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Pharmabranche Spanier bieten Milliarden für Plasma-Spezialist Biotest

Der hessische Spezialist für Arzneimittel aus Blutplasma hat einen neuen Besitzer: Biotest wird an den spanischen Pharmahersteller Grifols verkauft.

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Der Experte für Blutplasma wird vom spanischen Konkurrenten übernommen. Quelle: dpa

Der hessische Arzneimittelhersteller Biotest wird an den spanischen Konkurrenten Grifols verkauft. Der auf Arzneimittel aus Blutplasma spezialisierte Konzern aus Barcelona lässt sich die Übernahme von Biotest bis zu 1,9 Milliarden Euro kosten.

Der chinesische Mehrheitseigentümer Creat, dem Biotest seit fast vier Jahren gehört, hat seine Beteiligung bereits für 773 Millionen Euro an die Spanier verkauft, die überdies ein Gesellschafterdarlehen über 313 Millionen Euro übernehmen, wie das börsennotierte Familienunternehmen aus Katalonien am Freitag mitteilte. Die restlichen Aktionäre von Biotest erhalten ein Übernahmeangebot.

Grifols-Vorstandschef Raimon Grifols Roura verspricht sich von dem Zukauf eine Erweiterung der Plasma-Therapien und eine schnellere Entwicklung neuer Produkte. Biotest hat Medikamente für die Hämatologie, die Immunologie und die Intensivmedizin im Portfolio. Grifols stellt ebenfalls Arzneimittel aus Blutplasma her und hat sich auf die Transfusionsmedizin spezialisiert.

Attraktiv ist Biotest für die Spanier aber auch dank seiner 26 Plasma-Zentren in Europa, in denen bis zu 1,5 Millionen Liter Plasma pro Jahr gewonnen werden können. Bis zum kommenden Jahr soll die Kapazität verdoppelt werden.

Creat hatte bereits Anfang Juni angekündigt, „strategische Optionen“ für das Unternehmen aus Dreieich bei Frankfurt zu prüfen - dreieinhalb Jahre nach dem Einstieg. Für die Chinesen hat sich das Engagement gelohnt: Sie hatten 2018 einschließlich Schulden 1,3 Milliarden Euro gezahlt.

Biotest hatte sich von Creat vor allem finanzielle Unterstützung bei seiner Expansion versprochen. Doch musste das hessische Unternehmen im Zuge der Übernahme sein US-Geschäft verkaufen. Die US-Behörde CFIUS, die Auslandsinvestitionen in den USA kontrolliert, hatte Bedenken angemeldet.

In den roten Zahlen

Seither hat es Biotest nicht aus der Verlustzone geschafft. Im vergangenen Jahr schrieb die Firma mit 1900 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 484 Millionen Euro einen Nettoverlust von 31 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr rechnet Biotest wegen hoher Expansionskosten mit roten Zahlen.

Für die Biotest-Stammaktien, die bisher zu fast 90 Prozent bei Creat liegen, bietet Grifols je 43 Euro, das ist ein Aufschlag von 23 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag. Die Vorzugsaktionäre sollen je 37 Euro bekommen, vier Prozent mehr als der letzte Xetra-Kurs vor der Ankündigung. Ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sei nicht geplant, betonte Grifols. Ein Rückzug von der Börse sei aber möglich. Die Vorzüge stiegen um zehn Prozent auf 39 Euro, die Stammaktien auf exakt 43 Euro.

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