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Osram-Chef Berlien geht Das Erbe der Katze

Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram, nimmt zu Februar seinen Hut. Quelle: dpa

Osram-Chef Olaf Berlien zieht nach dem Übernahmepoker um den Leuchtkonzern seine Konsequenzen: Im Februar gibt er den Chefposten bei Osram ab. Von seinem Erbe wird nicht viel bleiben, sogar der Name könnte verschwinden.

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Seinem Spitznamen machte Olaf Berlien zuletzt alle Ehre: „Die Katze“ nennen Mitarbeiter des Münchener Leuchtkonzerns Osram ihren Chef Olaf Berlien auf den Fluren. Dabei war es nicht nur sein geschmeidig-freundliches Auftreten, das Berlien zu diesem Namen verhalf, sondern vor allem seine Überlebenskunst: Die neun Leben der Katze wurden auch Berlien nachgesagt.

Nun hat das Überlebensglück bei Osram für den Manager offenbar geendet. Der Konzern teilte am Dienstag mit, dass Berlien nach der Hauptversammlung im Februar 2021 aus dem Konzern ausscheiden wird. Eine große Überraschung ist das nicht. Auch nicht für Berlien selbst. Er dürfte geahnt haben, dass nach der erfolgreichen Übernahme von Osram durch den österreichischen Halbleiterkonzern AMS seine Tage im Vorstand gezählt sind. Zwar versuchte Berlien in den vergangenen Wochen noch Schönwetter zu der einst angefeindeten Übernahme durch AMS zu machen. Doch das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Osram eine Großbaustelle ist, die AMS bald auf Kosten der Osram-Mitarbeiter aufräumen könnte.

Seine Überlebensfähigkeit als Manager bewies Berlien bereits im Jahr 2016, als es zwischen ihm und dem mächtigen Siemens-Chef Joe Kaeser zum Showdown kam. Kaeser war mit der Strategie Berliens nicht einverstanden. Auf der Hauptversammlung verweigerte Kaeser Berlien die Entlastung. Schließlich verkaufte Siemens, einstige Mutter und damaliger Großaktionär von Osram, sämtliche Anteile an dem Leuchtkonzern.

Berlien hat den damaligen Eklat zur Verwunderung vieler Beobachter überstanden. Von Osram kann man das nicht sagen. Tatsächlich führte Berlien den Leuchtkonzern in Spartengeschäfte, die mit der Billigkonkurrenz aus Asien zunehmend unter Druck gerieten. Zum Ungeschick gesellte sich dann auch noch Pech: die schwierigen Automotive-Märkte setzten Osram weiter zu und machten das Unternehmen schließlich zum Übernahmekandidaten.

Dass es ausgerechnet der Halbleiterkonzern AMS aus Österreich ist, der nun über die Zukunft von Osram entscheiden wird, dürfte für Berlien auch eine persönliche Demütigung sein. Schon vor einigen Jahren wollte Berlien mit Osram den kleinen Halbleiterkonzern AMS übernehmen. Doch nun hat der David aus Österreich den Goliath aus München geschluckt. Für die Mitarbeiter von Osram wäre es umgekehrt besser gewesen. Denn wieviel von dem Münchener Traditionskonzern und dessen Unternehmenskultur, die Berlien sicher zum Positiven geprägt hat, bestehen bleibt und wie AMS mit den verlustbringenden Sparten des Konzerns verfahren wird, ist noch weitgehend unklar. Den Jobgarantien für die deutschen Standorte, die AMS verspricht, will bei Osram kaum jemand trauen. Zu intransparent und sprunghaft agieren die Österreicher nach wie vor.


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Unter dem Management von Berlien hat Osram nicht nur seine Eigenständigkeit eingebüßt. Es ist sogar denkbar, dass der Name des Konzerns weitgehend verschwinden könnte. Zwar war aus der Münchener Vorstandsetage in den vergangenen Wochen immer wieder zu hören, dass der Name Osram selbstverständlich erhalten bleibe und auch der gemeinsame Konzern so heißen würde. Doch diese Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen. In Premstätten, dem Sitz von AMS, begegnete man solche Aussagen entsprechend kühl: Der Name des gemeinsamen Unternehmens werde frühestens im kommenden Sommer feststehen.

Für Berlien wäre es die letzte Demütigung in diesem langen Übernahmepoker, den er nun auch persönlich verloren hat. Mit dem Namen Osram würde auch sein Erbe weitgehend verschwinden.

Mehr zum Thema: Mit der außerordentlichen Hauptversammlung von Osram übersetzt AMS seine Mehrheit am Lichtkonzern in konkrete Macht.

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