Dollar. Die Gründe dafür liegen einerseits in der schwächelnden Weltwirtschaft und damit verbunden in einer zögerlichen Nachfrage.

Andererseits ist es auch das Fracking selbst, das die Preise drückt. Denn die starke Ausweitung der Ölproduktion in den USA durch die umstrittene Fördermethode hat die USA nicht nur zum größten Förderland der Welt gemacht. Der Fracking-Boom hat auch für eine Ölschwemme auf den Märkten gesorgt und ist damit zum Problem geworden. Denn die traditionellen Ölproduzenten, OPEC-Länder wie Saudi Arabien, wollen ihre Menge nicht drosseln. Das Überangebot an den Märkten drückt auf den Preis - eine Wende ist derzeit nicht in Sicht.

Beim Fracking wird mithilfe von großen Mengen an Wasser, Chemikalien und hohem Druck tief lagerndes Schiefergas und -öl aus dem Gestein gelöst. Das Verfahren ist teuer - die sinkenden Ölpreise machen es also weniger lukrativ. Was Verbraucher etwa durch niedrige Benzinpreise freut, stellt die Unternehmen vor große Probleme und führt zu einer Investitionsschwäche in vielen Ländern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte unter anderem aus diesem Grund seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft.

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Rutscht der Ölpreis noch weiter ab, wird das Fracking in den USA zum Verlustgeschäft. Laut den Branchenexperten von Wood Mackenzie ist die Grenze erreicht, wenn Brent-Öl unter 40 Dollar fällt. Weitere Massenentlassungen könnten die Folge sein - mit deutlichen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. So berichtet etwa die "New York Times", dass sich nicht nur die amerikanischen Ölarbeiter, sondern auch alle Unternehmen, die von ihnen abhängen, bereits auf das Schlimmste gefasst machen. Dazu zählen etwa Restaurants, Auto- oder Immobilienverkäufer, die von den Ölarbeitern profitieren und abhängen. Auch Banken haben gute Geschäfte mit Krediten an Ölarbeiter gemacht, die sich etwa im texanischen Ödland ein Zuhause zugelegt haben.

Doch ob Fracking an sich bereits vor dem Aus steht, muss bezweifelt werden. Denn im Gegensatz zu traditionellen Ölbohrungen, die nicht so leicht gestoppt und wieder angefahren werden können, ist die Schieferöl- und -gasförderung deutlich leichter steuerbar. Wenn die Ölpreise wieder klettern, wird wohl auch das Fracking wieder auferstehen.

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