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Philips Wende statt Ende - Die Sanierung in fünf Schritten

Der Elektronikriese stand vor großen Problemen. Wie Konzernchef Frans van Houten Philips durch schlankere Produktion und neue Produkte modernisiert hat.

Frans van Houten hat den Elektronikriesen von Grund auf modernisiert. Quelle: REUTERS

Beim ersten Treffen hat Frans van Houten ebenso wenig von einem knallharten Sanierer wie von einem Visionär. Unscheinbar, zurückhaltend und freundlich ginge er eher als höherer Beamter oder Lehrer durch.

Tatsächlich hat er das Traditionshaus von Grund auf verändert. Kern ist eine Art Fünf-Schritte-Programm. Damit will der 53-jährige den für Erfindungen wie die Elektrorasierer, die CD und die Energiesparlampe bekannten Konzern wieder so erfinderisch und profitabel machen  wie früher. Um sich Investitionen und die im Kampf um Marktanteile nötigen Preiskämpfe leisten zu können, trieb er der Produktion über Lean-Modelle teure Verschwendung aus. Dazu baut Philips nun lieber Geräte zusammen statt alle Einzelteile zu fertigen und  bietet anderswo längst übliche Angebote, bei denen der Konzern statt Maschinen auch Gesamtlösungen bietet wie eine Verbindung der bislang eher nebeneinander arbeitenden Maschinen über ein Computernetz.

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1. Schritt: Kehraus bei den Produkten

Lange schleppte Philips viele unprofitable Produkte mit. Die Hoffnung war, wer mit seiner Stereoanlage zufrieden ist, kauft auch eine teure Zahnbürste. Doch van Houten setzte den Kehraus seines Vorgängers Gerard Kleisterlee fort.

Den größten gab es bei der Konsumelektronik, die vom einstmals größten Feld zum heute kleinsten mit rund 20 Prozent vom Umsatz sackte. Hier verkaufte van Houten nach der Fernsehsparte auch das Geschäft mit Audio- und Videogeräten und beschränkt Philips auf hochpreisige Produkte in drei Gruppen: Körperpflege (Elektrorasierer, Enthaarer, Gesichtsreiniger), Wellness (elektrische Zahnbürsten, Babypflege) sowie Haushaltsgeräte (Kaffeevollautomaten, Bügeleisen, Küchenmaschinen).

Auch in der Medizintechnik begnügt sich van Houten mit drei großen Feldern: Diagnose (Computertomografie, Ultraschall und Röntgen), Patienten-Überwachung inklusive Nachsorge sowie Informatik für Kliniken. Im Lichtgeschäft, wo Philips in der Rolle als mit Abstand weltgrößter Anbieter Philips lange etwas träge war, lässt er ohne großes Aufhebens die klassische Leuchttechnik in Form von Glühbirnen und Energiesparlampen auslaufen und investiert fast ausschließlich in Zukunftsprodukte mit Leuchtdioden, in dem Philips noch zwei Jahren nicht mal zu den zehn größten Anbietern der Welt zählte.

2. Schritt: Neues Leitbild

Dann verpasste der begeisterte Segler van Houten Philips ein neues Ziel, und zwar gleich das denkbar größte: Weltverbesserung. „Wir setzen bei den großen Problemen der Menschheit an“, sagt van Houten, „denn es ist ein lukrativer Markt.“ Mögen die Philips-Produkte vom Nasenhaarschneider über LED-Leuchten für Auto und Straßenlaternen bis zur Krankenhaus-IT für Außenstehende auch wenig gemeinsam haben. Für van Houten dient das alles dem einen Ziel: für jeden Megatrend das richtige Produkt. Konkret ist aus seiner Sicht Medizintechnik ein Mittel gegen für die wachsende Zahl von Kranken mit Krebs, chronischen Leiden sowie Verschleißerkrankungen. Denn kaum zu stillenden Energiehunger inklusive des Klimaproblems sollen Sparlampen mildern. Die Konsumartikel wie Zahnbürsten und Kaffeemaschinen schließlich bescheren der wachsenden Mittelschicht ein besseres Aussehen sowie mehr Genuss, und sei es nur weil die Geräte besser aussehen als ihre Vorgänger.

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