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Problemflieger von Airbus Deutschlands erster A400M ist gelandet

Vier Jahre Verspätung, unzählige Probleme, endlich da: Kurz vor Weihnachten ist der erste A400M in Deutschland gelandet. Rund um das modernste Flugzeug der Luftwaffe gibt es aber weiter Streit und Probleme.

Das erste deutsche A400M Transportflugzeug der Luftwaffe ist am 19.12.2014 auf dem Fliegerhorst Wunstorf gelandet. Quelle: dpa

Deutschlands erster neuer Militärtransporter vom Typ A400M „Atlas“ ist auf seinem neuen Stützpunkt Wunstorf bei Hannover gelandet. Die Maschine kam am Mittag aus dem spanischen Sevilla an. Im dortigen Airbus-Montagewerk war sie wochenlang von einem Luftwaffen-Team überprüft und am Donnerstag dann offiziell übergeben worden.

Zu den Empfangsgästen gehörte auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). „Sie hat sich nach der Landung sehr interessiert das Cockpit angeschaut“, berichtete Oberstleutnant Christian Schott, der die Maschine nach Wunstof überführt hatte.

Die erste A400M geht in Dienst
Im Cockpit des A400M. Zu einer offiziellen Feier der Übergabe der ersten neuen Frachtmaschine wird das französische Verteidigungsministerium zu einem späteren Zeitpunkt laden. Die offizielle Übergabefeier soll nach der Sommerpause am Standort der Endmontagelinie im spanischen Sevilla stattfinden. Die A400M gilt als eines der wichtigsten Rüstungsprojekte Europas. Um die Finanzierung hatte es allerdings lange heftigen Streit gegeben. Missmanagement und technische Probleme führten zu der jahrelangen Verspätung und zu Milliarden-Mehrkosten. Der europäische EADS-Konzern (künftig: Airbus), der von Frankreich und Deutschland dominiert wird, drohte zwischenzeitlich sogar mit einer Einstellung des Programms, an dem europaweit rund 40 000 Arbeitsplätze hängen. Damit sollte Druck auf die Käuferstaaten ausgeübt werden, mehr Geld lockerzumachen. Die Bundeswehr bezifferte die Projektkosten für die 40 eigenen Maschinen zuletzt auf 25 Milliarden Euro. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget vor einigen Wochen war ein A400M ausgestellt worden und auch zu Präsentationszwecken in die Luft gegangen. Hier ein Blick in das Innere der Maschine. Die erste an Frankreich gelieferte A400M wird nach Angaben von Airbus Military vor ihrer Eingliederung in die Transportflotte der französischen Luftwaffe zunächst für die weitere Ausbildung der Besatzungen eingesetzt. Die deutschen Maschinen sollen in Zukunft beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf bei Hannover stationiert werden. Unter anderem der Mittelrumpf des Transportfliegers wird bei Airbus in Bremen gebaut. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Zu diversen Anlässen waren die Testmaschinen in den vergangenen Monaten bereits zu Showflügen gestartet. Hier wird eine A400M von einer französischen Kampfflugzeugstaffel begleitet. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Nicht nur für reine Frachtflüge kann die Maschine eingesetzt werden, auch zum Absetzen von Fallschirmspringern ist sie geeignet. Bis zu 116 voll ausgerüstete Springer können an Bord gehen. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Die französischen A400M werden am Standort Orléans-Bricy stationiert sein. Die technische Daten des Flugzeugs: Reisegeschwindigkeit: 780 km/h; Spannweite: 42 m; Länge: 45 m. Quelle: Französisches Verteidigungsministerium
Die Verzögerung in Produktion und Zulassung waren so immens, dass das französische Beschaffungsbüro der Streitkräfte von einem „schmerzvollen Prozess“ spricht. In Deutschland ... Quelle: EADS
... steht die offizielle Zulassung noch aus. Die Bundeswehr soll trotz der Probleme bei der Zulassung des Militär-Airbus A400M im Herbst nächsten Jahres ihre erste neue Maschine bekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll das Flugzeug im November 2014 ausgeliefert werden. Insgesamt ist die Anschaffung von bis zu 60 neuen Militärtransportern geplant. Der A400M soll bei der Luftwaffe das in die Jahre gekommene Transportflugzeug Transall ablösen. Ursprünglich hatte das erste Flugzeug 2009 in Dienst gestellt werden. Das Bild zeigt eine A400M bei einer Flugvorführung in Le Bourget nahe Paris. Quelle: AP

Der 38-Jährige war einer der beiden ersten Luftwaffenpiloten, die auf dem Mehrzweck-Transporter geschult wurden. Bisher stehen 16 ausgebildete deutsche Piloten und 10 Beladungsmeister für das neue Flugzeug bereit. Für die Premieren-Maschine beginnt nun die mehrmonatige Einsatzprüfung.

Die Bundeswehr orderte 53 Maschinen im Wert von 7,1 Milliarden Euro - 13 sollen verkauft werden. Als modernster Transporter der Welt soll er in den kommenden Jahren die betagte und kleinere, zweimotorige C-160 „Transall“ ersetzen - für sie soll Ende 2018 Schluss sein.

Technische Daten zum A400M

Streit um A400M geht weiter

Die Vorgeschichte zur Landung des A400M ist lang. Der Militärtrabnsporter gilt als Musterbeispiel für die Problemprojekte der Bundeswehr. Technische Mängel, extrem hohe Anforderungen und bürokratische Scherereien haben zu lange Verzögerungen sowie explodierenden Kosten geführt.

Trotz der nun erfolgreichen Auslieferung tobt derzeit ein heftige Streit zwischen dem Verteidigungsministen und Hersteller Airbus. Es geht um die Frage, mit wieviel Verzögerung die Turboprop-Maschine an die Bundeswehr ausgeliefert wurde. Das Ministerium geht von vier Jahren aus. Es bezieht sich auf den ursprünglichen Kaufvertrag von 2003, in dem August 2010 als Auslieferungstermin festgelegt wurde.

Bei Airbus gilt eine andere Zeitrechnung. Bei der 38. Änderung des A400M-Vertrags 2011 sei der Auslieferungstermin auf den 30. November 2014 verschoben worden, heißt es aus der Verteidigungssparte des Konzerns. Deswegen könne man juristisch gesehen nur von 18 Tagen Verspätung sprechen. „Ob man 18 Tage als Verspätung oder noch als ziemlich pünktlich bewertet, liegt im Auge des Betrachters“, erklärte ein Sprecher.

Die Freude an dem einstigen Prestigeobjekt ist dem Flugzeughersteller mittlerweile ohnehin vergangen: An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus keinen Cent verdienen, hat Unternehmens-Chef Thomas Enders bereits verkündet und erklärt: „So einen Vertrag wie bei A400M unterschreiben wir nie wieder.“

Bisher haben erst neun A400M-Maschinen den Weg zu ihren Käufern gefunden. Deutschland ist nach Frankreich, der Türkei und Großbritannien das vierte Land, das eine erhält.

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