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Pharma Chefwechsel bei Sanofi und Bayer

Der französische Pharmakonzern Sanofi findet einen neuen Chef – beim Konkurrenten Bayer. Dort hat Strategievorstand Werner Baumann gute Chancen, demnächst Konzernchef Marijn Dekkers zu beerben.

Olivier Brandicourt Quelle: AP

Olivier Brandicourt, derzeit Leiter der Bayer-Gesundheitssparte wird zum 1. April neuer Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Seinen Posten übernimmt dann der Bayer-Manager Werner Baumann. Der 52-Jährige Baumann ist bereits im Vorstand von Bayer für die Strategie des Unternehmens zuständig. Dies geht aus Mitteilungen beider Unternehmen hervor.

Damit hat der  studierte Ökonom nun beste Chancen auf die Nachfolge von Konzernchef Marijn Dekkers. Der Vertrag von Dekkers läuft Ende 2016 aus.  Sofern Baumann sich nun bei Bayer Healthcare bewährt,  ist der Weg nach ganz oben frei. Zu den wichtigsten Förderern des aufstrebenden Managers zählt Bayer-Aufsichtsratschef Werner Wenning, der große Stücke auf den gebürtigen Krefelder hält.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 10 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben. Quelle: REUTERS
Platz 9 – Valeant für Allergan – 49 Milliarden Dollar (2014)Mitte April 2014 wurde bekannt, dass der kanadische Pharmakonzern Valeant den Botox-Hersteller Allergan übernehmen will. Die gebotene Summe katapultiert die geplante feindliche Übernahme direkt in die Top Ten: 49,4 Milliarden Dollar wollen die Kanadier gemeinsam mit dem US-Finanzinvestor Bill Ackman zahlen. Ein erstes Angebot reichte Allergan nicht, das Unternehmen wertete unter anderem die hohe Aktienkomponente als Risiko für die eigenen Anteilseigner. Eine Entscheidung zu der erhöhten Offerte steht noch aus. Allergan ist vor allem bekannt für sein Protein-Präparat Botox, das weltweit unter anderem zur Faltenglättung eingesetzt wird. Quelle: AP
Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“. Quelle: AP
Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie. Quelle: dpa
Platz 6: Sanofi fusioniert mit Aventis (2004)Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe. Quelle: AP
Platz 5 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet. Quelle: REUTERS
Platz 4 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas. Quelle: AP

Endgültig entschieden ist die Nachfolge von Dekkers allerdings noch nicht. Auch der gebürtige Ire Liam Condon, Chef der Bayer-Pflanzenschutzsparte, sowie der Brite Kemal Malik, im Vorstand für Innovationen zuständig, dürfen sich durchaus noch Chancen ausrechnen. Malik machte sich insbesondere um den erfolgreichen Bayer-Blutverdünner Xarelto verdient. Condon gilt als Marketingexperte und war zuvor im Pharmageschäft tätig.

Bei Sanofi ist die Besetzung des Chefpostens hingegen nun geklärt. Dort musste im Oktober 2014 Chris Viehbacher gehen. Der Verwaltungsrat stimmte einstimmig für seinen Rauswurf. Angeblich hatte Viehbacher den Verkauf eines größeren Arzneimittel-Pakets nicht mit dem Gremium abgestimmt. Auch sein Umzug nach Boston kam bei den Franzosen nicht gut an.

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