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Porsche Die Schatten der Vergangenheit

Vor dem Landgericht Braunschweig wird heute über zwei Investorenklagen gegen die Porsche Holding verhandelt. Die Anleger fühlen sich betrogen, Porsche gibt sich gelassen. Dabei bergen die Klagen einigen Sprengstoff.

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Porsche muss sich den Fehlern der Vergangenheit stellen. Quelle: ap

Düsseldorf Porsche gibt sich ganz gelassen. Nein, man habe die Anleger nicht in die Irre geführt. Zwei Schadensersatzklagen von Anlegern werden heute vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt. Der geforderte Schadenersatz wirkt auf den ersten Blick vernachlässigbar klein: 4,7 Millionen Euro. Trotzdem die Klage birgt einigen Sprengstoff. Die Kläger argumentieren, dass Porsche seine Absicht zur Beherrschung des VW-Konzerns zu lange verschwiegen habe. Das Unternehmen habe die Anleger bewusst getäuscht.

Folgen die Richter der Argumentation der Anleger dürfte das Urteil milliardenschweren Schadensersatzklagen anderer Investoren Rückenwind geben. Die Schatten der Vergangenheit dürften den Sportwagenbauer so schnell nicht loslassen.

Auch auf die Finanzbranche könnte der Wirtschaftskrimi Auswirkungen haben. Bei der angeblichen Marktmanipulation soll auch eine Frankfurter Bank mitgewirkt haben, sagt ein Kläger. Im Zuge der späteren Kapriolen des VW-Aktienkurses war der auf fallende Kurse setzende Aktionär auf dem falschen Fuß erwischt worden und hatte gut 3,1 Millionen Euro verloren.

In der zweiten Klage verlangt eine Anlagegesellschaft aus der Schweiz Schadenersatz in Höhe von knapp 1,6 Millionen Euro, ebenfalls wegen angeblicher Manipulation der Börsenkurse durch Porsche. Die Schweizer machen geltend, dass Porsche bei Veröffentlichung der Absicht zum Abschluss eines Beherrschungsvertrages mit VW im Oktober 2008 dazu finanziell gar nicht mehr in der Lage gewesen sei.

Drei weitere Klagen gegen Porsche warten auf ihre Zulassung. Diesmal geht es um Milliarden. Bei zweien fehlen noch die Begründung für die Klage. Die geforderte Summe steht bereits fest. Sie liegt zusammen bei etwa 2,1 Milliarden Euro. Sowohl die Porsche Holding als auch Volkswagen selbst werden beklagt. Auch für eine fünfte Klage, deren Schadenssumme auf zwei Milliarden Euro beziffert wird, gebe es noch keinen mündlichen Verhandlungstermin, teilte das Landgericht Braunschweig mit.

Porsche hält die Klagen für unbegründet. Bei den Kläger handele es sich um professionelle Investoren, die wissentlich enorme Risiken eingegangen sind und sich verspekuliert hätten. "Die Klagen sind der Versuch, sich für eigene Fehleinschätzungen schadlos zu halten", sagte ein Sprecher der Porsche Holding.

Die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE hortet zwei Schätze unter ihrem Dach: Erstens halten die Schwaben gut 50 Prozent der Volkswagen-Stammaktien, also der stimmberechtigten Anteilsscheine des Wolfsburger Konzerns. Zweitens gehört der Dachgesellschaft gut die Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft.


Porsche SE sucht neue Geschäftsfelder

Die Folgen der gescheiterten Übernahme holen den Sportwagenbauer immer wieder ein: Am Dienstag war eine Klage gegen den ehemaligen Finanzchef Holger Härter zugelassen worden. Härter war der Architekt des 2008/2009 spektakulär gescheiterten Übernahmeangriffs auf Volkswagen. Bei diesem Griff nach der Macht spielten komplizierte Finanzgeschäfte ein wesentliche Rolle. Mit ihnen sicherte sich die Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) nach und nach über Umwege Zugriffsrechte auf VW-Stammaktien. Die Dynamik dieser Deals ist schlecht planbar - am Ende hatte die PSE gut elf Milliarden Euro Schulden aufgetürmt und VW drehte den Spieß um. Härter wird nun vorgeworfen im März 2009 eine Bank unzureichend oder falsch informiert zu haben.

Im Gegenzug hatten die Wolfsburger 2009 knapp die Hälfte des reinen Sportwagengeschäfts der Porsche AG erworben. Es flossen knapp vier Milliarden Euro in den Süden, die den gut elf Milliarden Euro großen Schuldenberg der PSE ein Stück weit abtrugen. Sollten die Klagen Erfolg haben, wären sie ein schwerer Schlag für den Umbau der Holding.

Denn die Familien Porsche und Piëch die neuen Geschäfte der Holding voran: So schnell wie möglich soll auch die zweite Hälfte der Porsche AG an VW gehen. Unter dem Dach der PSE bleiben dann noch die VW-Anteile.

Kern der neuen Basis für die PSE: Sie kann künftig beispielsweise auch mit Rohstoffen handeln, Wind- oder Solarenergie erzeugen und damit handeln oder im großen Stil ins Immobiliengeschäft einsteigen. Die Mittel dafür kämen auch aus dem Dividendenanspruch der VW-Aktien. Winterkorn erklärte am Montag, dass das Geld in der PSE in Zukunft „für weitere strategische Beteiligungen“ genutzt werden solle.

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