Optroniksparte Zeiss will raus aus dem Rüstungsgeschäft

Das Optik-Unternehmen Carl Zeiss will nach Medienberichten seine Sparte Militär- und Sicherheitsoptik an EADS verkaufen. Warum Zeiss das Rüstungsgeschäft loswerden will.

Zeiss spricht mit der EADS-Tochter Cassidian über den Verkauf seiner-Militärproduktsparte. Es scheint so, als wolle der Konzern in Zukunft lieber nur noch mit Medizinprodukten und nicht mehr mit der Rüstungsbranche, in Verbindung gebracht werden. Quelle: dpa

„Die Unternehmen Cassidian und die Optroniksparte von Carl Zeiss arbeiten seit längerem bereits in einzelnen Kooperationen zusammen und führen derzeit weitergehende Gespräche miteinander“, sagte ein Carl-Zeiss-Sprecher und bestätigte damit indirekt einen Bericht der Financial Times, wonach die Carl Zeiss AG ihre Sparte Militär- und Sicherheitsoptik an die Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Cassidian, verkaufen will.

Die Sparte besteht derzeit aus rund 800 Beschäftigten und setzte zuletzt im Jahr 160 Millionen Euro um. Zeiss und Cassidian kooperieren bereits in einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem auch der Spezialist für Messtechnik Rohde & Schwarz beteiligt ist, beim Aufbau eines Grenzüberwachungssystems für Algerien.

Der zum Verkauf stehende Bereich umfasst dem Bericht zufolge das gesamte Militärgeschäft der in Oberkochen ansässigen Carl Zeiss AG. Sie stellt unter anderem Wärmebildkameras, Laser-Entfernungsmesser und auch das Zielfernrohr für den Kampfpanzer Leopard 2 her. Laut Geschäftsbericht sieht das Unternehmen in der Sparte Chancen und Risiken zugleich. Es erwartet zwar staatliche Kürzungen von Rüstungsausgaben. Chancen ergäben sich aber aus der Erschließung neuer Absatzmärkte weltweit.

Deutschlands heimliche Rüstungshelfer
Soldat mit einer Waffe und einer Zielvorrichtung von Zeiss Quelle: Screenshot
Screenshot einer Website, auf der ein US-Soldat vor einem DHL-Flieger steht. Quelle: Screenshot
Ein Mitarbeiter von Rolls-Royce arbeitet an einem Antriebssystem Quelle: Pressebild
Ein für die deutsche Marine bestimmtes U-Boot liegt auf dem Gelände der HDW-Werft in Kiel Quelle: dpa
Sanitäranhänger eines Kärcher-Feldlagers Quelle: Screenshot
Lastwagen vom Typ 1017A Quelle: Screenshot
Siemensmitarbeiter bei der Bundeswehr Quelle: Screenshot

Mit ihren 160 Millionen Euro Umsatz lieferte die Sparte nur einen kleinen Teil zum Jahresumsatz von zuletzt 4,24 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2010/2011. Wahrscheinlich ist, dass Zeiss nicht mehr in einem Zug mit den deutschen Rüstungsunternehmen wie Krauss-Maffei Wegmann oder Rheinmetall genannt werden will. Und da Cassidian und Zeiss ohnehin kooperieren ist es nur ein logischer Schritt, dem Partner die Sparte zum Kauf anzubieten.

Kaiser Meiji nahm Zeiss-Feldstecher mit ins Grab

Der Verkauf der Sparte würde auch das Ende der langen Rüstungstradition von Zeiss bedeuten. Die optischen Produkte des Unternehmens waren bei Militärs seit Beginn des 20. Jahrhundert hochgeschätzt. So etwa im russisch-japanischen Krieg 1904/1905 bei dem Zeiss beide Parteien belieferte. Der japanische Kaiser Meiji war von Zeiss-Gerätschaften so begeistert, dass es heißt, er habe sich mit einem Zeiss-Feldstecher beerdigen lassen. Entfernungsmesser von Zeiss gehörten im ersten und zweiten Weltkrieg zur Grundausrüstung.

Das alles ist lang her und Zeiss möchte heute lieber mit seinen Innovationen im Bereich der Augenoptik, der Mikrochirurgie mit Mikroskopen und Lasern oder im Bereich Automobil- und Maschinenbau in Verbindung gebracht werden.

Der Verkauf würde auch frisches Geld in die Kassen spülen. Nach zwei Rekordjahren hat die abgekühlte Nachfrage der Halbleiterindustrie negativ auf das Stiftungsunternehmen. Der Umsatz schrumpfte in der ersten Geschäftsjahreshälfte 2011/12 (Oktober bis März) um zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern sank um ein Drittel auf 130 Millionen Euro.

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