Olymp-Chef Mark Bezner Hemdenhersteller "vom Wachstum überrollt"

Der Chef des Hemdenherstellers Olymp erwartet einen Rekordumsatz und plant mehr Filialen. Doch in den USA stoppt ihn das Olympische Komitee.

Hemden des Bekleidungsunternehmen Olymp liegen im Showroom des Unternehmens in Bietigheim-Bissingen. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Bezner, sparen die Leute schon an der Kleidung?

Mark Bezner: Wir haben zwar mit November und Dezember noch wichtige Wochen im laufenden Geschäftsjahr vor uns – Hemden sind natürlich immer ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Läuft es aber so gut weiter, werden wir 2012 beim Umsatz im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen und mit gut 190 Millionen Euro abschließen. Damit ist Olymp das meistverkaufte Markenhemd Europas.

Aber Sie wachsen 2012 langsamer als in den Vorjahren?

Das ist so, ja. Nachdem wir in den vergangenen Jahren sehr dynamisch gewachsen sind – zuletzt 2011 beim Umsatz um fast 30 Prozent auf 178 Millionen Euro –, macht sich in diesem Jahr auch die Krise in den Nachbarländern bei uns bemerkbar. In Irland, wo wir Marktführer sind, liegen die Umsätze gerade noch bei der Hälfte dessen vor der Finanzkrise. In Griechenland sieht es nicht gut aus, und auch in Frankreich und den Niederlanden ziehen dunkle Wolken auf. Lichtblick ist jedoch Deutschland, wo Olymp gegen den Markttrend wächst und weitere Marktanteile gewinnt. Unterm Strich sind wir daher profitabel und schreiben einen schönen Gewinn, den wir ins Unternehmen reinvestieren können.

Die beste Fabrik 2012
Das BMW Werk Landshut mit der Produktion von Kunststoff Exterieur ist in diesem Jahr der deutsche Gewinner des Wettbewerbs. Hier im Bild: Der Leiter für Einkauf, Produktion und Technologie, Johannes Haider (BMW AG). Quelle: Presse
Haider und sein Führungsteam werfen sich in Pose. Ob Geschäftsmodell, Strategieumsetzung, Einbindung der Kunden und Mitarbeiter oder Innovationstempo: Das BMW-Werk in Landshut erhielt von der Jury fast durchgehend Höchstnoten – und gilt somit in diesem Jahr zurecht als Deutschlands bestgeführte und profitabelste Fabrik. Quelle: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Dennoch steht das Werk, das mit 500 Mitarbeitern Kunststoffteile wie Heckspoiler, Stoßfänger, Seitenwände und Dächer für diverse Modelle des bayerischen Autobauers produziert, auch weiter im Wettbewerb mit internen, aber auch externen Konkurrenten wie den Zulieferern Rehau oder Faurecia. Da reicht es nicht, nur besser, schneller und preiswerter zu sein als die Konkurrenz. Das Erfolgsrezept von Werksleiter Haider: „Wir müssen uns unentbehrlich machen.“ Quelle: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Als beste Fabrik in Spanien wurde in diesem Jahr die Produktion von Aernnova Aerospace ausgezeichnet. Quelle: Presse
Absagen akzeptiert er nicht: „Ein Nein ist doch letztlich ein Ja, das nur darauf wartet, umgesetzt zu werden“, sagt Joseba Pérez Trullos. Und unterzog das spanische Werk des Luftfahrtindustriezulieferers Aernnova seit 2009 einem harten Fitnessprogramm: Reduzierte die Produktionskosten um 20 Prozent, erhöhte die Produktivität bezogen auf die Arbeitsfläche um ein Drittel, senkte die Beschwerden der Kunden um 88 Prozent und half so, dem Unternehmen seitdem Kosten von mehr als 2,6 Millionen Euro zu sparen. Quelle: Presse
Sturheit, die jetzt belohnt wurde: Mit baskischer Beharrlichkeit brachte es Pérez Trullos zum spanischen Champion im Wettbewerb um Europas beste Fabriken. 5000 Mitarbeiter produzieren Bauteile an weltweit tätige Hersteller von Flugzeugen und Hubschraubern, darunter Airbus und Boeing, Embraer, Augusta oder Eurocopter. Und erzielen damit in diesem Jahr einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro. Quelle: Presse
In Frankreich heißt der Sieger Jean Cazaubieilh, Leiter der Fabrik des Automobilzulieferers Continental in Foix kurz vor der Grenze zu Andorra. Seine Fabrik ist auch der europäische Gesamtsieger. Quelle: Presse

Mit dem Strickhersteller März haben Sie eine zweite Marke – ist März aber nicht sehr altbacken?

März stellt Strickwaren in sehr hoher Qualität her, die einen festen Kundenstamm ansprechen. Bei dem Unternehmen haben wir auch durch eine neue Führungsspitze die Weichen neu gestellt, das zahlt sich auch aus: 2012 wird März wohl auf einen Umsatz von 25 Millionen Euro kommen, ein Plus von 1,6 Millionen Euro. Um weiter zu wachsen, bauen wir gerade für 1,5 Millionen Euro unsere Fertigung in Ungarn weiter aus.

Mittlerweile betreibt Olymp in Deutschland 40 eigene Läden – machen Sie noch mehr auf?

Ja, wir wollen pro Jahr mindestens fünf neue Geschäfte eröffnen. Hierbei sind auch mittelgroße Städte wie Ludwigshafen, Braunschweig oder Augsburg interessant. Zusätzlich suchen wir gerade nach Standorten in Österreich, wo wir bisher mit einem Geschäft in Haid bei Linz vertreten sind. Wenn wir die passenden Flächen angeboten bekommen, kann ich mir in Österreich auf Sicht fünf bis sechs weitere Geschäfte vorstellen.

In Arbeit
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Für größere Wachstumssprünge müssten Sie in die USA gehen. Warum sind Sie nicht dort?

Ja, und ich bin mir sicher, dass wir dort eine gute Rolle spielen könnten. Aber leider steht ein Markenstreit mit dem Nationalen Olympischen Komitee der USA unserem Start dort seit geraumer Zeit im Wege. Die US-Olympier wollen nicht erlauben, dass wir dort unter unserem Markennamen antreten. Auf der anderen Seite überdenken wir derzeit unsere Strategie für den chinesischen Markt. Wir arbeiten dort bislang mit einem Partner zusammen und konsolidieren die Umsätze noch nicht in unserer Bilanz. Gut möglich, dass China für uns in der Zukunft noch eine größere Rolle spielen wird.

2013 wollen Sie am Stammsitz in Bietigheim-Bissingen Ihr neues Logistikzentrum eröffnen. Das fällt mit Investitionen von 35 Millionen Euro zehn Millionen Euro teurer aus als ursprünglich geplant. Warum?

Das Wachstum der vergangenen beiden Jahre hat uns praktisch überrollt, deshalb werden wir direkt acht statt der ursprünglich geplanten sieben Regalstraßen in Betrieb nehmen. Später können wir das Lager noch um drei weitere vergrößern und wären damit für einen Umsatz von 300 Millionen Euro gerüstet.

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