WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Piraten Reeder fordern zügige Bewaffnung deutscher Schiffe

Exklusiv

Die deutschen Reeder haben den Bundestag aufgefordert, zügig die Bewaffnung deutscher Handelsschiffe zum Schutz vor Piraten zu erlauben und rasch eine Verordnung zu erlassen, die den Einsatz von Waffen gegen Piraten regelt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Ralf Nagel Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Nagel, der Bundestag berät in Kürze die Bewaffnung deutscher Schiffe, in Hamburg treffen sich an diesem Dienstag Anti-Piraterie-Experten. Wie dramatisch ist die Lage?

Nagel: Richtig ist, dass die Zahl der erfolgreichen Angriffe auf Handelsschiffe abgenommen hat, aber das Problem ist noch lange nicht gelöst. Allein in diesem Jahr haben die Piraten vor Somalia schon 70 Schiffe attackiert. Derzeit halten sie elf Frachter mit insgesamt 188 Geiseln fest. Hinzu kommt: Die Piraterie nimmt auch in anderen Regionen zu, etwa im Golf von Guinea, vor der Küste Nigerias.

Sind die Hintermänner in Nigeria dieselben wie in Somalia?

Nach dem Wenigen, was wir wissen, sind das andere Leute. Es sieht eher so aus, als versuchten da welche abzukupfern vom Geschäftsmodell der somalischen Piraten. Aber unser Hauptproblem ist nach wie vor der Golf von Aden, die somalische Küste und der gesamte Indische Ozean, die Drehscheibe der internationalen Schifffahrt.

Dreckschleudern auf See
Crown Princess Quelle: Pressebild
Emerald Princess Quelle: Pressebild
Ruby Princess Quelle: Pressebild
Voyager of the Seas Quelle: Pressebild
Navigator of the Seas Quelle: Pressebild
Adventure of the Seas Quelle: pinguino

Werden Schiffe aus bestimmten Nationen häufiger angegriffen als andere?

Es war lange Zeit so, dass deutsche Schiffe stärker betroffen waren. Wir haben nun einmal die drittgrößte Handelsflotte der Welt. Leider scheint das effektivste Mittel zur Abwehr die Bewaffnung der Schiffe zu sein.

Die Bundesregierung will auch auf Schiffen unter deutscher Flagge bewaffnete Kräfte erlauben. Wann ist es so weit?

Der Gesetzentwurf ist vom Kabinett verabschiedet und geht nach der Sommerpause in die parlamentarische Beratung. Genauso wichtig ist aber eine Durchführungsverordnung, quasi die Gebrauchsanweisung für Sicherheitsunternehmen, die für den Einsatz auf deutsch beflaggten Schiffen zugelassen werden wollen. Diese Verordnung muss so rasch wie möglich kommen, damit die Unternehmen im Januar 2013 die Zulassung beantragen können.

Was kostet das? Gibt es Alternativen?

Die gefährlichsten Städte der Welt
Cali Quelle: dpa
Kapstadt Quelle: dpa
Palmira Quelle: dpa
Valencia Quelle: AP
Platz 6: Distrito Central, HondurasNoch krimineller geht es im Distrito Central in Honduras zu. Hier liegt die Mordrate bei über 73. Die Gemeinde mit knapp 1.200.000 Einwohnern vermeldete 2015 genau 882 Morde. Quelle: dpa
Maturín Quelle: Fotolia
Acapulco Quelle: REUTERS

Welche zusätzlichen Kosten kommen auf die Reeder zu?

Schon jetzt geben die Reeder 30.000 bis 100.000 Dollar je Schiffsreise für den Schutz vor Piraten aus, auch abhängig von Schiffstyp und Dauer der Reise durch gefährdete Gebiete. Wir rechnen mit keinen wesentlich höheren Kosten durch den Einsatz bewaffneter Kräfte, vorausgesetzt, es gibt genug Wettbewerb unter den Sicherheitsfirmen.

Wie viele deutsche Unternehmen sind in dem Bereich denn schon tätig?

Einige gibt es. Aber für uns Reeder ist nicht entscheidend, aus welchem Land das Sicherheitsunternehmen kommt, sondern ob es eine deutsche Zulassung hat.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Droht nicht eine Eskalation, wenn Piraten bewaffnete Schiffe angreifen?

Die Befürchtung gibt es immer. Aber was wäre die Konsequenz? Der wirksamste Schutz vor Piraten ist, sie erst gar nicht aufs Schiff kommen zu lassen. Noch nie ist ein Schiff gekapert worden, das bewaffnete Kräfte an Bord hatte.

Gibt es keine Alternative?

Es gibt auch Schiffe, die aus Sorge vor Überfällen einen Umweg fahren. Aber im Wesentlichen nicht. Sie können ja nicht einfach mal den Persischen Golf, die arabische Halbinsel, den indischen Subkontinent oder Ostafrika aus dem Fahrplan streichen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%