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Pharmabranche Celesio Übernahme scheint gerettet

Kompromiss in letzter Sekunde: Zum Preis, den McKesson nun für Celesio-Aktien bietet, dürften die Aktionäre ihre Anteile am Pharmakonzern an die Amerikaner abgeben. Sonst wäre es für beide Seiten schmerzhaft geworden.

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Auch für sie ist nicht egal, wie der Poker ausgeht: Für die Mitarbeiter des Pharmahändlers Celesio wäre eine sichere Übernahme ohne Wertverluste wünschenswert. Quelle: dpa

Frankfurt Die milliardenschwere Übernahme des Pharmahändlers Celesio könnte in letzter Minute doch noch gelingen. Der US-Konzern McKesson hat seine Offerte am Donnerstag kurz vor Fristende um 50 Cent auf 23,50 Euro je Aktie erhöht, wie eine mit den Verhandlungen vertraute Person angab. McKesson rechne fest damit, dass der aktivistische US-Finanzinvestor Elliott Management zu diesem Preis einschlagen werde, hieß es in Finanzkreisen. Er hatte sich 22,7 Prozent – Wandelanleihen eingerechnet – an dem Stuttgarter Unternehmen zusammengekauft und angekündigt, die mehr als sechs Milliarden Euro schwere Übernahme zu blockieren, weil Celesio mehr wert sei.

Der US-Pharmagroßhändler McKesson hatte zur Bedingung für die Übernahme gemacht, dass ihm mindestens 75 Prozent der Anteile – zwei Wandelanleihen eingerechnet – angedient werden. Sicher hatten die Amerikaner aber nur die 50 Prozent, die der Duisburger Mischkonzern Haniel an Celesio hält. Von den übrigen Aktionären warteten die meisten den Showdown mit Elliott ab, bis Mittwochnachmittag hatten nur drei Prozent McKesson ihre Anteile angedient. Zusammen mit den Elliott-Anteilen würde das aber reichen.

Elliott wollte sich zu den Informationen zunächst nicht äußern. McKesson war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Am Mittwoch hatten viele Anleger mit einer deutlicheren Erhöhung gerechnet, nachdem erstmals Verhandlungen zwischen McKesson und Elliott durchgesickert waren. Dies trieb die Celesio-Aktie, die am Mittwoch bei 24,50 Euro aus dem Handel ging. Am Donnerstagmorgen überwog deshalb Enttäuschung. Vorbörslich fiel das Papier beim Händler Lang & Schwarz um drei Prozent auf 23,77 Euro.


Elliott hat hoch gepokert

Die Übernahmeofferte läuft am Donnerstagabend (24 Uhr) aus. Nur bei einer formalen Aufstockung bis zum Mittwoch hätte sich die Annahmefrist nach dem Gesetz um zwei Wochen verlängert. Wenn McKesson aber am Donnerstag auch nur eine Aktie zu einem höheren Preis kauft, gilt dieser für alle Aktionäre.

Elliott hatte hoch gepokert. Der von Paul Singer geführte aktivistische Investor hatte rund 800 Millionen Euro in Aktien und Wandelanleihen von Celesio investiert. Beim Scheitern der Übernahme hätten die Amerikaner viel Geld verloren, wenn die Celesio-Aktie anschließend abgestürzt wäre. Mit einem Einlenken zu 23 Euro hätte sich Elliott bei allen künftigen Poker-Spielen unglaubwürdig gemacht, hatte sich der Investor doch schriftlich festgelegt, nicht zu diesem Preis einzuschlagen.

Aber auch McKesson hätte bei einem Scheitern viel verloren. In den USA sind Konkurrenten wie Amerisourcebergen und Cardinal Health Einkaufspartnerschaften eingegangen. So wollen sie im Wettbewerb und in den Verhandlungen mit Pharma-Konzernen und Krankenhäusern mehr Preismacht gewinnen. McKesson steht hingegen bislang alleine da. Für die Amerikaner wäre Celesio eine Gelegenheit, mit einem Schlag zu den führenden Pharmagroßhändlern in Europa aufzusteigen.

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