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Produktion wird zu teuer Bye, Bye China

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Vom deutschen Partner abhängig


Nähen Quelle: Suzanne Chater für WirtschaftsWoche

Lee freut sich über die vollen Auftragsbücher. Momentan fertigt das Unternehmen auf 18 Fertigungslinien. „Wenn hier unten kein Platz mehr ist, können wir die obere Etage noch ausbauen”, sagt Lee und verspricht: „Wir wollen gemeinsam mit Ergobag wachsen.“ Damit macht sich der Zulieferer auch ein Stück weit vom Erfolg seiner deutschen Partner abhängig.

Für Berater Nguyen ist das ein optimales Modell für deutsch-vietnamesische Zusammenarbeit: „Der Aufbau von Lieferbeziehungen ist in Vietnam aufwendig und langwierig“, sagt er, das Bildungsniveau der Arbeiter sei niedrig, die Fabriken technisch oft in einem „miserablen Zustand“. Darum würden sich Geschäfte nur lohnen, wenn sie langfristig ausgerichtet sind.

Falscher Netzstecker

Das klappt nicht immer auf Anhieb. Eine Kompressorenfabrik im Süden Vietnams, kurz vor Feierabend. Minh Do hat einen Termin mit dem Produktionsleiter, er ist unzufrieden. Der Vietnam-Repräsentant des bayrischen Heimwerkerausrüsters Einhell, der hier Bohrmaschinen, Akkuladegeräte oder Gartenpumpen produzieren lässt, hat allerlei zu meckern: Bei einigen Geräten sind die Stromkabel zu kurz, bei anderen haben die Arbeiter einen falschen Netzstecker montiert. „Nicht akzeptabel“, brummt Minh Do, der penible Deutsch-Vietnamese.

Sein Vietnam-Abenteuer startete Einhell vor fünf Jahren. Der Heimwerkerausstatter suchte günstige Lieferanten und wollte die Abhängigkeit von China senken. Minh Do sollte die Niederlassung aufbauen und die Qualität kontrollieren – und hat damit bis heute seine Mühe: „Das Niveau, das wir vorfanden, war deutlich schlechter als erwartet.“ Werkzeuge und Maschinen fehlten, viele Fabriken waren verdreckt, Produktivität und Kapazitäten ließen häufig zu wünschen übrig.

Vietnam und Äthiopien

Wer Waren in Vietnam kaufen will, muss seinen Lieferanten erst europäische Standards beibringen. 70.000 Kompressoren hat Einhell in diesem Jahr in Vietnam geordert, 20.000 mehr als im Vorjahr. Vietnams Anteil am Einhell-Einkaufsvolumen liegt im einstelligen Prozentbereich – und viel mehr dürfte es wegen der Schwierigkeiten mit den Lieferanten auf absehbare Zeit auch nicht werden. Minh Do will darum künftig eher simple Produkte ordern. Gerade sucht er nach einem Hersteller, der ein paar Tausend Sackkarren liefern kann.

Auf der Suche nach Märkten, auf denen nur wenige Wettbewerber um die Kapazitäten in der Lohnfertigung rangeln, setzt der Hamburger Kaffeeröster und Non-Food-Händler Tchibo bei Textilien auf Länder wie Äthiopien. Dort baute ein türkischer Lieferant eine Spinnerei, Tchibo unterstützte das Projekt mit langfristigen Lieferverträgen. Mehr als eine Million Teile bezieht Tchibo nun aus Ostafrika.

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