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Osram-Übernahme „Wo liegt die Schmerzgrenze von AMS?“

Ende der Woche entscheidet sich, ob AMS den Lichtkonzern Osram übernimmt Quelle: REUTERS

Ende der Woche entscheidet sich, ob AMS den Lichtkonzern Osram übernimmt. Anwalt Stephan Ulrich erklärt, wie die investierten Hedgefonds den Deal verhindern könnten und wie Aktionäre das Beste herausholen können.

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Zur Person: Stephan Ulrich leitet die deutsche Corporate M&A Praxis der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons. Er vertritt in- und ausländische Unternehmen und Finanzinvestoren bei Akquisitions-, Veräußerungs- und Joint Venture Projekten sowie öffentlichen Übernahmen.

WirtschaftsWoche: Der Krimi um die Osram-Übernahme erreicht am 5. Dezember den nächsten Höhepunkt: Solange gilt das Angebot des österreichischen Halbleiterherstellers AMS zum Kauf der Osram-Aktien zu je 41 Euro. Gleichzeitig sind mehr als 30 Prozent der Osram-Aktien mittlerweile offenbar im Besitz von Hedgefonds. Welche Strategie verfolgen die Hedgefonds?
Stephan Ulrich: Die Strategien dieser Hedgefonds und Investoren können sehr unterschiedlich sein. Das reicht theoretisch von kurzfristiger Gewinnmaximierung bis zu langfristigen strategischen Überlegungen. Zudem sind sicher Investoren darunter, die auf ein Scheitern des Übernahmeangebots setzen. Wenn der Kurs nach unten geht, können sie sich dann mit günstigen Aktien eindecken. Manche Fonds werden also auch davon profitieren, wenn die Übernahme scheitert.

Wie könnte AMS in dieser schwierigen Situation vorgehen, um die selbst gesetzte Schwelle von 55 Prozent der Osram-Aktien dennoch zu erreichen?
AMS könnte das Angebot jederzeit attraktiver machen, indem es den Preis für die Aktien erhöht.

Stephan Ulrich leitet die deutsche Corporate M&A Praxis der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons. Quelle: Presse

Das hat AMS zuletzt aber ausgeschlossen.
Das stimmt. Gleichzeitig hat AMS aber auch wenig Zweifel daran gelassen, dass es Osram unbedingt übernehmen will. Deshalb halte ich eine Erhöhung des Preises nach wie vor für nicht ausgeschlossen.

War es ein Fehler von AMS, die Entschlossenheit zur Übernahme so stark nach außen zu kommunizieren?
Ideal für AMS wäre es sicher gewesen, wenn das Unternehmen sich im Vorfeld größere Aktienpakete gesichert hätte, um das Erreichen der Schwelle besser abzusichern. Allerdings ist das nicht immer möglich, und schon gar nicht zum gewünschten Preis.

Kann AMS die Angebotsschwelle trotz der massiv investierten Hedgefonds überhaupt noch erreichen?
Der Ausgang des Übernahmeversuchs ist noch offen und wird sich wohl erst auf den letzten Metern entscheiden. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass AMS gerade Gespräche mit dem einen oder anderen Investor führt. Wenn es AMS gelingt, einige Investoren von einem Deal zu überzeugen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere Investoren nachfolgen und ihre Aktien ebenfalls an AMS verkaufen. Gerade die Hedgefonds, die auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung aus sind, werden wohl nicht abgeneigt sein, sich ihre Aktienpakete im Vorfeld abkaufen zu lassen. Die Frage ist nur, wo hier die Schmerzgrenze von AMS liegt.

Wie sollten sich Osram-Kleinanleger am besten verhalten? Wie hoch ist das Risiko, dass die Osram-Aktie bei einem Scheitern der Übernahme einbricht?
Eine pauschale Antwort dazu kann ich nicht geben. Allerdings müssen Aktionäre davon ausgehen, dass der Osram Kurs bei einem Scheitern der Fusion wohl zunächst fallen wird. Wer das nicht aushalten kann, sollte dem Angebot von AMS besser zustimmen. Wer fallende Kurse aushalten kann, weil er sein Portfolio vielleicht ohnehin breiter gestreut hat, dem kann ich nur raten, sich näher mit der strategischen Logik von AMS zu beschäftigen. Wer darin eine industrielle Logik erkennt, könnte die Aktien erstmal halten, auf eine spätere positive Kursentwicklung setzen oder letztlich doch auf einen noch höheren Angebotspreis.

Könnte AMS bei einem Scheitern der Übernahme theoretisch ein drittes Angebot stellen? Schon das zweite Angebot von AMS war ja nur möglich, indem AMS eine Gesetzeslücke genutzt und das Angebot über eine Tochtergesellschaft gestellt hat. Wäre dieser Zug theoretisch nochmal möglich?
Das wäre theoretisch möglich. Gleichzeitig gibt es nun Ambitionen des Gesetzgebers, diese Lücke zu schließen. Deshalb halte ich es auch für möglich, dass die BaFin [Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Anm.] bei einem weiteren Versuch, das Angebot über eine Tochtergesellschaft abzuwickeln, einschreiten könnte.

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