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Paradigmenwechsel Industrievertreter fordern mehr Staatseinfluss

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Die "Konsenssoße" darf wieder fließen

Hans-Olaf Henkel Quelle: dpa

Um die bis 2030 vorhersehbaren Umbrüche etwa in der Verkehrs-, Gen-, Nano-, IT-und Kommunikationstechnik sowie der Energieversorgung wirtschaftlich zu nutzen, bedarf es nach Meinung der BDI-Vordenker jedoch einen „Paradigmenwechsel“. Die wichtigsten Punkte:

  • Da einzelne Unternehmen allein „tendenziell nicht mehr in der Lage“ seien, „die entscheidenden Innovationen am Markt durchzusetzen“, komme dem Staat hier künftig eine wichtige Aufgabe zu. Siemens-Mann Achatz sieht die Regierung zunehmend in der Rolle des „Katalysators“, der die Unternehmen zur Kooperation über Branchengrenzen hinweg bewege. Vorbild sei die Nationale Plattform Elektromobilität, zu der die Bundesregierung etwa Autobauer, Chemiefirmen und Energiekonzerne zusammenschweißte, damit Deutschland beim Elektroauto nicht den Anschluss verliere.
  • Im technologische Umbrüche geschäftlich nutzen zu können, so das BDI-interne Papier, müsse der „gesellschaftliche Konsens“ künftig als „Innovationskraft“ begriffen werden. Damit brechen führende BDI-Vertreter endgültig mit der Linie der Neunzigerjahre, als der damalige Verbandspräsident Hans-Olaf Henkel das „Ende der Konsenssoße“ in Deutschland ausrief.
  • Zu dieser neuen „wertschöpfungsorientierten Innovationsstrategie“, heißt es weiter, gehörten auch „neue Beteiligungsverfahren“ für den Bürger. Denn dieser, so die BDI-Vordenker, wolle etwa bei Großprojekten oder neuen Technologien nicht mehr das Gefühl haben, „dass er gegen seine eigenen Interessen instrumentalisiert wird“.
  • Um die Dringlichkeit der neuen Standortbestimmung zu untermauern, liefert das BDI-interne Papier einen Ausblick auf die wichtigsten technologischen Umbrüche und ihre Auswirkungen bis 2030 (siehe Grafik). Erstellt wurden die Prognosen von Zpunkt, einem Berliner Thinktank, der sich auf langfristige Trends spezialisiert hat.

Dabei dürften zwei Aussagen sowohl politisch als auch BDI-intern für Zündstoff sorgen. Die eine betrifft die Risiken, die für Deutschland mit dem Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto verbunden sind. „In der Summe ist ein negativer Effekt auf die Wertschöpfung vorhersehbar“, heißt es dazu in dem BDI-internen Papier. „Verluste in der Entwicklung und Produktion können nicht durch neue Dienstleistungen kompensiert werden.“ Das widerspricht den Hoffnungen, die Kanzlerin Merkel mit ihrer Nationalen Plattform Elektromobilität weckt und die auch der Verband der Automobilindustrie teilt.

These gegen die dezentrale Stromversorgung

Nur für begrenzte Freude dürfte dem BDI-Kreis zufolge auch die Idee der Bundesregierung sorgen, im Zuge des Atomausstiegs die Stromversorgung zu dezentralisieren. Zwar werde dadurch die Beschäftigung voraussichtlich wachsen, gleichzeitig dürfte die Wertschöpfung aber nicht zunehmen. Im Klartext: Viele kleine Stromfabriken bräuchten mehr Arbeitskräfte als große, überregionale Kraftwerke. Dafür wären diese Jobs schlechter bezahlt und die Gewinne der Unternehmen niedriger.

So quer hat außerhalb des BDI-Teams unter Siemens-Manager Achatz beim Atomausstieg bisher kaum jemand in der deutschen Industrie gedacht.

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