Produktionskürzungen Bei Airbus wackeln 1900 Stellen in Deutschland

Vom Airbus A380 sollen ab 2020 nur noch sechs Stück pro Jahr produziert werden. Quelle: REUTERS

Wegen Produktionskürzungen beim A380 und Verzögerungen beim Militärtransporter A400M stehen bei Airbus insgesamt 3720 Stellen in Gefahr. Die meisten betroffenen Mitarbeiter könnten aber im Konzern bleiben.

Beim europäischen Flugzeugbauer Airbus sind bis zu 3720 Stellen in Gefahr. Die Gründe dafür sind die schwache Nachfrage nach dem Prestigemodell A380 und Verzögerungen beim Militärtransporter A400M, wie Airbus am Mittwoch mitteilte. Für die meisten betroffenen Mitarbeiter könnten aber voraussichtlich im Konzern andere Arbeitsplätze gefunden werden - für Baureihen wie den A320 und den A350, wo die Produktion hochgefahren werden soll, sagte ein Sprecher. Das gilt in Deutschland vor allem für Hamburg. In Bremen und Augsburg werde das schwieriger, hieß es in Unternehmenskreisen. Dort müssten die Betroffenen umziehen.

Insgesamt seien in Deutschland 1925 Beschäftigte betroffen, deren Stellen wegfielen oder verlagert werden sollten, sagte der Chef der französischen Gewerkschaft Force Ouvriere, Jean-Marc Escourrou, der Nachrichtenagentur Reuters. Zunächst war nur von rund 1000 die Rede gewesen. Airbus hofft dabei ohne Kündigungen auszukommen: "Wie in der Vergangenheit erfolgreich demonstriert, geht Airbus mit allen Auswirkungen unternehmerischer Entscheidungen auf seine Mitarbeiter verantwortungsvoll um", erklärte das Unternehmen nach einem Treffen mit dem Europäischen Betriebsrat. Nun sollen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern beginnen.

Am stärksten betroffen sind neben Bremen und Augsburg das spanische Sevilla und Filton in England. In Spanien geht es laut Force Ouvriere um 860 Stellen, in Großbritannien um 465 und in Frankreich um 470.

Hauptgrund für den Stellenabbau sind die Schwierigkeiten mit dem doppelstöckigen Großraumflugzeug A380, für das die Aufträge in den vergangenen Jahren nur noch tröpfelten. Erst die kürzliche Bestellung der arabischen Fluggesellschaft Emirates verhinderte das Aus für den A380. Doch fährt Airbus die Produktion von zwölf A380 in diesem Jahr auf acht im nächsten und sechs im Jahr 2020 herunter. Profitabel ist die Produktion damit nicht. Der Flugzeugbauer hofft aber, doch noch weitere A380-Aufträge zu erhalten.

Beim A400M hatte sich Airbus auf einen um mehrere Jahre gedrosselten Auslieferungsplan mit den sieben Erstkunden-Staaten geeinigt. Daher werden 2019 nur noch elf und 2020 nur noch acht A400M gebaut. In diesem Jahr sind es noch 15. Airbus hofft aber noch, dass die Auslastung mit weiteren Bestellungen erhöht werden kann.

In Augsburg sei die Belegschaft am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung über den Abbau von rund 500 Stellen in diesem und im nächsten Jahr informiert worden, sagte Michael Leppek, der Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall. Davon seien vor allem Leiharbeiter betroffen. Das habe aber wohl nur zum Teil mit dem in Paris beschlossenen Abbau zu tun, sagte er. Airbus beschäftigt in Augsburg 3200 eigene Mitarbeiter, dazu kommen 650 Leiharbeiter. Die dort ansässige Tochter Premium Aerotec war schon vor Jahren ausgegliedert worden und steht zum Verkauf.

von Reuters

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