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Pharmabranche AstraZeneca lehnt Pfizer-Gebot ab

Pfizer hat sein Angebot für den britischen Pharmakonzern AstraZeneca auf rund 106 Milliarden Dollar erhöht. Doch noch immer beißt Pfizer auf Granit: AstraZeneca lehnte die Offerte umgehend ab.

Pfizer hat seine Offerte für AstraZeneca noch einmal ordentlich aufgestockt. Quelle: REUTERS

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca hat das 106 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot vom US-Rivalen Pfizer abgelehnt. Die aufgestockte Offerte entspreche noch immer nicht dem Wert von AstraZeneca, teilte das Unternehmen am Freitag nach einer Sitzung des Führungsgremiums mit. Sie sei in vielerlei Hinsicht unangemessen. Es gebe weiterhin keine Basis für Gespräche mit Pfizer. AstraZeneca wiederholte die Empfehlung an die Aktionäre, zunächst nichts zu unternehmen.

Pfizer hatte zuvor sein Angebot für den britischen Rivalen erhöht. Nachdem AstraZeneca den US-Konzern bereits zwei Mal abblitzen ließ, stockte dieser seine Offerte am Freitag um rund sieben Prozent auf. Der Viagra-Hersteller bietet nun 50 Pfund je Aktie statt wie bislang 46,61 Pfund. Pfizer zufolge stellt die Offerte einen Aufschlag von 39 Prozent auf den AstraZeneca-Börsenkurs von Anfang Januar dar, als der nach dem Schweizer Rivalen Novartis weltgrößte Pharmakonzern erstmals bei AstraZeneca vorstellig wurde. Sie beinhalte zudem einen etwas größeren Baranteil. Von Aktionärsseite war dies gefordert worden, ebenso wie ein Angebot von mindestens 50 Pfund je Aktie. Die Eigentümer des britischen Unternehmens sollten nun für jedes Papier 1,845 Aktien des neuen Konzerns sowie 1,598 Pence in bar bekommen.

Wer die Pharmawelt beherrscht
Aufsteiger 1: Valeant (Kanada)Der kanadische Pharmariese wächst und wächst – hauptsächlich durch Zukäufe. Im Jahr 2013 kaufte Valeant den Kontaktlinsen-Hersteller Bausch & Lomb aus den USA für 8,7 Milliarden Dollar. Im Bereich Augengesundheit wollen die Kanadier ganz vorne mitmischen. Beim Umsatz hat es der Konzern zumindest schon einmal in die Top 30 der Welt geschafft. Die Pharma-Erlöse stiegen um 62,4 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Quellen: Unternehmen, HB-Schätzungen Quelle: AP
Aufsteiger 2: Biogen Idec (USA)Erst Ende März 2013 wurde das Multiple-Sklerose-Mittel Tecfidera in den USA zugelassen. Doch die Tablette ist eine Goldgrube für das aufstrebende US-Biotech-Unternehmen Biogen Idec. Im Jahr 2013 steigerte es dank Tecfidera den Umsatz um gut ein Viertel auf 6,9 Milliarden Dollar. Quelle: AP
Aufsteiger 3: Actavis (Irland/USA)Das Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Nachahmerpräparaten. Doch allzu großes Wachstum verspricht dieses Geschäftsfeld nicht unbedingt, da der Preisverfall oft das Mengenwachstum aufzehrt. Actavis wächst daher vor allem mit Übernahmen: In den vergangenen drei Jahren steckte der Konzern mehr als 14 Milliarden Dollar in Zukäufe. Der Konkurrent Forest Laboratories soll nun für 25 Milliarden Dollar ebenfalls geschluckt werden. Im Jahr 2013 legte der Umsatz um 46,7 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar zu. Quelle: PR
Deutsche Unternehmen: MerckDer Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern wächst im Jahr 2013 moderat. Der Umsatz legt um 2,6 Prozent auf umgerechnet 7,9 Milliarden Dollar zu (Schätzung). In der Rangliste der größten Pharmaunternehmen der Welt schafft es Merck damit auf Platz 23. Das könnte sich aber ändern, denn das Unternehmen plant einen Zukauf: Die Darmstädter bieten rund zwei Milliarden Dollar für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials – eine ehemalige Hoechst-Tochter, die unter anderem Komponenten für Apples iPad liefert. Quelle: dpa
Deutsche Unternehmen: Boehringer IngelheimDas Familienunternehmen ist der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern. Im Jahr 2013 hielt Boehringer Ingelheim die Umsätze stabil und landet mit umgerechnet 14,7 Milliarden Dollar (Schätzung) auf Platz 17 der Rangliste. Aktuell ist Boehringer in den USA mit einer Klagewelle konfrontiert. Mehr als 2000 Kläger werfen dem Unternehmen vor, für schwere und zum Teil tödliche Blutungen nach einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Pradaxa verantwortlich zu sein. Quelle: dpa
Deutsche Unternehmen: BayerBayers Pharma-Umsätze wachsen, die Leverkusener legen zum sieben Prozent zu und rücken in der Rangliste mit umgerechnet 14,9 Milliarden Dollar Umsatz auf Platz 16 vor. Gerade Bayers neue Medikamente wie das Schlaganfallmittel Xarelto laufen prächtig. Die Umsatzziele für die fünf stärksten Medikamente wurden erhöht. Quelle: REUTERS
Platz 10: Teva (Israel)Der weltgrößte Generika-Hersteller kommt aus Israel: Teva. Im Jahr 2013 stagnierte der Umsatz des Konzern allerdings bei gut 20 Milliarden Dollar. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Chef Erez Vigodman. Teva ist auch in Deutschland aktiv – so gehört seit 2009 die Ulmer Ratiopharm zum Konzern. Quelle: Presse

Derzeit rollt eine Fusionswelle durch die Pharmabranche, weil sich die Konzerne wegen Patentabläufen einer neuen Konkurrenz durch Nachahmerprodukte stellen müssen und sie sich auch wegen der Kürzungen im staatlichen Gesundheitswesen umorientieren. Novartis hat Spartenkäufe und -verkäufe im Wert von rund 27 Milliarden Dollar angekündigt. Bayer mischt im Bieterwettbewerb um Geschäfte des US-Konkurrenten Merck & Co mit und will Insidern zufolge dafür rund 14 Milliarden Dollar zahlen.

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Pfizer erhofft sich von der Übernahme erhebliche Kostensenkungen und auch Steuervorteile. Außerdem dürfte ein Deal die Stellung bei Krebsmitteln verbessern. Bei AstraZeneca laufen demnächst zwar viele Patente ab. Das macht die Briten verwundbar für Übernahmen. Gleichzeitig hat AstraZeneca aber vielversprechende Mittel für die Krebs-Immuntherapie in der Pipeline.

Die Pfizer-Pläne sind aber auch politisch brisant, denn es wäre die größte Übernahme eines britischen Unternehmens durch einen ausländischen Konzern. Pfizer-Chef Ian Read nahm deswegen bereits Kontakt mit der Regierung in London auf, um mögliche Sorgen um die Arbeitsplätze bei AstraZeneca zu zerstreuen. Er sagte Premierminister David Cameron zu, das von AstraZeneca in Cambridge geplante Forschungszentrum fertigzustellen und auch an dem Werk in Macclesfield festzuhalten. Zudem sollen 20 Prozent der Mitarbeiter nach der Fusion in Großbritannien beschäftigt werden.

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