Preisabsprachen Ritter Sport schmollt und schweigt

Saure Zeiten für Süßigkeiten-Hersteller. Zur wirtschaftlich schweren Lage kommt für die Produzenten nun noch eine 60-Millionen-Strafe vom Bundeskartellamt. Ritter Sport wehrt sich gegen den Vorwurf, Preise abgesprochen zu haben.

Die Petzer und der Abstreiter: Schokoriegel-Hersteller Mars lies Preisabsprachen in der Süßwaren-Industrie auffliegen. Auch Ritter Sport soll beteiligt gewesen sein. das Unternehmen streitet dies ab. Quelle: dpa

Für die Süßwaren-Industrie beginnt das Jahr mit einem Bußgeld von 60 Millionen Euro: Große Namen, wie Ritter Sport, Katjes, Nestlé und Bahlsen sollen sich gegenseitig abgesprochen haben, um gemeinsam Preiserhöhungen an den Verkaufsregalen durchzusetzen. Insgesamt seien daran elf Unternehmen beteiligt gewesen, berichtet das Bundeskartellamt, das eine Gesamtstrafe von 60 Millionen Euro verhängt hat.

Der Schokoriegel-Produzent Mars lies das Kartell 2008 auffliegen und ging mit einem sogenannte Kronzeugenantrag zum Bundeskartellamt. Dieses stellte daraufhin Untersuchungen an. Mit seinem Vorpreschen, entging das Unternehmen somit einem Bußgeld. Insgesamt verhängte die Bonner Behörde Strafen für drei Tatbestände: Innerhalb der sogenannten „Vierer Runde“ sollen sich 2006 bis 2008 hochrangige Mitarbeiter von  Ritter Sport, Mars, Nestlé und Haribo über ihre jeweiligen Verhandlungen mit Einzelhändlern ausgetauscht haben. So konnten sie laut Bundeskartellamt ihr weiteres Vorgehen in den Verhandlungen aufeinander abstimmen. Dafür hatte Haribo schon im August 2012 ein Bußgeld erhalten.

Deutschlands Schoko-Riesen
Schlager Süsstafel Quelle: dpa
Berggold "Sturm der Liebe" Quelle: Screenshot
Halloren-Kugeln Quelle: dpa
Rübezahl Schokoladen Quelle: Presse
Trumpf: Edle Tropfen Quelle: Screenshot
Moser Roth
Stollwerck-Gruppe: Die Markensammler Quelle: dapd
Ritter Sport Quelle: Screenshot

Spezielle Preisabsprachen hätten innerhalb der „Vierer Runde“ nur zwischen Ritter Sport, Mars und Nestlé stattgefunden. Die Preise ihrer Schokoprodukte seien 2008 um durchschnittlich zehn Prozent gestiegen. Teils wurden sie umgesetzt, in dem die Hersteller den Verpackungsinhalt verkleinerten. Die elf beschuldigten Unternehmen sollen sich außerdem in der Konditionenvereinigung der Deutschen Süßwarenindustrie über ihre Verhandlungen und beabsichtigte Preiserhöhungen ausgetauscht haben.  

Während der Untersuchungen des Bundeskartellamts legte Ritter Sport außerdem Gespräche zwischen einem seiner Mitarbeiter und einem Mitarbeiter von Kraft Foods Deutschland offen. Dabei soll es auch mehrmals über beabsichtigte Preiserhöhungen gegangen sein. Diese freiwillige Offenlegung führte dazu, dass das Bundeskartellamt in diesem Fall Ritter Sport das Bußgeld erlies. Für die anderen beiden Fälle erhielt das Unternehmen ein Bußgeld von 7,5 Millionen Euro. Das ist niedriger als erwartet: Es wäre ein Bußgeld von bis zu 30 Millionen Euro möglich gewesen. Schon in einem Interview im Winter 2011 prophezeite Chef Alfred Ritter den drohenden Untergang des Unternehmens, sollte die Kartellbehörde ein derart hohes Bußgeld verhängen: „Das wäre das Ende. Die Firma wäre zwar nicht von heute auf morgen zahlungsunfähig, aber so sterbenskrank, dass ich sie nicht fortführen würde“, sagte Ritter damals.

Was Sie über Kakao wissen müssen
Die Kakaobohne ist der Schlüsselrohstoff für die Herstellung von Schokolade. Deutschland gehört neben den USA und den Niederlanden zu den größten Schokoladenproduzenten der Welt - im Jahr 2009 stellte Deutschland 980.000 Tonnen Schokolade her. Woher kommt der Bohne, die unser Leben versüßt? Wer handelt damit? Wo wird der Rohstoff noch verwendet? Ein Überblick.
Bis aus den Bohnen Schokolade wird, ist es ein langer und komplexer Prozess. Die Bohnen müssen fermentieren, wodurch sie erst ihr Aroma erhalten. Dann müssen die Bohnen getrocknet werden, um transportiert werden zu können. Der Kakaobaum wächst nicht überall - nur entlang des Äquators ermöglichen Klima und Terrain eine artgerechte Züchtung. Quelle: Reuters
Die westafrikanischen Staaten Ghana und Elfenbeinküste (der Hafen San Pedro im Bild) gehören zu den größten Kakao-Exportländern der Welt. Nach Angaben des Bundes Deutscher Süßwaren Industrie (BDSI) lieferte die Elfenbeinküste 2010 ungefähr 146 Tausend Tonnen nach Deutschland. Das waren 44,1 Prozent der 331.866 Tonnen Kakaobohnen, die 2010 in Deutschland verarbeitet wurden. Weltweit sind 30 Entwicklungsländer an der Züchtung und dem Anbau von Kakaobohnen beteiligt. Quelle: REUTERS
Gehandelt wird Kakao an der London International Financial Futures Exchange und der New York Board of Trade (hier im Bild). Im Juli 2010 erreichte der Rohstoff einen Preis von 2732 britischen Pfund pro Tonne. Seit 1977 war Kakao nicht mehr so teuer gewesen. Trotzdem ist der Preis inflationsbereinigt seit den 1970er Jahren stetig gefallen. Damals kostete eine Tonne Kakaobohnen ungefähr 11.000 Euro nach heutigen Währungsmaßstäben. "Ein Kakaobauer in Afrika war in den 1970er Jahren richtig wohlhabend", wie Friedel Huetz-Adams vom Kölner Südwind-Institut erzählt. Heute haben die Bauern es nicht leicht, nur ein Bruchteil des Kakaopreises bleibt bei ihnen hängen. Die Folgen sind Kinder- und Sklavenarbeit auf Afrikas Kakaoplantagen.Als die Kakaobohne 2010 ihr 33-Jahreshoch erreichte, steckte der Londoner Hedgefonds Armajaro dahinter. An einem einzigen Tag kaufte Armajaro gleich 240.000 Tonnen Kakao im Wert von 658 Millionen Pfund Sterling auf, was etwa sieben Prozent der jährlichen Produktion entsprach. Mit der Menge hätte man mehr als fünf Schiffe der Größe der Titanic beladen können. Armajaro ist einer der größten Händler für Kakao und Kaffee. Gründer und Chef von Armajaro ist der britische Börsenhändler Anthony Ward. Quelle: Reuters
Anthony Ward wird in der Branche auch "Chocfinger" genannt Quelle: Fotolia
Eine kleiner Geschichtsausflug: Bei den Mayas in Zentralamerika hatte das Schokoladengetränk zu gesellschaftlichen und religiösen Anlässen seinen festen Platz auf dem Getränkemenü. Die Azteken nutzten die Kakaobohne nicht nur als Getränk sondern auch als Medizin und Zahlungsmittel. Als die Spanier die neue Welt entdecken, begriffen sie schnell den Wert der Währung Kakao. Noch heute werden in Zentralamerika Kakaomasse und -bohnen in Reinform verkauft und zum Kochen unterschiedlicher Gerichte verwendet. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Kakaobohne nach Westafrika und in den Rest der Welt exportiert. Bild: Eine Aztekenskulptur hält eine Kakaofrucht in den Händen. Quelle: GNU
Eine Skulptur des Dichtes Goethe Quelle: dpa
Lotionen und Gesichtsmasken mit Kakaobutter Quelle: Presse

Doch auch mit 7,5 Millionen will sich Ritter Sport nicht abfinden und hat Einspruch gegen die Vorwürfe erhoben: Ein Sprecher von Ritter Sport zeigte sich zuerst mit einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche Online bereit, da man in diesem Fall offen kommunizieren wolle. Nach einer halbstündigen Unterhaltung, in dem er die Gespräche bestätigte, aber Preisabsprachen bestritt, überlegte es sich das Unternehmen mit seiner Offenheit nochmal. Die gemachten Aussagen wollte Ritter Sport nach einem Austausch mit seinen Anwälten dann doch nicht auf WirtschaftsWoche Online lesen.

„Wir sprechen kein Bußgeld aus, wenn wir keine stichhaltigen Beweise haben“, sagt der Sprecher des Bundeskartellamts, Kay Weidner, zum Einspruch von Ritter Sport. Die Behörde honorierte aber das Entgegenkommen des Unternehmens. Da es alle seine Kontakte von sich aus offen gelegt hatte, gab es zumindest keine Strafe für die Absprachen mit Kraft Foods: „Es ist richtig, dass Ritter für einen bestimmten Teilkomplex als Kronzeuge fungiert hat und deshalb insoweit kein Bußgeld verhängt wurde“, sagt Weidner. „Bei den anderen Tatkomplexen war aber auch Ritter an den Kartellverstößen beteiligt.“

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Zudem ist der Boden für Preisabsprachen durchaus fruchtbar: Die Süßwaren-Produzenten kämpfen einerseits mit ständig steigenden Preisen für Rohstoffe, wie Zucker, und andererseits mit der Markt- und Verhandlungsmacht der wenigen, deutschen Einzelhandelsriesen, wie Rewe, Edeka und Metro. Dadurch ist es schwierig die Preissteigerungen an die Händler weiter zu geben. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie spricht auf seiner Homepage von einer "Sandwich-Position", in der sich die Süßwaren-Produzenten befinden. Zugleich beklagt die Süßwaren-Industrie generell einen niedrigeren Absatz in Deutschland: Dieser ist laut dem Bundesverband 2012  um 0,6 Prozent zurück gegangen. So eine Lage verführt zu unritterlichem Verhalten.

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