Porträt Bernd Romanski: Durch Dick und Dünn mit Hochtief
Altkanzler Schröder unterstützt den Parteifreund und Hochtief-Urgestein Romanski bei dem Vorhaben Bürgermeister in Hamminkeln zu werden.
Foto: Ingo Rappers für WirtschaftsWocheBernd Romanski, der jetzt als Parteifreund von Altkanzler Gerhard Schröder und als Bürgermeisterkandidat im Niederrhein-Städtchen Hamminkeln Schlagzeilen macht, gehört zu den angesehensten Managern der deutschen Bauindustrie. Die Karriere des 56-Jährigen ist eng mit dem Essener Hochtief-Konzern verbunden. Begonnen hat diese mehr als nur geschäftliche Verbindung aber schon, als Romanski noch ein Kind war. Denn Romanskis Vater Joachim, der 1982 verstarb, arbeitete als Techniker bei Deutschlands führendem Bauunternehmen und brachte es als Betriebsrat bis zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats.
Romanski studierte Betriebswirtschaft in Bochum und sattelte bei Papas Firma weitere Qualifikationen als Industriekaufmann und Buchhalter drauf. Als ersten Auslandsjob entsandte Hochtief Romanski 1983 zu einer Großbaustelle nach Saudi-Arabien – und musste ihn dort im Jahr darauf aus dem Knast heraus holen. Der 25-Jährige steckte im Süden des Landes unweit der jemenitischen Grenze mit einem Dutzend anderer Häftlinge in einer dreckigen Arrestzelle – Grund war ein falscher Verdacht wegen eines Gelddiebstahls auf der Baustelle.
Peer Steinbrück
Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück arbeitet künftig für die größte deutsche Direktbank ING-Diba. "Ich werde ein Angebot annehmen, als Berater des Vorstandes" sagte Steinbrück der Wochenzeitung "Die Zeit" laut einer Vorabmeldung vom Mittwoch. Der 69-Jährige hatte vor einer Woche seinen Abschied aus dem Bundestag genommen. Steinbrück war mit den Banken mehrfach hart ins Gericht gegangen. Er stehe zu der Kritik, sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Doch zum einen habe die heutige Tochter der niederländischen ING eine lange sozialdemokratische Tradition, zum anderen sei sie in keine "der in Rede stehenden Verfehlungen und Manipulationen verwickelt gewesen".
In Steinbrücks Zeit als Finanzminister fiel die Finanzkrise 2008, in der die Bundesregierung mehrere Banken wie die Hypo Real Estate und die Commerzbank mit Milliarden gerettet hatte. Steinbrück sagte der Zeitung, es wäre richtig gewesen, damals auch die Deutsche Bank zur Annahme von Staatsgeld zu zwingen. Die Banken und ihre Verbände hätten sich aber gegen eine Zwangskapitalisierung gewehrt.
Foto: dpaKatherina Reiche
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katherina Reiche (CDU), wechselt in die Wirtschaft. Sie wird als Nachfolgerin von Hans-Joachim Reck zum 1. September 2015 Hauptgeschäftsführerin des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU). "Es freut mich außerordentlich, dass wir nach einer bundesweiten und intensiven Suche mit Katherina Reiche eine ausgewiesene Expertin gewinnen konnten, die auf verschiedenen politischen Ebenen viel Erfahrung mitbringt", so VKU-Präsident Ivo Gönner.
Brisant: Das Bundeskabinett beschloss - wenige Stunden vor Reiches Wahl - einen Gesetzentwurf mit Sperrzeiten für ausscheidende Regierungsmitglieder. Künftig müssen Politiker vor ihrem Wechsel in die Wirtschaft eine Karenzzeit von zwölf, in Sonderfällen von 18 Monaten einhalten. Reiche betrifft das jedoch nicht mehr.
Viviane Reding
Die ehemalige EU-Justizkommissarin übernimmt einen Posten im Aufsichtsrat des Bergbaukonzerns Nyrstar. Einen Konflikt mit ihrer neuen Position als Europaabgeordnete oder mit ihrem vorigen Amt als EU-Kommissarin sieht Reding nicht. „Ich sehe überhaupt kein Problem, sonst hätte ich das nicht gemacht“, sagte sie. Die neue Aufgabe sei ebenso wie ihr Einzug in das Kuratorium der Bertelsmann-Stiftung nach dem Verhaltenskodex der EU-Kommission genehmigt worden. Ehemalige EU-Kommissare dürfen für eine Dauer von 18 Monaten nach ihrem Ausscheiden keine Lobbyarbeit etwa bei der EU-Kommission betreiben. Die konservative Luxemburgerin Reding erklärte, sie werde als Europaabgeordnete falls nötig an Debatten oder Abstimmungen mit Relevanz für die Bergbau-Branche nicht teilnehmen. „Das ist sowas von normal. Das sollte eigentlich jeder Abgeordnete so machen.“
Foto: dpaDaniel Bahr
Ex-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wird vom 1. November 2015 an Generalbevollmächtigter der Allianz Private Krankenversicherung. Er übernimmt das Leistungsmanagement und die Vertriebskoordination. Nach einer Einarbeitung solle Bahr - vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin - in den Vorstand berufen werden. Bahr wechselt damit in die Branche, für die er als Minister zuständig war. Die Vereinigung Lobbycontrol kritisierte den Wechsel Bahrs zur Krankenversicherung und forderte die Bundesregierung auf, endlich per Gesetz Karenzzeiten für den Wechsel in die Wirtschaft einzuführen.
Foto: dapdUrsula Heinen-Esser
Ursula Heinen-Esser war seit Oktober 2013 parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Seit Januar 2015 ist sie Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Garten-, Landschafts-, Sportplatzbau (BGL).
Foto: dpaStéphane Beemelmans
Beemelmans verdiente sein Geld ursprünglich als Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Seit Dezember 2014 ist der Parteilose Geschäftsführer der Lobbyagentur Eutop in Berlin.
Foto: dpaJan Mücke
Mücke (FDP, rechts im Bild) war ebenfalls seit Oktober 2013 Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Seit Juli 2014 ist er Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes (DZV).
Foto: dpaBernd Pfaffenbach
Bis zum Jahr 2011 war der parteilose Bernd Pfaffenbach (links) Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und der persönliche Beauftragte des Bundeskanzlers zur Vorbereitung des Weltwirtschaftsgipfels. Seit 2011 arbeitet er als Senior Advisor bei der US-Bank JP Morgan Chase.
Foto: dpa/dpawebMichael Glos
Bis zum Jahr 2009 war Michael Glos (CDU) Bundeswirtschaftsminister. Von 2009 bis 2012 arbeitete er bei RHJ International als Berater und wechselte 2013 als Berater zum Gipshersteller Knauf.
Foto: dpaHildegard Müller
Hildegard Müller (CDU) war bis 2008 Staatsministerin im Bundeskanzleramt und galt als Vertraute von Parteichefin Merkel. Seit Oktober 2008 ist sie Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).
Foto: dpa/dpawebThomas Mirow
Mit gerade einmal 22 Jahren wurde Mirow 1975 Assistent des damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Willy Brandt. Mirow wurde dessen Büroleiter und war schließlich bis zum Jahr 2007 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Von Juli 2008 bis Juni 2012 hatte Thomas Mirow das Amt des Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) inne.
Foto: dpa
Romanski verließ Hochtief 1991 – und kehrte nach 13 Jahren und zwei weiteren Jobwechseln zurück. Zunächst war er ab 2004 verantwortlich für das operative Geschäft bei der Gebäudedienstleistungssparte Hochtief Facility Management. 2011 wurde er Vorstand bei der europäischen Bausparte des Konzerns, Hochtief Solutions.
Romanski erhob Widerspruch – und musste gehen
Seit aber der spanische ACS-Konzern Hochtief 2011 feindlich übernahm, gab es enorme Spannungen bei Deutschlands Bauprimus. Top-Manager gingen reihenweise und nahmen ganze Managementteams mit. Den Verlust an Knowhow nahm ACS ungerührt in Kauf. Führungskräfte wie Romanski wollten den deutschen Bauriesen eigentlich operativ stärken und weiter entwickeln – die Spanier aber ordneten Hochtief konsequent ihren finanziellen Interessen unter.
Romanskis Abgang Anfang 2013 war spektakulär und gilt alten Hochtieflern als Akt der Zivilcourage und nicht als unternehmerisches Scheitern. Da lohnen die Details: Ende 2012 setzte der keinen Widerspruch duldende Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes Romanski den Hochtief- Solutions-Vorstandssprecher Rainer Eichholz Knall auf Fall vor die Tür und ernannte Romanski am 14. Dezember zu seinem Nachfolger. Dabei hatte Romanski zuvor deutliche Worte gefunden für die Situation bei Hochtief unter ACS.
Damals noch als Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor bei Hochtief Solutions beschrieb er 2012 in der März-Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift „Baubude“ schonungslos die Folgen der feindlichen Übernahme: „Durch die Personalabgänge auf Vorstandsebene ist in Teilen die Verunsicherung bei den Mitarbeitern nach wie vor groß.“ Es falle vielen schwer, „die Schockstarre zu überwinden und zur Tagesordnung zurückzukehren“. Zur „allgemeinen Unsicherheit“ trügen verschlechterte Geschäftsaussichten bei. Weiterer Personalabbau – rund 100 Jobs hatte Romanski 2011 streichen müssen sei bei Hochtief Solutions 2012 auch in Deutschland „leider unvermeidbar“. Denn „fast sicher geglaubte Aufträge“ im Ausland, im Facility Management und bei öffentlichen Projekten seien Solutions entgangen. Dabei hätten „Presseberichte über mögliche Pläne von ACS eine Rolle gespielt“.
Auch zu den Eigenkündigungen vieler Kollegen nahm Romanski Stellung: Dass Kollegen freiwillig gingen, sei „für Hochtief eine relativ neue Erfahrung. Wenn mehrere Headhunter im Unternehmen einmal erfolgreich waren, dann bohren sie es weiter auf“. Höhepunkt des Klartext-Interviews: „Es gibt schwer gebeutelte Bereiche, bei denen ich ein hohes Maß an Verständnis habe, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.“ Hochtief – früher ein Top-Arbeitgeber – werde „auf dem Markt teilweise Schwierigkeiten haben, neue Leute zu bekommen“.
Wenn Fernandez von Romanski nach der Beförderung Beflissenheit erwartet hatte, lag er schief – und machte mal wieder kurzen Prozess. Zwei Wochen vor Silvester hatte der Spanier Romanski zum Solutions-Sprecher ernannt, Ende Januar musste er seinen Schreibtisch räumen.
Heute ist Romanski mit einer eigenen Beratungsgesellschaft von Hamminkeln aus in der Branche unterwegs und arbeitet als Interimsmanager. Aktuell hat ihn der frühere Hochtief-Konkurrent Bilfinger unter Vertrag. Mit dem Leben als Manager-Nomade dürfte allerdings Schluss sein, wenn die Hamminkelner den dort seit 1970 lebenden SPD-Mann im Herbst zum Bürgermeister wählen. Romanskis Auftrag wäre dann mal wieder eine Sanierung – die seiner Heimatstadt.