Pharmabranche Merck schichtet Portfolio um

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck vergrößert sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten – und verkleinert sein Pharmageschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien.

Die Strippenzieher bei Merck
Jon BaumhauerDer 68-Jährige ist einer der beiden Sprecher der Eigentümerfamilie, die 70 Prozent an Merck hält. Die Sippe besteht aus 220 Mitgliedern und ist das eigentliche Machtzentrum des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns. Baumhauer, der Philosophie, Psychologie und Geschichte studierte, hat lange in München als klinischer Psychologe praktiziert. Im November vergangenen Jahres wurde der Protestant  von der Martin Luther Stiftung mit der „Luther-Rose“ als „verantwortungsvoller Familienunternehmer“ ausgezeichnet. In zwei, drei Jahren, so heißt es aus dem Unternehmen, könnte er sein Amt als Familiensprecher aufgeben. Quelle: Presse
Foto Rolf Krebs
Theo SiegertDer 65-Jährige könnte Krebs auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden nachfolgen. Mit den Eigentümlichkeiten von  Familienunternehmen kennt Siegert sich bereits aus: Er hat lange für den Duisburger Mischkonzern Haniel gearbeitet, zuletzt als Vorstandschef, wo er dann allerdings 2005 dem Daimler-Manager Eckhard Cordes weichen musste. Siegert ist gut vernetzt, sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten – neben Merck auch bei Henkel, der Deutschen Bank und dem Energiekonzern E.On. Quelle: dpa
Foto Karl-Ludwig Kley Quelle: dapd
Matthias ZachertDer 42-Jährige ist einer der Überflieger der deutschen Wirtschaft. Seit 2011 amtiert er als Finanzvorstand bei Merck; zuvor hat er in gleicher Funktion für den Brötchenbäcker Kamps und den Chemiekonzern Lanxess gearbeitet. Bei Merck hat Zachert dafür gesorgt, dass der Pharma- und Chemiekonzern ein besseres Rating erhielt und beim Schuldenabbau vorankam. Im Gegensatz zu seinem ruppigen, wenig klar kommunizierendem Vorgänger Michael Becker pflegt Zachert ein gutes Verhältnis zu Investoren und Analysten. Seine sportliche Leidenschaft gilt dem Laufen – gerne auch zusammen mit Mitarbeitern. Quelle: Presse
Stefan OschmannDer 55-Jährige gebürtige Würzburger hat die schwerste Aufgabe bei Merck. Er muss das Pharmageschäft- seit über zwei Jahrzehnten haben die Merck-Forscher kein eigenes Medikament mehr entwickelt – wieder nach vorn bringen. Oschmann kann 2011 als Pharma-Boss nach Darmstadt und löste seinen erfolg- und glücklosen Vorgänger Elmar Schnee ab. Seither baut Oschmann die Pharma-Organisation radikal um, schasst zahlreiche Manager und ersetzt diese vorwiegend durch externe Kräfte. Dennoch wird Oschmann im Unternehmen als durchaus verträglicher Manager beschrieben. In der Medikamenten-Branche gilt der promovierte Tiermediziner als Schwergewicht: Über ein Jahrzehnt lang bekleidete  er Top-Positionen beim US-Namensvetter Merck & Co.. Falls Oschmann die Pharma-Wende packt, darf er sich Hoffnungen machen, in einigen Jahren Konzernchef Kley abzulösen. Als einer seiner Konkurrenten gilt Finanzvorstand Zachert. Quelle: Presse
Bernd ReckmannAuch der 57-Jährige Leiter des erfolgreichen Chemie-Geschäfts von Merck darf sich  Hoffnungen auf die Konzernspitze machen.  Reckmann blickt auf eine lange Betriebszugehörigkeit bei Merck zurück, kennt das Unternehmen aus dem Eff-eff.  Der promovierte Biochemiker  ist seit zwei Jahrzehnten dabei – das sichert ihm durchaus Pluspunkte bei der Eigentümerfamilie.         Quelle: Presse

Zahlreiche Pharma-Präparate von Merck , deren Patentschutz bereits abgelaufen ist, werden künftig in der Consumer Health-Sparte (rezeptfreie Medikamente) geführt. Dazu zählen etwa das Vitaminpräparat Neurobion und Floratil gegen Durchfall. „Durch den Wechsel zu Consumer Health können wir diese Präparate besser vermarkten“, sagt Stefan Oschmann, für die Pharmasparte Merck Serono sowie Consumer Health zuständiges Mitglied der Geschäftsleitung von Merck gegenüber wiwo.de. „So können wir gezielter Endkunden ansprechen, bei Pharmapräparaten dürfen wir nur gegenüber Ärzten werben“, so Oschmann. Insgesamt seien von der Umschichtung Präparate mit einem Gesamtumsatz von rund 200 Millionen Euro betroffen.

Die Sparte Consumer Health mit Marken wie Nasivin, Kytta gegen Schmerzen oder dem Folsäurepräparat Femibion galt lange als das Sorgenkind bei Merck. Oschmann und sein Consumer Health-Chef Udit Batra durchforsteten das Portfolio und konzentrierten sich auf Schlüsselmärkte.

Mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2013 habe sich der Überschuss mehr als verdoppelt (Vorjahr 567 Mio Euro), teilte der Dax-Konzern am Donnerstag mit. Merck komme bei der Restrukturierung schneller voran. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 9,7 Prozent auf 3,25 Milliarden Euro gestiegen. Analysten hatten im Schnitt mit 3,3 Milliarden gerechnet. Beim Umsatz bekam Merck erneut den starken Euro im Vergleich zum US-Dollar und zum japanischen Yen zu spüren. Der Erlös ging um 0,4 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zurück.

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Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley gab sich vor dem Hintergrund der „anhaltend negativen Wechselkurseffekte“ vorsichtig optimistisch. 2014 erwarte Merck zwar eine leichte Steigerung der Umsatzerlöse. Allerdings dürfte das Wachstum durch die Wechselkurseffekte aufgezehrt werden. Somit rechnen die Darmstädter mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. Auch das Ebitda vor Sondereinflüssen soll stabil bleiben. Zu den wichtigsten Wettbewerbern von Merck zählen etwa der US-Konzern Johnson & Johnson sowie Bayer. Im Vergleich zu solchen Wettbewerbern ist Merck Consumer Health allerdings auf den wichtigen Märkten USA und China nicht präsent.

(Mit Material von dpa.)

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