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Osram-Chef muss gehen Woran Wolfgang Dehen gescheitert ist

Als Sanierer hat Wolfgang Dehen bei Osram viel geleistet. Als Stratege und Führungskraft, die dem Lichtkonzern und seinen Mitarbeitern einen Weg in die Zukunft weist, ist er jedoch überfordert – und muss deshalb gehen.

Wolfgang Dehen verlässt Osram zum Jahresende. Quelle: dpa/Montage

Die Nachricht wurde lange erwartet und kam doch überraschend: Vorstandschef Wolfgang Dehen verlässt zum Jahresende Osram, der Lichttechnik-Hersteller bekommt frühzeitig einen neuen Chef. Auf Dehen folgt ab Januar 2015 Olaf Berlien, derzeit noch Chef der M+W Group. Davor arbeitete der 52-Jährige unter anderem für ThyssenKrupp, Carl Zeiss und IBM Deutschland.

Der bisherige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dehen scheide zum gleichen Zeitpunkt „auf eigenen Wunsch und im besten Einvernehmen“ aus dem Vorstand und seinen weiteren Ämtern bei Osram aus, heißt es weiter.

Dehen war in den vergangenen Monaten stark in die Kritik geraten. Bereits im Sommer gab es Medienberichte, dass sich der Aufsichtsrat nach einem Nachfolger umsehe.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Dehen wird vor allem die miese Stimmung in der Belegschaft angekreidet. Technikvorstand Peter Laier galt bei den Angestellten als Hoffnungsträger, doch er zog im Machtkampf mit Dehen den Kürzeren – und verließ das Unternehmen im Juni. Seitdem steht Osram still. Das im MDax notierte Unternehmen mit seinen mehr als 30.000 Mitarbeitern befindet sich in dem wohl tiefstgreifenden Umbruch seiner fast 100-jährigen Geschichte. Doch statt dem Konzern mit einer schlüssigen Langfriststrategie eine klare und eindeutige Richtung zu geben, verkroch sich Dehen zunehmend hinter stundenlangen Präsentationen, in denen ein Chart auf den anderen folgte.

Miserables Betriebsklima

PowerPoint-Folien zum Einbruch des Geschäfts mit Leuchtstoffröhren und Glühlampen, PowerPoint-Folien zum geplanten Stellenabbau, PowerPoint-Folien zu den Geschäftserwartungen in Amerika, PowerPoint-Folien zur Entwicklung des LED-Geschäfts: „Dehen lebt in Folien“, sagt ein ehemaliger Osram-Manager.

Vor lauter Diashows und Strategieplanung verlor der Chef offenbar den Bezug zu den drängenden Probleme in der Realität. Dann folgte das böse Erwachen.

„Die Stimmung im Unternehmen ist ganz unten“, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats in der vergangenen Woche. Im Juli kündigte Dehen an, dass Osram im Rahmen einer zweiten Restrukturierungswelle insgesamt 7800 Stellen streichen will. In Deutschland entfallen 1700 Arbeitsplätze, vor allem in Berlin, Augsburg und Eichstätt. Im vergangenen Jahr hatte Osram bereits den Abbau von weltweit knapp 8700 Jobs verkündet. Die dritte Kündigungswelle, so viel steht jetzt schon fest, soll 2017 anrollen. Von weltweit 44 Fertigungsstandorten sollen am Ende noch 33 übrig bleiben, so der derzeitige Plan.

Osram und Phillips im Vergleich

Dabei hatten sich die Geschäfte des Münchner Traditionsunternehmens nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Siemens zunächst vielversprechend entwickelt. Dehen, der Ende 2012 von Siemens an die Osram-Spitze wechselte, half mit, das Unternehmen im Juli vergangenen Jahres erfolgreich an die Börse zu bringen. Vom Ausgabekurs in Höhe von 24 Euro kletterte der Kurs der Aktie zwischenzeitlich auf mehr als 50 Euro. Erstmals nach verlustreichen Jahren wies Osram für das am 30. September 2013 abgelaufene Geschäftsjahr wieder einen Gewinn aus.

Das brachte Dehen den Ruf des guten, wenn auch eiskalten Sanierers und Restrukturierers. Doch dass der 60-jährige Diplomkaufmann aus Solingen das Zeug dazu hat, den Konzern mit einer langfristigen Strategie durch den schwierigen Übergang von der traditionellen Beleuchtung hin zur halbleiterbasierten LED-Beleuchtung zu führen, bezweifelten immer mehr Beobachter.

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